Zehn Jahre Aktionsbündnis Amoklauf Prävention an Schulen ohne erhobenen Zeigefinger

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Vor zehn Jahren, am 18. November 2009, wurde in Winnenden aus dem Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden eine Stiftung. Ein erfolgreiches Projekte der Stiftung war ein Klassenzimmer-Theaterstück.

Hardy Schober war Gründungsmitglied der Stiftung. Foto: Stoppel/Archiv
Hardy Schober war Gründungsmitglied der Stiftung. Foto: Stoppel/Archiv

Winnenden - Knapp ein halbes Jahr nach dem Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden ist am 18. November 2009 die Stiftung gegen Gewalt an Schulen ins Leben gerufen worden. Aufklärung zum Thema Mobbing unter Schülern stand ganz oben auf deren Agenda. Damals sprach vieles dafür, dass der 17-jährige Täter wegen erlittener Demütigungen am 11. März des selben Jahres in seiner früheren Schule, im angrenzenden Park des Schlosses und nach einer Irrfahrt durch den Großraum Stuttgart in Wendlingen (Kreis Esslingen) 15 Menschen und sich schließlich selbst erschossen hatte.

Heute ist sicher, dass es vor der Tat an der Schule nicht zu Hänseleien gegenüber dem Täter gekommen war. Dennoch war vor zehn Jahren Mobbing bereits ein Thema an Schulen. Und die Angebote der Stiftung, die aus dem Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden heraus entstanden war, fanden große Nachfrage im ganzen Land.

Gegenwind seitens der Waffenlobby

„Dass die Stiftung zehn Jahre alt wird, ist außergewöhnlich und freut mich“, sagt Hardy Schober, der zusammen mit Gisela Maier Gründungsmitglied der Stiftung war. Der Kriminologe Christian Pfeiffer habe in einer Studie dargelegt, dass Elternbündnisse im Schnitt nur fünf Jahre Bestand hätten. Selbst heftiger Gegenwind seitens der Waffenlobby und von Herstellern von PC-Killerspielen habe sie nicht zum Aufhören gebracht, allerdings viele potenzielle Unterstützer verschreckt.

Bei der Evangelischen Landeskirche fanden die Organisatoren Unterstützung bei der Stiftungsgründung. „Helmut Liebs, der dort für Stiftungen zuständig ist, hat uns dabei sehr geholfen.“

Das Klassenzimmer-Theaterstück „War doch nur Spaß“

Eines der ersten und sehr erfolgreichen Projekte der Stiftung war ein Klassenzimmer-Theaterstück mit dem Titel „War doch nur Spaß“, geschrieben von Helga Fleig, erarbeitet zusammen mit dem Schauspieler Thomas Fritsche und Hardy Schober. 45 Minuten, also eine Schulstunde, dauerte das Stück um den Englischlehrer Weiß und seine Schüler Lena, Neshe, Florian und Alex – wobei die Schüler von Handpuppen dargestellt wurden.

Es geht darin um den Umgang miteinander, den verletzenden Ton, der in der Diskussion zwischen Lehrer und Schülern und diesen untereinander immer wieder angeschlagen wird – ohne erhobenen Zeigefinger, aber durchaus mit Tiefgang und auch Witz. Finanziert wurde das Stück, das über die Jahre rund 20 000 Schüler im ganzen Land erreichte, vor allem durch vielerlei Aktionen wie Benefiz-Konzerten im Waiblinger Weihnachtszirkus.