Zeichen gegen Sexualisierung im Sport Pionierin im Ganzkörperanzug - Voss ist stolz, „die Erste zu sein“

Sorgte mit ihrem Ganzkörperanzug für Aufsehen in Basel: Sarah Voss. Foto: dpa/Georgios Kefalas
Sorgte mit ihrem Ganzkörperanzug für Aufsehen in Basel: Sarah Voss. Foto: dpa/Georgios Kefalas

Die Turnerin Sarah Voss hat bei den Europameisterschaften in Basel nicht nur sportlich für Aufsehen gesorgt. Mit ihrem Ganzkörperanzug setzte sie zudem ein Zeichen gegen Sexualisierung im Sport.

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Basel - Ale Sarah Voss fast majestätisch vom Turnpodium in der St. Jakobshalle schritt, blitzte Selbstbewusstein aus ihren Augen, der Überraschungs-Coup war ihr gelungen. Mit ihrem Auftritt im Ganzkörperanzug setzte die deutsche Mehrkampf-Meisterin bei den Europameisterschaften in Basel ein starkes Zeichen gegen Sexualisierung im Sport.

„Ich bin stolz, die Erste zu sein“, sagte die Kölnerin, die mit ihrem glitzernden Langbeindress in Schwarz-Rot sowohl am Schwebebalken als auch beim Sprung erstaunte Blicke auf sich zog. Üblicherweise erinnert der Dress einer Kunstturnerin eher an einen Badeanzug.

Kritik an ihrer Aktion habe sie nicht wahrgenommen, sagte Voss, dafür aber Zustimmung: „Bei den Schwedinnen zum Beispiel gingen die Daumen hoch.“ Ausgelöst durch den Skandal um den ehemaligen US-Mannschaftsarzt Larry Nassar, hatten junge Athletinnen in der jüngeren Vergangenheit immer öfter auf ein ungutes Gefühl in ihrer eher knappen Bekleidung hingewiesen.

Bundestrainerin unterstützt Voss

„Als Teil der deutschen Nationalmannschaft sind wir für viele jüngere Sportlerinnen auch ein Vorbild und möchten ihnen eine Möglichkeit aufzeigen, wie sie sich auch in einer anderen Bekleidungsform ästhetisch präsentieren können, ohne sich unwohl zu fühlen“, sagte Voss.

Sie selbst habe sich nicht im geringsten eingeengt gefühlt, sie empfinde die Bekleidung überdies als elegant. Der Code de Pointage lässt den von der Studentin ausgewählten Anzug ausdrücklich zu. Ganz neu ist er auf der internationalen Turnbühne nicht, er wurde bislang aber nahezu ausschließlich aus religiösen Gründen getragen.

Bundestrainerin Ulla Koch unterstützte die Demonstration ihres Schützlings ganz ausdrücklich: „Niemand sollte gezwungen werden, sich in einer Sportart aufgrund der Bekleidung unwohl zu fühlen. Mir ist es wichtig, dass die Athletinnen selbstbewusst entscheiden können, in welchem Outfit sie ihre Übungen präsentieren“, sagte die Teamchefin.

Stuttgarterinnen ziehen nach

Der vom Deutschen Turner-Bund (DTB) unterstützten Aktion werden sich auch die beiden Stuttgarterinnen Elisabeth Seitz und Kim Bui anschließen, die erst am Abend (18.30 Uhr) zu ihrem Qualifikationswettkampf antreten. Sie wollen im Mehrkampf-Finale am Freitag (13.30 Uhr) in einem ähnlichen Dress wie Teamkollegin Voss starten. Rekordmeisterin Seitz hatte zuletzt mehrfach beklagt, dass immer wieder manipulierte Fotos von ihr mit anzüglichen Motiven veröffentlicht würden.   

Während Voss am Schwebebalken nach zwei Stürzen ausgeschieden ist, darf sie beim Sprung mit einer Gesamtnote von 13,516 Punkten noch auf eine Finalqualifikation am Samstag (13.30 Uhr/ARD) hoffen. Für den Mehrkampf war die 21-Jährige nicht gemeldet worden.

EN-Neuling Emma Malewski (Chemnitz) musste erwartungsgemäß Lehrgeld zahlen. Die 16 Jahre alte Schülerin hatte nach ihrem vier Durchgängen kaum noch Hoffnungen, am Freitag noch einmal im Mehrkampf starten zu dürfen.

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