Die Schmidener Band „So semmer halt“ setzt seit zehn Jahren auf schwäbisch-freche Texte mit Tiefgang und viel Augenzwinkern. Auch Ex-Bundestrainer Jogi Löw hat von der Band schon gehört.

Die Schwabenrocker von So semmer halt haben am Wochenende zusammen mit Birgit Pfeiffer, besser bekannt als Schwertgosch Elsbeth Gscheidle, unter dem Motto „Uff d’Gosch“ an zwei Abenden mehr als 300 Gäste im Haus der Rosen glücklich gemacht. Seit zehn Jahren gibt es die Band bereits, die mit frechen schwäbischen Songs wie „Halt doch oifach mal die Gosch“ oder die neueste Single „Spätzle für mei Schätzle“ nicht nur Einheimische zum Singen bringt. Und seit einigen Jahren haben die Musiker mit der Kabarettistin Birgit Pfeiffer den kongenialen Deckel für ihren Topf gefunden. Seitdem geht Elsbeth Gscheidle ihrem Alois regelmäßig mit dem „Frischfleisch“ von So semmer halt fremd – und gemeinsam haben sie einen saumäßigen Spaß miteinander.

Prominente Württemberger und Badener angeschrieben

Dass Schwaben vif sind, ist hinlänglich bekannt. Das gilt auch für die Musiker der schwäbischen Band So semmer halt. Kurz nach ihrer Gründung Ende 2012 haben bekannte Württemberger und Badener in aller Welt ein Paket von den Musikern aus Schmiden bekommen. Inhalt war ihre erste CD mit vier eigenen Songs, darunter „Halt doch oifach mal dei Gosch“, und ein schwäbisches Anschreiben: „Mir würdet ons freuen, wenn Se oifach mal neihöret.“ An die 80 Adressen hatten sie aus dem Internet herausgesucht. Unter den Adressaten waren neben dem VfB Stuttgart und Ministerpräsident Winfried Kretschmann auch Ex-Bundestrainer Joachim Löw, sein Vorgänger Jürgen Klinsmann sowie der frühere EU-Kommissar Günther Oettinger. Von Oettinger gab es keine Reaktion, das Päckchen an Klinsmann kam zurück, aber Johanna Krischker vom Büro der deutschen Nationalmannschaft ließ damals ausrichten, dass sich Jogi Löw über die CD „sehr gefreut habe“. Allerdings, sagt Marco Zeidler, der den Bass bedient, bezweifle er ernsthaft, dass der Jogi die CD jemals bekommen habe. Auch wenn die schwäbische Marketingstrategie vielleicht nicht ganz so erfolgreich war, hierzulande hat sich die – mittlerweile sechsköpfige – Band längst einen Namen gemacht.

Timo Rieker, Gregor Wohak, Marco Zeidler und Andreas Koch sind alte Schulfreunde und traten schon gemeinsam unter dem Namen Black the sheep als Band auf. Als sie ihre schwäbische Mission starteten, kam Philipp Schiller aus Buoch dazu. Benedikt Storz aus Oeffingen, mit 31 Jahren der Jungspund unter den aufs Schwabenalter zugehenden Bandkollegen, hat die Technik gemacht. Weil er ein überaus begabter Percussionist und Tenorhorn-Bläser ist, steht er seit 2016 mit auf der Bühne. „Er war schon immer unsere gute Seele“, sagt Marco Zeidler.

Eigentlich hätten sie vorgehabt, „das, was BAP für Köln ist, hier zu werden, aber ganz so ernst ist es dann doch nicht geblieben“, sagt Gitarrist Philipp Schiller. Sie seien dann eher bei Hubert von Goisern gelandet, ergänzt Schlagzeuger Andreas Koch, der in Salzburg studiert hat. Das Konzept jedoch ist geblieben: aktuelles Musik mit Mundart. „Wir wollten immer mal gemeinsam was Schwäbisches machen“, sagt Schiller. Wobei Schwäbisch nicht Selbstzweck ist, sondern ein Bekenntnis zu ihren Wurzeln. „Würden wir in Berlin leben, würden wir berlinern.“

Zwischen Rock, Pop, Blues und Reggae

Musikalisch pendeln die Lieder von So semmer halt zwischen Rock, Pop, Blues und Reggae und handeln von Liebe, Lust, Eifersucht und natürlich der Heimat. Tastenspieler Gregor Wohak ist der musikalische Kopf, schreibt die meisten Songs und Texte. Wenn er seine fast fertigen Ideen im Proberaum im Untergeschoss des Maximilian-Kolbe-Gemeindehauses präsentiert, sind Sänger Timo Rieker, Bassist Marco Zeidler und die anderen meist sofort begeistert.

In Schmiden sind So semmer halt fast schon Legenden. Die Band hat, quasi als Auftragsarbeit für Wolfgang Bürkle, damals wie heute Abteilungsleiter der TSV-Handballer, die sich Pumas nennen, ein Lied geschrieben: „Wir sind die Pumas, und wir hauen euch um, wir sind die Pumas, wir machen jeden krumm, weiß auf blau steht geschrieben, wir sind die Pumas aus Schmiden.“ Das Lied läuft noch immer bei jedem Heimspiel und bei Kabinenfesten der Handballer.

Bekannte Schwabenrocker

Wolle Kriwanek
 Wolfgang „Wolle“ Kriwanek wurde in Stuttgart-Stammheim geboren und starb am 20. April 2003 mit 53 Jahren in Backnang. Er zählt zu den bekanntesten Sänger von Blues und Rockmusik mit schwäbischen Texten. Seine wohl kommerziell erfolgreichsten Hits sind „Die Stroßaboh“ und das „Ufo“.

Grachmusikoff
 Die Band aus dem oberschwäbischen Bad Schussenried war Ende der 1970er Jahre ein Wegbereiter des sogenannten Schwobarocks. Sie wurde im Sommer 1978 während einer Demonstration gegen eine Jugendhausschließung gegründet. Gründungsmitglieder waren die Zwillingsbrüder Georg und Alexander Köberlein sowie Hansi Fink.