InterviewZehn Jahre Oskar-Frech-Bad in Schorndorf Viel mehr als nur ein Bad

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Es gibt Bäder in der Region Stuttgart mit schnelleren Rutschen und mehr Attraktionen. Trotzdem ist das Oskar-Frech-Bad ein Besuchermagnet. Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Seufer und Bäderchef Jörg Bay erzählen im Interview, woran das ihrer Meinung nach liegt.

Eine erfolgreiche Kombi: Das Oskar-Frech-Bad mit seiner Saunalandschaft und dem angrenzenden Ziegeleisee. Foto: Gottfried Stoppel
Eine erfolgreiche Kombi: Das Oskar-Frech-Bad mit seiner Saunalandschaft und dem angrenzenden Ziegeleisee. Foto: Gottfried Stoppel

Schorndorf - Vor zehn Jahren ist das Oskar-Frech-Bad eröffnet worden. Mit dem Schorndorfer Erlebnisbad wurden in der Bäderlandschaft zwischen Rems und Murr neue Maßstäbe gesetzt. Der Erfolg hält an: Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird der fünfmillionste Besucher begrüßt. Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Seufer und Bäderchef Jörg Bay lassen die ersten zehn Jahre Revue passieren.

Herr Seufer, Sie sind – nach dem Oberbürgermeister – der oberste Dienstherr des Oskar-Frech-Bades. Trotzdem haben Sie vermutlich gar nichts von Ihrem eigenen Bad, oder?
Seufer Doch! Wir machen regelmäßig freitags unseren Jour fixe im Bad. Wir schwimmen erst ein paar Meter, danach reden wir miteinander. Allerdings macht Herr Bay wesentlich mehr Bahnen als ich.
Bay: Das ist super. Wenn ich nicht direkt auf eine Frage antworten kann, weil ich erst nachdenken muss, dann kann ich 25 Meter abtauchen und erst am anderen Beckenrand antworten.
Im vergangenen Jahr haben 109 000 Sauna- und 285 000 Badegäste das Oskar-Frech-Bad besucht. Hätten Sie vor zehn Jahren gedacht, dass das Bad so gut ankommt?
Seufer Nein, mit diesem Erfolg hätten wir nicht gerechnet. Als ich im Oktober 2007 hier begonnen habe, war das Bad schon konzipiert. Als wir damals über die Zahlen geredet haben, sind wir von bis zu 60 000 Besuchern in der Sauna ausgegangen. Das war die Grenze, die wir gesehen haben. Dann war die Entwicklung so positiv, dass wir schon 2011 das erste Mal angebaut haben. Wir halten seitdem bei den Saunagästen immer die gleiche Höhe.
Das Fildorado hat ein Wellenbad, das Fellbacher F3 rasante Rutschen – was sind die Vorteile des Schorndorfer Badetempels?
Seufer Unser Bad hat seine Mitarbeiter, die einen super Job machen und sich weit mehr engagieren, als sie müssten. Das ist unser Kapital. Eine Rutsche ist das erste Mal interessant, vielleicht auch noch ein viertes Mal. Aber ein Bad braucht Bewegung. Und das haben wir, das ist unser Erfolgsrezept.
BayDie Mitarbeiter bringen ihre Ideen ein und bekommen auch die Möglichkeit, diese umzusetzen – da lässt uns Herr Seufer machen. Das führt zu einem neuen Kurs, einem neuen Saunaevent, zu einem Meerjungfrauen- oder Piratengeburtstag. Wir können gar nicht alle Anfragen befriedigen.
Fast 500 Kindergeburtstage, dazu Schwimmkurse und Fitnessangebote wie Aqua-Cycling, -Balancing, -Jumping: ist das Programm am Limit?
Bay Die Fläche begrenzt uns. Bei einem Kindergeburtstag muss man immer in die öffentliche Fläche des Badegastes eingreifen – etwa das Sprungbecken sperren, weil man dort ein Spiel macht. Da muss man mit sehr viel Fingerspitzengefühl vorgehen.
Seufer Das ist auch ein Grund, warum wir ein neues, ein schallisoliertes Lehrschwimmbecken bauen und zusätzliche Wasserfläche schaffen. Der Anbau hat einen abgeschlossenen Charakter, da kann man Aqua-Cycling machen und die Musik laufen lassen. Das gefällt jetzt nicht jedem.
Bay Allerdings werden wir nicht alles verlagern. Manchmal braucht man auch eine kleine Animation für den Rest der Besucher, etwas zum Zuschauen. Deswegen darf man nicht alles verstecken.
Geplant war auch, dieses Jahr die Sauna zu erweitern. Wie sehr schmerzt die Verschiebung?
Bay Das ist uns beiden nicht leichtgefallen. Aber wir haben noch einen Wurf, dann sind alle Flächen belegt. Und es gibt einen Entwurf, der uns super gefällt, und mit dem wir die Fläche optimal nutzen würden.
