Im September vor genau zehn Jahren hat der Weltladen in Gerlingen in der Schulstraße seinen Betrieb aufgenommen. Foto: Torsten Schöll
Der Gerlinger Weltladen in der Schulstraße bietet seit zehn Jahren faire Produkte und wirkt dabei weit in die Stadtgesellschaft hinein. Welche Rolle prominente Gerlinger im Jubiläumsjahr spielen.
Torsten Schöll
25.02.2025 - 11:09 Uhr
Der Weltladen in Gerlingen bietet, wie andere Einrichtungen dieser Art, nicht nur eine Vielzahl fair gehandelter Produkte aus dem globalen Süden. Seit seiner Gründung gilt der dahinterstehende Verein auch als eine Institution in der Strohgäukommune, die weit in die Stadtgesellschaft hineinwirkt. Im September vor genau zehn Jahren hat das Geschäft in der Schulstraße seinen Betrieb aufgenommen.
Der Betreiberverein um die Erste Vorsitzende Brigitte Meier hat sich Großes vorgenommen im Jubiläumsjahr: Der zehnte Geburtstag des Weltladens Gerlingen soll das ganze Jahr über mit einem umfangreichen Programm gefeiert werden. Höhepunkt ist am 12. Juli ein Sommerfest auf dem Europaplatz.
Fair gehandelte Produkte waren damals rar
Meier und ihre Stellvertreterin Karin Käde erinnern sich noch gut, wie vor zehn Jahren alles begann. Ursprünglich seien fair gehandelte Produkte in Gerlingen nur im Anschluss an die Gottesdienste der katholischen und evangelischen Kirche verkauft worden, erzählen sie. Im Gespräch mit den damals aktiven Frauen, habe sich dann die Idee entwickelt, einen Weltladen zu eröffnen.
Der Weltladenverein um die Erste Vorsitzende Brigitte Meier hat sich Großes vorgenommen im Jubiläumsjahr Foto: Torsten Schöll
Bei einem Besuch der Fair-Handelsmesse in Stuttgart erfuhren die Vereinsgründerinnen, wie das Geschäft mit den Handelspartnern für fair produzierte Produkte funktioniert. Dass 2015 fast gleichzeitig der frühere Kiosk aus dem Ladengeschäft in der Schulstraße 21 auszog, erwies sich dann als Glücksfall: „Der war zu dieser Zeit zufällig frei“, erinnert sich Karin Käde. Die Gründung des gemeinnützigen Vereins Weltladen Gerlingen sei Anfang Juni 2015 erfolgt.
Kundenpotenzial noch immer nicht ausgeschöpft
Die Startfinanzierung, so berichten die beiden, hätten private Geldgeber und Firmen übernommen. „Die Stadt und die beiden Kirchen boten an, in den ersten beiden Jahren die Miete für das Geschäft zu bezahlen“, sagt Meier. Der ehemalige FDP-Stadtrat Peter Zydel sei damals ein wertvoller Fürsprecher der Idee gewesen.
Meier betont, dass aktuell bis auf einen jungen FSJ-Mitarbeiter alle Vereinsmitglieder im Laden ehrenamtlich tätig seien. „Wirtschaftlich wäre das anders nicht machbar“, sagt die Vereinsvorsitzende. Das Geschäft laufe zwar im zehnten Jahr gut, betonen die Betreiberinnen. „Wir kämpfen aber immer noch gegen Vorurteile, wie beispielsweise, dass hier alles viel teurer ist“, sagt Karin Käde. Man habe anfangs „dicke Bretter bei den Gerlingern bohren müssen.“ Und noch immer sei das Kundenpotenzial nicht ausgeschöpft.
Ein langer Atem ist nötig
Das Engagement von Brigitte Meier und ihren Mitstreiterinnen beschränkt sich längst nicht nur auf die Arbeit im Weltladen. So besucht beispielsweise auf Vermittlung des Vereins eine Bildungsreferentin Schulklassen in Gerlingen. „Wir haben auch den Impuls dafür gegeben, dass das Gerlinger Robert Bosch-Gymnasium 2021 Fairtrade-Schule und die Stadt ein Jahr später Fairtrade-Town wurde“, betont die Zweite Vorsitzende des Weltladen-Vereins.
„Um das zu erreichen, braucht es einen langen Atem“, sagt Meier. Zu einer Fairtrade-Town gehöre auch, betonen die beiden, dass die Gerlinger Einzelhandelsbetreiber und Gastronomen Zug um Zug auch fair gehandelte Produkte anböten. Zu diesem Zweck habe man jetzt ein kleines Schild mit der Aufschrift „Wir machen mit“ entworfen. Geschäfte und Gastronomie können das Schild aufhängen, wenn auch faire Produkte angeboten werden.
Einmal im Monat helfen prominente Gerlinger beim Verkauf
Da der Weltladen schon bisher seine Jahresüberschüsse gespendet habe, hat der Verein sich im Jubiläumsjahr zum Ziel gesetzt, unter dem Motto „1000 Leute spenden 10 Euro“ am Ende des Jahres 10 000 Euro an Spenden gesammelt zu haben. Brigitte Meier und Karin Käde hoffen dabei auf rege Unterstützung der Gerlinger Bürger.
Eine weitere Aktion zum zehnten Geburtstag: Einmal im Monat sollen prominente Gerlinger beim Verkauf im Weltladen helfen. Im Januar hat Bürgermeister Dirk Oestringer den Anfang gemacht. Am 28. Februar soll zwischen 14 und 18.30 Uhr Gerlingens Alt-Bürgermeister Georg Brenner folgen, am 22. März zwischen 10 und 13 Uhr der Erste Vorsitzende des FC Gerlingen, Sebastian Dieterich. Weitere Teilnehmer: Am 5. April die Schauspielerin Astrid Fünderich, bekannt aus „Soko Stuttgart“, am 24. Mai die Schriftstellerin Elisabeth Kabatek sowie am 27. Juni der Landtagsabgeordnete Markus Rösler.
Die für den 25. Februar in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei angekündigte „Schoko-Lesung“ mit der Autorin Maria Nikolai wurde wegen der großen Nachfrage ins Rathaus verlegt. Tickets seien noch erhältlich.