Die sechsteilige ZDF-Serie „Wendehammer“ erzählt mit gedämpfter Satire von den Abrieberscheinungen am gutbürgerlichen Glück.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Das Ärgerlichste am Ärger des Alltags ist ja der Umstand, dass man heimlich weiß, dass man sich über Nichtigkeiten nicht ärgern sollte, sich aber trotzdem aufregt. Wo ist das Handy schon wieder hingekommen? Was und wann war noch mal der Termin, an den man sich nur vage erinnert – was Amtliches, was Zahnärztliches, ein Geburtstag? Und warum ist der Hund immer so nass, wenn er aus dem Wasser kommt? Auch mit solchen Problemen schlagen sich die Vorstadtbewohner in der sechsteiligen ZDF-Serie „Wendehammer“ herum.

Doch selbst brave Menschen wie die fünf hier im Mittelpunkt stehenden Paare haben Leichen im Keller. Vier der Frauen hier haben sogar mehr als das: Sie haben eine Leiche im See. Aus diesem Geheimnis macht die Serie nicht lange ein Hehl. Ein weiterer Krimi wird sie trotzdem nicht. Die wachsende Unruhe der Frauen angesichts eines rapide fallenden Wasserpegels und die schriller werdenden Versuche, ein Bauprojekt zu stoppen, das für diesen Seeschwund verantwortlich sein könnte, bilden nur den Besichtigungspfad, von dem aus wir das ganz normale Vorstadtleben betrachten sollen: geknickte Träume, unausgelebte Ambitionen, Abrieberscheinungen am Glück, die kleinen und großen Lügen, die den Laden am Laufen halten sollen – und die Freuden, Hilfsgemeinschaften und Aufbäumversuche, mit denen man sich den Trott erträglich zu machen versucht.

Tristesse und Unordnung

Franziska (Susan Hoecke), Meike (Meike Droste), Nadine (Friederike Linke) und Samira (Elmire Rafizadeh) sind seit Langem Freundinnen und Nachbarinnen. Julia (Alice Dwyer) ist erst vor einem halben Jahr zugezogen ins Idyll der Doppelhaushälften und wäre gerne Mitkomplizin der Tristessebewältigung. Das Zeug dazu hat sie: Ihrem Umfeld macht sie vor, sie sitze an den letzten Sätzen ihrer Doktorarbeit. Tatsächlich hat sie seit Monaten nicht mehr beieinander als ein paar Worte Einleitung.

Fotografiert ist das Ganze wie eine der üblichen ZDF-Serien aus dem bürgerlichen Heldenleben, mit jener leichten Überhöhung der Szenerie, als sollten uns die gezeigten Leben wie neue Couchgarnituren beim Möbelhändler schmackhaft gemacht werden. Doch diesmal verbirgt sich hinter der Aufgeräumtheit ebenjene Unordnung, um die es der Drehbuchautorin Alexandra Maxeiner geht. Gewiss, die österreichische Serie „Vorstadtweiber“, an die man unweigerlich denken muss, ist in allem schärfer und frecher, aber die Zurückhaltung von „Wendehammer“ hat zumindest Methode. Die Fans der übernetten Serien sollen in eine Welt gelockt werden, in der man schon mal spüren darf, dass Glück nicht zum schlüsselfertigen Lieferprogramm der Vorstadt gehört.

Wendehammer. ZDF, Donnerstag, 20.15 Uhr. Alle sechs Folgen bereits in der Mediathek.

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