Zehn Jahre Fußgängerzone in Böblingen Der Boden ist bereitet
Die Stadt Böblingen hat vieles getan, um das Quartier rund um die Bahnhofstraße aufzuwerten. Doch die Vollendung lässt noch auf sich warten, analysiert unser Redakteur.
Die Stadt Böblingen hat vieles getan, um das Quartier rund um die Bahnhofstraße aufzuwerten. Doch die Vollendung lässt noch auf sich warten, analysiert unser Redakteur.
Man erinnere sich zurück an die Zeiten vor dem Jahr 2014. Damals, als der Busbahnhof noch das Quartier rund um den Bahnhof dominierte. Genau genommen war der Platz zwischen Talstraße und Olgastraße eine flächige Asphaltwüste durchzogen von Bussteigen und mehr oder weniger ansehnlichen Sitzgelegenheiten. Die Durchgänge zur Bahnhofstraße waren schmuddelig, die Lokale hatten eher Spelunken-Charme. Nur wenige weinen dieser Zeit hinterher, und rückblickend betrachtet waren sowohl die Verlegung des Busbahnhofs als auch die Ansiedlung eines Einkaufscenters die richtigen städtebaulichen Weichenstellungen.
Konsequent war da nur, die Bahnhofstraße zur Fußgängerzone zu machen und mit ihr den gesamten Bahnhofsvorplatz aufzuwerten. Das passte insofern, da auf der anderen Seite der Bahngleise mit dem Flugfeld Tausende neue Stadtbewohner nach Böblingen kamen – die durch den breiten Durchgang nun in beide Richtungen schwärmen: Flugfeld und Innenstadt. Diese täglichen Pendlerströme in Richtung Einzelhandel auf die Bahnhofstraße zu lenken und das vor allem auf der sogenannten Nulleebene, hat aus der einstigen Schmuddelecke ein pulsierendes Quartier gemacht. Doch die hohe Frequenz ist für die Mercaden Fluch und Segen zugleich.
Segensreich ist der stete Strom an Center-Besuchern, der vor allem den Geschäften des täglichen Bedarfs stabile Umsätze beschert: Gastronomie, Drogerie, Apotheke, Lebensmittel. Doch mit der Mode im mittleren bis gehobenen Segment, da taten sich die Mercaden von Anfang an schwer. Und dies ist wohl der Fluch der hohen Frequenz in Bahnhofsnähe. Viel zu wenige verirrten sich von Anfang an auf die üppig dimensionierte Fläche des Modehändlers K&L Ruppert, der zunächst sogar zwei Stockwerke im Center belegte, wo sich jetzt ein Media Markt befindet und bis vor Kurzem noch Decathlon war.
Eine der ersten Geschäftsaufgaben war das Label La Fée Maraboutée, das mit gehobener Damenmode im Obergeschoss völlig deplatziert war. Recht früh verabschiedeten sich außerdem der Böblinger Lederwaren-Händler Maurer, das Schuhhaus Werdich, Runners Point und zuletzt S. Oliver. Was sich hält, sind Geschäfte im niederen bis mittleren Preissegment: New Yorker, der unvermeidliche H&M, TK Maxx und weitere Filialisten. Die jetzige Ansiedlung von Takko Fashion passt ins Bild. Die Mercaden täten gut daran, diese Positionierung als Nahversorger zu festigen – und die Lücken im Besatz zu schließen.
Die klaffen auch andernorts auf der sogenannten Flaniermeile, die in ihrem zehnten Jahr noch der vollständigen Vollendung harrt. An der Ecke Wilhelmstraße liegen die Bauarbeiten in den letzten Zügen, im City Carré Richtung Elbenplatz scheinen sie abgeschlossen zu sein. Man darf gespannt sein, wer sich hier dereinst ansiedelt. Klar ist: Die Fußgängerzone bereitet den Boden für eine attraktive Flaniermeile. Nun ist es an den Gebäudeeigentümern, darauf Leben einkehren zu lassen.
Eine Feier zum zehnten Geburtstag von Flaniermeile und Mercaden ist bis dato nicht angekündigt. Doch sie wäre ein wichtiges Signal für die Innenstadt – sobald die Bauzäune beiseite geräumt und die Ladenflächen bespielt sind. Denn die Konkurrenz schläft nicht: Das Breuningerland in Sindelfingen hat mehrfach angekündigt, sich um ein Drittel zu vergrößern. Es ist seit jeher die größte Konkurrenz für die Innenstädte der Region. Die können nur gedeihen, wenn alle Akteure dort an einem Strang ziehen: Inhaber, Ladenbetreiber und das Stadtmarketing sowie die Gastronomie. Dann kann in Böblingen eine echte Flaniermeile entstehen, die diesen Namen verdient.