Zehn Jahre Popbüro Mit Cro auf dem Wasen, mit dem Rest im Hallschlag

Von (Protokoll) 

Das Popbüro feiert seinen zehnten Geburtstag. Zum Jubiläum erzählen der alte und der neue Leiter Geschichten zu ihrer Arbeit in der Region Stuttgart.

Paul Woog (links) und Peter James haben das Popbüro geprägt. Foto: SKS Russ, Zweygarth
Paul Woog (links) und Peter James haben das Popbüro geprägt. Foto: SKS Russ, Zweygarth

Stuttgart - Am Montag hat das Popbüro Region Stuttgart im Jugendhaus Mitte sein Zehnjähriges gefeiert. Wir haben den ehemaligen Leiter Paul Woog und den aktuellen Popbüro-Chef Peter James gebeten, zehn Jahre Popbüro in zehn Geschichten zu erzählen – chronologisch.

Im ersten Teil beginnt Paul Woog, der das Popbüro 2004 auf den Weg gebracht und es bis 2010 gemeinsam mit Mini Schulz geleitet hat. Heute ist der Pädagoge Geschäftsführer bei der Stuttgarter Konzertagentur SKS Russ und dort für die Buchung von Popmusikkonzerten verantwortlich. Später übernimmt Peter James.

450 Seiten Bestandsaufnahme

Als das Popbüro gegründet wurde, kam eins zum anderen: eine Förderung vom Land, ein Konzept von Mini Schulz und der Bedarf in Stuttgart. Den haben wir damals in einer 450-seitigen Bestandserhebung dokumentiert – eine der ersten Vorlagen, die dem Gemeinderat per CD-Rom zugingen. 2004 konnten wir dann die Räume im Hallschlag beziehen.

Raus aus der City

Es war eigentlich von Anfang an klar, dass das Popbüro im Hallschlag angesiedelt würde. Dass wir nicht in der Innenstadt sind, hat Vor- und Nachteile. Wir wollen möglichst viele Musiker vor Ort begrüßen. Andererseits kommen nicht ganz so viele in den Hallschlag, um uns mal über ihren Songtext drüberlesen zu lassen.

Netzwerken ohne Facebook

Heute kaum mehr vorstellbar: Wir haben in einer Zeit angefangen, in der es keine sozialen Medien gab. Deshalb haben wir am Anfang ganz viele Indie-Konzerte ins Internet gestellt – damit die Leute überhaupt mitbekommen haben, was geht. Bis dahin fand man kleinere Konzerte lokaler Bands überhaupt nicht online.

Die erste Kampagne

Mit unserer Proberaum-Kampagne waren wir zum ersten Mal in der ganzen Stadt sichtbar – mit Plakaten, auf denen unter anderem meine Tochter eine Taschenlampe als Mikro benutzt. 160 Immobilienbesitzer haben sich damals gemeldet und ihren Keller als Proberaum angeboten. Aber klar sind Proberäume bis heute ein Thema.

Ein bisschen Glamour

Stuttgart tut sich immer ein bisschen schwer mit Glamour. Der vom Popbüro ins Leben gerufene Music Award Region Stuttgart soll das einen Abend lang ändern. Natürlich gibt es hier ganz viele VIPs, und Glamour gehört dazu, wenn sich ein Standort darstellen will. Das Preisgeld ist außerdem Startkapital für die ausgezeichneten Künstler oder Unternehmen.

Stars aus Stuttgart

Lange standen Die Fantastischen Vier in jeder Standortbroschüre. Und viele fragen sich, wie viele Stars denn das Popbüro aufgebaut hat? Dabei kann das Popbüro das so nicht leisten, dafür muss man einfach sehr viel Geld in die Hand nehmen. Was das Popbüro kann: Kontakte herstellen. Da war zum Beispiel dieser schüchterne, blonde junge Mann bei uns. Wir empfahlen ihm, seine Songs im Funkturm Berlin vorzuspielen. Herbert Grönemeyer war da, fand einen Seelenverwandten. Und Philipp Poisel hatte einen Plattenvertrag.

Sommer 2010 – der Stabwechsel Peter James übernimmt die Leitung des Popbüros. Zuvor war er in Berlin im Vorstand des Verbands unabhängiger Musikunternehmen tätig. James ist auch Vorsitzender des von ihm gegründeten Club Kollektiv Stuttgart. Hier seine Erinnerungen:

Auf dem Wasen mit Cro

Die Jungs von Chimperator kannte ich schon länger. 2011 waren wir mit denen auf dem Wasen, und die haben alle auf diesen dünnen Jungen gezeigt und gesagt: „Der wird’s“. Die wussten schon, dass Cro durchstartet, damals drehten sie gerade das „Easy“-Video. Bei Chimperator hat sich ausgezahlt, dass sie lange im Untergrund gearbeitet haben und ihre Zielgruppe auch dadurch sehr gut kennen.

Die neue Welle

Derzeit gibt es eine ganze Welle neuer Bands aus Stuttgart, die wir im Rahmen unserer Möglichkeiten auf ihrem Weg ins Musikgeschäft gern begleiten. Bei Heisskalt, Schmutzki und Konvoy war das hilfreich, und auch der Band Eau Rouge haben wir zu mehr Sichtbarkeit verholfen. Jetzt interessiert sich die Branche auch für sie. Damit das weiterhin möglich ist, müssen wir mit der gesamten Szene eng vernetzt sein und auch die Plattform Facebook intensiv nutzen.

Stuttgarter Bands für Zwickau

Unsere Arbeit ist in der Öffentlichkeit nicht immer sichtbar, daher ist es wichtig, dass Bands auf uns zukommen. Zwar sind unsere Geldmittel begrenzt, andererseits ist es aber durchaus auch mal möglich, Bands bei einer für sie wichtigen Tour im In- und Ausland oder auf große Distanz auch bei Einzelkonzerten zum Beispiel in Zwickau zu unterstützen. Vorausgesetzt natürlich, die Unterstützung ist nachhaltig.

Die Zukunft

Mit unserem Musiker BBQ und dem Stuttgart Music Summit bringen wir die Musikbranche zusammen. Da ist in der Region Stuttgart wirklicher Bedarf vorhanden, das zeigen erste Erfolge, und diesen Weg werden wir in Zukunft weiter gehen. Wobei klar ist, dass wir damit nicht gleich den ganz großen Knall produzieren. So etwas muss beständig wachsen.