Zehn gute Gründe Wieso „Last Christmas“ besser ist als sein Ruf

Putzig: Santa Claus alias George Michael (rechts) mit  Rentier Andrew Ridgeley Foto: Sony
Putzig: Santa Claus alias George Michael (rechts) mit Rentier Andrew Ridgeley Foto: Sony

Dem Song entgeht in der Adventszeit keiner, und das seit drei Jahrzehnten. Angeblich hasst ihn alle Welt. Aber es gibt zweimal fünf Gründe, das Lied des Popduos Wham! trotz allem zu mögen.

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Stuttgart - Die einen drehen das Radio lauter. Andere schalten ab. Am 15. Dezember 1984 kam der Ohrwurm auf den Markt. Susanne Veil und Jan Gerog Plavec haben zwei Mal fünf Gründe zusammengestellt, die Last Christmas zur Ehrenrettung dienen. Susanne Veil freut sich jedes Mal, wenn sie das Lied hört.

1 Die Melodie macht gute Laune. Man kann dabei ideal vor Heiligabend die Wohnung putzen. Mit „White Christmas“ oder „Driving home for Christmas“ geht das nicht. Am ehesten noch mit „Let it snow“, aber das ist ja nicht eigentlich ein Weihnachtssong. Und die Melodie kommt ohne Glöckchen aus. Es gibt das Gerücht, George Michael habe einen von ihm komponierten Song mit dem Titel „Last Easter“ („Letzte Ostern“) einfach umbenannt, um einen Weihnachtshit zu landen.

2 Der Text ist genial. Schon beim zweiten Wort weiß man, worum es geht. Noch mehr in sich hat es das erste Wort: „last“ (das letzte). Zum 20-Jahr-Jubiläum schrieb der Kulturjournalist Sebastian Hammelehle, dass das „wirklich Besondere“ an „Last Christmas“ sei, dass Wham! als erste Popband „die Existenz von Weihnachten einfach hinnahmen“. Unterschwellig gehe es darum, „ein traditionelles Fest nur seiner schönen Oberfläche wegen zu feiern“. Wie man das heute halt so macht. Es gehe ja gar nicht um das Jahr 1983, schreibt Hammelehle, es gehe immer um das vorige Jahr. „Eine solche perpetuum-mobile-hafte Selbsterneuerung schaffen nur die wirklich großen Klassiker.“

3 Das Lied erzählt wie eine Kurz­geschichte eine traurige Geschichte von enttäuschter Liebe. Aber es gibt schon wieder Hoffnung, denn der Sänger hat eine neue Liebe gefunden. So ist das Leben – und gerade an Weihnachten ist man doch gerne ein bisschen melancholisch.

4 Das Video ist eine Zeitreise zurück nach 1984. Da war ich süße 21 und auch sehr verliebt mit allen Aufs und Abs, wie das halt so ist in dem Alter. Wenn ich mich recht entsinne, war 1984/85 ein extrem kalter Winter mit viel Schnee. Ich fuhr einen weißen Polski Fiat, mit Lenkradfell und Tigerimitat als Sitzbezug. Der hätte perfekt in das Wham!-Video gepasst. Ich bin mir nicht sicher, ob der Fiat schon ein Radio hatte oder ob ich selber singen musste.

5 George Michael ist Baujahr 1963, genau wie ich. Ein guter Jahrgang, wobei ich finde, dass ich mich besser gehalten habe. Hatte ja auch ein ruhigeres Leben. Im Ernst, natürlich wäre ich 1984 nie mit einem Typen ausgegangen, der eine solche Vokuhila-Frisur (vorne kurz, hinten lang) hatte. Ich glaube, mir gefielen damals noch richtig lange Haare bei den Männern oder wenigstens ein wilder Lockenkopf. Aber der George Michael war schon ein Süßer mit seinem Schmollmund. Und dabei lässig englisch, ironisch. Komisch, dass wir damals nie darauf gekommen wären, dass er schwul ist. Das war bei uns Landeiern einfach nicht auf der Checkliste.




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