Neues City Carré in der Böblinger Fußgängerzone: Noch reiht sich hier Leerstand an Leerstand Foto: /Stefanie Schlecht
Vor zehn Jahren eröffneten in Böblingen zeitgleich das Einkaufszentrum Mercaden und die Fußgängerzone in der Bahnhofstraße. In der Dekade hat sich baulich vieles getan. Dennoch säumen viele Leerstände die Flaniermeile, während ein neu eröffnetes Quartier in der Nähe pulsiert.
Der Auftrieb war nicht von schlechten Eltern, damals im Spätsommer 2014. Mercaden-Investor Herbert Krämer frohlockte gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Lützner bei der Eröffnung seines neuen Einkaufstempels, der Shopping-Glanz zurückbringen sollte in die Stadt, die einst den Beinamen Einkaufsstadt trug. Seitdem sind zehn Jahre vergangen, in denen sich abermals viel getan hat zwischen Bahnhof und Elbenplatz. Zeit für eine Bestandsaufnahme.
Eine Feier zum ersten runden Geburtstag ist nicht angesetzt in der Innenstadt-Mall, die seit ihrer Eröffnung einmal den Besitzer und schon dreimal den Centermanager gewechselt hat. Zum Start schloss der Investor wie damals in der Branche üblich bevorzugt zehnjährige Mietverträge ab. Der Effekt auf die Ladenzeilen lässt sich nicht übersehen: Über 20 Ladengeschäfte stehen derzeit leer. Vor allem im ersten Obergeschoss am Übergang zu C&A, wo zwischen Optiker Krass und O2-Shop eine ganze Zeile nur aus verklebten Schaufenstern besteht.
Einige Geschäfte der ersten Stunde machten jüngst der Reihe nach dicht: Depot im Untergeschoss aufgrund Insolvenz, die Confiserie Hussel an zentraler Stelle im Erdgeschoss. Geschlossen ist außerdem die Filiale von S. Oliver. Und aufgrund Umzug ins benachbarte Pulse fehlt im Erdgeschoss nun der Sportartikler Decathlon. Bereits bekannt ist außerdem der Abgang von Osiander: Der Buchhändler zieht aus dem Obergeschoss in die Fußgängerzone.
Nanu Nana und Takko kommen
Doch Edip Özerol als Centermanager der Betreibergesellschaft Sonae Sierra hat einige Lichtblicke zu verkünden: „Takko zieht auf die ehemalige Fläche von Depot und belegt damit 500 Quadratmeter“, sagt er und kündigt die Eröffnung für November an. Außerdem werde die ehemalige Fläche von Vero Moda an den Spielwaren-Filialisten Nanu Nana vermietet. Özerol: „Die vormals von S. Oliver belegte Fläche im Erdgeschoss wird künftig Mister Lady übernehmen und sich damit auf 350 Quadratmeter vergrößern“
Die Mercaden feiern zehnten Geburtstag /Stefanie Schlecht
In der Gastronomie tue sich ebenfalls was: „Kiyam Manti wird auf einer Fläche von etwa 80 Quadratmetern türkische Maultaschen anbieten. Die Eröffnung ist am 23. August geplant“, sagt der Centermanager. An neuer Stelle und größer soll sich außerdem das Kiddieland präsentieren: Es zieht auf die ehemalige Mister-Lady-Fläche neben Media Markt. Den Wegzug von Decathlon ins neu eröffnete Pulse nebenan wertet er positiv: „Dass Decathlon einen wesentlich größeren Flächenbedarf hatte, werten wir als sehr gutes Zeichen. Denn das bedeutet, dass künftig noch mehr Menschen Decathlon besuchen, die wir dann sicher auch in den Mercaden Böblingen begrüßen werden.“
Überhaupt seien Pulse und Mercaden „tragende Säulen eines neuen innerstädtischen Viertels“, sagt Özerol über die neuen Nachbarn. Weiter Richtung Elbenplatz hat sich auf der Flaniermeile ebenfalls einiges getan. Nach jahrelanger Hängepartie und mehreren Besitzwechseln ist das sogenannte City Carré der Münchener Quarterback Immobilien auf dem ehemaligen Klett-Areal fertig. Das Unternehmen preist es auf seiner Homepage als „attraktives Highlight, das Leben und Arbeiten auf angenehme Weise miteinander vereint.“
Rätselraten über das City Carré
Neben den 107 Wohneinheiten sind im Erdgeschoss auf 2400 Quadratmetern Einzelhandels- oder Praxisflächen entstanden. Doch Leben ist noch nicht eingekehrt: Hinter den Schaufenstern herrscht gähnende Leere. Wann und welche Mieter dort die Fußgängerzone aufwerten sollen, ist vom Eigentümer nicht zu erfahren. Auch nicht, wie die Flächen zugeschnitten sein sollen. Auch im Rathaus ist nichts zu erfahren, nur so viel: „Wir haben großes Interesse daran, dass sich dort eine die Bahnhofstraße weiter stärkende, frequenzbringende Nutzung ansiedelt“, sagt Peter Lausch, der Sprecher der Stadt.
Decathlon-Neueröffnung im Juli /Stefanie Schlecht
Umso reger sei der Austausch der Stadt mit den Mercaden. Edip Özerol sei Vorstandsmitglied im Stadtmarketing und darüber gut vernetzt. Dabei würden „mögliche gemeinsame verkaufs- und innenstadtbelebende Aktionen besprochen, Entwicklungen im Bereich des Einzelhandels und hier speziell in Bezug auf die Mercaden erörtert und auch die Möglichkeiten, leer stehende Ladenlokale frühzeitig und mit attraktiven Geschäften wieder zu belegen.“
Pulse keine Konkurrenz
Das benachbarte Pulse sieht die Stadt weniger als Konkurrenz zur Fußgängerzone, sondern als zusätzlichen Magneten: „Positiv ist, dass Möglichkeiten geschaffen werden konnten, dass sich großflächiger Einzelhandel in der Innenstadt ansiedeln kann.“ Es sei eine Besonderheit, dass hier Verwaltung und Gemeinderat über Jahre an einem Strang gezogen hätten. Von dem Quartier könnten umliegende Geschäfte profitieren – im Idealfall.
Die Geschichte der Mercaden
Busbahnhof Der erste Schritt zur Ansiedlung war die Verlegung des Böblinger Busbahnhofs im Jahr 2007. So entstand Platz für den Neubau.
Investor Den Zuschlag für die Verwandlung des Busbahnhofs erhielt der Investor Herbert Krämer aus Bergisch-Gladbach. Er unterzeichnete 2009 den Kaufvertrag für das 6000 Quadratmeter große Grundstück mit dem damaligen Böblinger Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang.
Vergrößerung Im Jahr nach dem Kaufvertrag verkündete Krämer, das Center bis an die Fußgängerzone auszudehnen und zu vergrößern, 2012 begann der Bau.
Verkauf Nicht einmal ein Jahr nach Eröffnung gab Krämer 2015 den Verkauf der Mercaden an die Hansemerkur Versicherung bekannt. 2019 ging das Management des Centers an Sonae Sierra über, die Edip Özerol zum Centermanager machten.