Heimische Zecken lauern in Parks und Wiesen auf Menschen und Tiere. Welche Zecken-Arten in Stuttgart leben und wie man sich vor Zeckenbissen und übertragbaren Krankheiten schützen kann.

Herrschen milde Temperaturen, sitzen Zecken in Büschen, auf Gräsern oder in Flussnähe und warten auf unfreiwillige Wirte. Wer vom Sommerspaziergang eine Zecke als Mitbringsel auf sich trägt, sollte schnell und bewusst handeln. Doch welche Zeckenarten gibt es in Stuttgart, wie schützt man sich vor den Parasiten und wie sollte man handeln, wenn man doch eine Zecke am Körper findet?

 

Gibt es in Stuttgart viele Zecken?

Aufgrund der milden Temperaturen, die in Stuttgart meist herrschen, sind Zecken hier besonders aktiv und verbreiten sich gut. Mit einer hohen Zahl an Zecken steigt auch die Gefahr der übertragbaren Krankheiten wie Borreliose oder FSME. 2025 war von einem „Zeckenjahr“ die Rede. Grund dafür sind milde Winter, so das Gesundheitsministerium Baden-Württemberg. Denn Zecken werden bereits bei Temperaturen ab sechs Grad aktiv und viele der Spinnentiere schaffen es so sogar unbeschadet durch den Winter.

Unabhängig von der Lage und Pflege des Gartens, können die Blutsauger in allen Gärten vorkommen – so das Ergebnis einer Untersuchung der Uni Hohenheim. Zwar ist die Zeckendichte in waldnahen Gebieten bedeutend höher, Haustiere und Wildtiere tragen jedoch die blinden Passagiere über weite Strecken, weshalb sie auch in städtischen Gärten immer häufiger sind. Wie man Zecken im Garten loswird, erfahren Gartenbesitzer hier

Welche Zeckenarten sind besonders verbreitet?

In Deutschland kommen 19 Zeckenarten vor. Nicht jede Zecke befällt primär den Menschen, auch Vögel, Reptilien und Haustiere sind beliebte Wirte.

Gemeiner Holzbock

Der Gemeine Holzbock ist besonders weit verbreitet in Deutschland und Europa. Es handelt sich um die am meisten verbreitete heimische Zeckenart in Deutschland. Er lebt in Wäldern, auf Wiesen, in Gärten und Parks. Diese Zeckenart überträgt Borreliose und ist ein Träger von Anaplasmose. Im Frühsommer kann diese Zeckenart außerdem FSME übertragen. Besonders aktiv ist der Gemeine Holzbock von März bis Oktober.

Auwaldzecke

Die Auwaldzecke ist vor allem in Süd- und Ostdeutschland verbreitet. Sie hält sich gerne in feuchten Auwäldern und auf Wiesen auf. Sie übertragen Babesiose, die sogenannte „Hunde-Malaria“, was unbehandelt sogar zum Tod führen kann. Rickettsien verursachen bei Hunden Fieber und Schwäche. Auch Menschen sind vor einem Biss dieser Zecke nicht geschützt, auch wenn diese Fälle seltener vorkommen.

Braune Hundezecke

Die Braune Hundezecke ist die weltweit am meisten verbreitete Zeckenart und überträgt auch in Deutschland Infektionskrankheiten wie Babesiose oder Ehrlichiose auf Hunde und Katzen. Diese Art stammt ursprünglich aus tropischen Ländern und ist mittlerweile in allen wärmeren Ländern heimisch. Nach Deutschland wird sie in der Regel aus Urlaubsländern über Haustiere eingeschleppt und überlebt hier als „Hauszecke“ bei über 20 Grad. Hat sie sich in einer Wohnung eingenistet, wird man sie nur mit erheblichem Aufwand los. Sind Räumlichkeiten in hohem Maße von dieser Zeckenart betroffen, gehen die Tiere vom Hund als Wirt auch auf den Menschen über.

Taubenzecke

Die Taubenzecke gehört zur Familie der Lederzecken und hält sich als nachtaktives Tier tagsüber hauptsächlich in Ritzen, Spalten und anderen Unterschlüpfen an Taubenschlägen oder Hühnerställen auf. Neben Tauben werden auch Hühner, Enten, Gänse, Spatzen und andere Vogelarten befallen. Gelegentlich sucht die Taubenzecke auch andere Tiere und Menschen auf. Verlassen die Zecken ihre natürlichen Wirte, wandern sie vor allem in Stadtwohnungen ein – über Fenster, Balkontüren und defektes Mauerwerk.

Wie kann man sich vor Zecken schützen?

Anti-Zecken-Sprays machen Menschen unattraktiver für Zecken, rät die Uni Hohenheim. Gänzlich schützen können sie nicht, sie verringern jedoch das Risiko gebissen zu werden. Auch lange Kleidung kann helfen, die Tiere abzuwehren. Nach einem Aufenthalt im Freien solle man sich nach Zecken absuchen. Denn je früher eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist das Infektionsrisiko. Besonders beliebt sind Regionen wie die Kniekehle, Achselhöhlen und hinter den Ohren.

Zeckenbiss: Was tun?

Die Zecke sollte mit einem sehr feinen Werkzeug wie einem Skalpell oder einer feinen Pinzette fachgerecht entfernt werden. Dafür packt man sie möglichst nah an der Hautoberfläche am Kopf und zieht sie möglichst vorsichtig nach oben. Bleibt der Kopf beziehungsweise das Mundwerkzeug der Zecke aufgrund der Widerhaken in der Haut stecken, ist das weniger schlimm. In diesem Teil der Zecke befinden sich keine Krankheitserreger. Diese befinden sich im vollgesogenen Körper der Zecke. Deshalb ist es auch wichtig, dass dieser bei der Entfernung nicht gequetscht wird, da die Zecke sonst ihren Speichel mitsamt eventuell vorhandenen Erregern abgibt.

Ein anderes Werkzeug zur Entfernung von Zecken ist die sogenannte Safe-Card, die es in Apotheken und im Zoofachhandel gibt. Es handelt sich um eine Scheckkarte mit ausgestanzten Schienen, mit der sich Zecken aller Entwicklungsstadien fassen und entfernen lassen.

Durch Zecken übertragene Krankheiten

FSME ist eine in Deutschland meldepflichtige Krankheit. Menschen, die beruflich gefährdet sind, wie Förster sowie Jogger und Reisende sollten sich gegen FSME impfen lassen, rät das Gesundheitsamt Baden-Württemberg.

Lyme-Borreliose ist eine durch Zecken übertragene Krankheit, die schwere gesundheitliche Folgen für den Menschen haben kann. Etwa jede fünfte Zecke in Deutschland ist mit dem Erreger infiziert. Die Infektion des Menschen erfolgt meist erst einige Stunden nach dem Zeckenstich, eine frühzeitige Entfernung ist also ratsam. Tritt nach einem Zeckenstich eine sogenannte Wanderröte auf, bildet sich also um die Einstichstelle ein roter Strich oder Kreis oder treten Symptome wie Kopfschmerzen oder Fieber auf, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen. Eine Infektion kann mittels eines Bluttests festgestellt werden.