Seufer Wir wollen etwas Rechtes bauen. Wegen einer Million weniger etwas zu bauen, von dem wir nicht überzeugt sind, das machen wir nicht. Aber wir haben insgesamt einen hohen Investitionsdruck bei den Stadtwerken – bei der Stromversorgung durch die E-Mobilität, durch die Verkabelung für schnelleres Internet. Deswegen habe ich dem Aufsichtsrat und dem Gemeinderat empfohlen, abzuwarten, bis wir das Gesamtvolumen aller Vorhaben kennen. Aber die Erweiterung ist nicht gestorben, sondern nur geparkt.
Der Erfolg hat auch seine Schattenseite: Als Schorndorfer überlegt man es sich lange, ob man am Wochenende in die Sauna geht.
Bay Deswegen machen wir uns ja über die Erweiterung Gedanken. Wenn man an einem Sonntagnachmittag Gäste wegschicken muss, weil die Sauna voll ist, das macht keine Freude. Fraglich ist auch, ob sich jeder wohlfühlt, wenn die Sauna bis zum Anschlag voll ist.
Seufer Allerdings können wir nicht für den letzten Badegast ein Hallenbad oder eine Sauna bauen. Sonst hätten wir Leerlauf, das wäre unwirtschaftlich. Es gibt immer noch Zeiten, in denen mehr Platz ist.
Sie müssen nicht nur neu bauen, sondern auch sanieren. Gibt es im Jubiläumsjahr eine gute Nachricht in Sachen Fliesen- und Fassadenschäden?
Seufer Es hat uns in der Vergangenheit schon sehr viel Geld gekostet, das Hallenbad überhaupt am Laufen zu halten. 2015 haben wir die Böden der ganzen Becken saniert, sonst hätten wir definitiv schließen müssen, weil wir keinen Versicherungsschutz mehr gehabt hätten. Schon seit 2012 zieht sich das Gerichtsverfahren, in das wir eingestiegen sind, nachdem die Verhandlungen mit den Baufirmen nicht erfolgreich waren. Der erste Gütetermin für die Außenfassade hat stattgefunden, allerdings haben wir keine Einigung erzielt. Und ich gehe auch nicht davon aus, dass wir dieses Jahr eine Einigung hinbekommen.
Der Flickenteppich bleibt also...
Seufer Innen drin ist es ja Kunst (lacht). Wir leben mit den verschiedenfarbigen Fliesen, wir haben repariert, und es hält. Aber ich hoffe, das Thema ist beendet, bis ich in Ruhestand gehe.
Wenn es um den Neubau geht, ist man da beim Thema Fliesen sensibler?
Bay Natürlich. Wir haben alle viel darüber gelernt. Wir werden ein anderes Verfahren wählen, …
Seufer …wobei das ursprüngliche Verfahren auch gut war. Wenn man alles so gemacht hätte, wie es ausgeschrieben wurde, wäre es nicht so weit gekommen. Deswegen wird man dieses Mal auch keine Alternativen zulassen. Aber ich bin zuversichtlich: Zweimal passiert so etwas nicht.
Bay Wir würden lieber überlegen, wie wir unser Bad schöner machen können, anstatt großen Aufwand zu betreiben, um bei der Schadensbehebung hinterher zu kommen.
Noch ein Blick in die Zukunft: Viele Kommunen tun sich schwer damit, ihre Bäder zu halten. Was muss passieren, damit in Schorndorf weiterhin geplantscht und geschwitzt werden kann?
Bay Die Leute müssen ihren Strom bei den Stadtwerken kaufen. Ganz einfach. Die öffentlichen Bäder werden immer Abmangelbetriebe sein. Wenn Sie nicht Eintrittspreise verlangen wie vielleicht im F3 oder im Fildorado, dann werden die Bäder immer defizitär bleiben. Es gibt in der Bäderwelt einen riesigen Investitionsstau, man schiebt die Sanierung der Anlagen hinaus, bis es nicht mehr geht. Und damit das in Schorndorf nicht passiert, brauchen wir starke Stadtwerke.
Seufer Wir stehen zu unserem Bad. Wir tun alles dafür, dass wir als wirtschaftliches Unternehmen am Markt agieren. Die Menschen haben oft kein Gefühl dafür, was so ein Unternehmen in der Stadt leistet, dass wir Stromleitungen bauen, das schnelle Internet vorantreiben, Gasanschlüsse machen. Wenn die Bürger den Wert erkennen und auch örtlich kaufen, dann werden sie auch den Nutzen aus dem Hallenbad haben. Ich bin überzeugt, dass wir in zehn Jahren noch ein Oskar-Frech-Bad haben werden, und dass wir die Qualität halten können, weil wir jedes Jahr große Beträge in den Unterhalt investieren. Da stehen immerhin rund 20 Millionen, die die Stadt mittlerweile investiert hat.



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