Mitglieder des Nabu wie Michael Mertens haben neue Aluschilder mit Quiz und QR-Codes gestaltet. Foto: Simon Granville
Starke und seltene Tiere wohnen im Zeilwald in Hemmingen. Damit die Spaziergänger weiter davon erfahren, haben Mitglieder des Nabu Schwieberdingen-Hemmingen den Lehrpfad neu beschildert. Die Waldtour soll ein Erlebnis sein.
Mistkäfer sind beeindruckende Tiere: Sie sind die stärksten Insekten der Welt, wie es in einer Studie aus dem Jahr 2010 heißt. Mistkäfer können ein Vielfaches ihres Körpergewichts ziehen. Wie viel genau? Das ist nur eine Frage, die die Macherinnen und Macher des neuen Naturerlebnispfads Zeilwald in Hemmingen den Waldbesuchern jetzt stellen.
Den Weg selbst gibt es schon seit Jahrzehnten. In den 1970er Jahren hat ein Künstler rund 30 Holzschilder so liebe- wie mühevoll bemalt und beschriftet. „Das sind fast Kunstwerke“, meint Uwe Schmietainski vom Nabu Schwieberdingen-Hemmingen. Nun war die Beschilderung in die Jahre gekommen, nicht mehr zu restaurieren, und aus Sicherheitsgründen standen auch nur noch wenige Hartholztafeln da. Über kurz oder lang wären alle Schilder verschwunden. Es war also an der Zeit, den Pfad neu zu gestalten. Gerettet haben ihn Mitglieder des Nabu und eine Vertreterin des Vereins Naturgäu – die obendrein einen Naturerlebnispfad aus ihm gemacht haben. Über Monate hat die Projektgruppe daran gearbeitet.
Rehe, Rotbuche, Wurmfarn, Waldmistkäfer
„Unser Anliegen ist es, insbesondere Kinder und Familien an die Natur heranzuführen und dazu etwas Wissen zu vermitteln, was Natur im Zeilwald bedeutet“, erläutert Uwe Schmietainski das Engagement der Projektgruppe. „Der Wald ist toll. Wir erhalten dieses Gute, das wir bekommen haben, indem wir einen Beitrag liefern.“
Der Naturerlebnispfad wird am Samstag eröffnet. Foto: Simon Granville
Der in diesem Fall zehn neue Schilder sind, Alu-Drucke im A-2-Format, 60 mal 40 Zentimeter groß, die mit einem speziellen Lack überzogen sind, damit sie Wind und Wetter trotzen. Etwa 300 Euro haben sie die Naturschützer gekostet. Das „Willkommen“-Schild am Eingang begrüßt die Spaziergänger, die sich dann über den Wald, Rehe, Förster, die Rotbuche, den Wurmfarn, den Mittelspecht, Aurorafalter, Waldmistkäfer und Totholz schlaumachen können.
Auswärtige besuchen bewusst in den Zeilwald
Die neuen Schilder stehen an den gleichen Plätzen, wo zuvor die Holztafeln waren: Verteilt bei den drei Bänken entlang des Pfads, dessen Strecke nicht mehr zwei, sondern noch 1,6 Kilometer lang ist. Ein Waldabschnitt ist weggefallen. An den neun Stationen sind neben Texten und Bildern ein Quiz zu finden sowie ein QR-Code. Der führt auf die Internetseite des Nabu, zu mehr Informationen, zu Texten, Videos und Audios, die auch dabei helfen, die Quizfragen zu beantworten. „Damit lockern wir das Ganze auf“, findet Uwe Schmietainski, der auch der Sprecher der Nabu-Fotogruppe ist. Zudem bestehe so eine gewisse Flexibilität: Die Informationen auf den Schildern sind fix, wohingegen sich die auf der Homepage beliebig aktualisieren oder erweitern lassen.
Kurz vor der Eröffnung des Pfads schrauben die Naturschützer noch fix die neuen Schilder an. Foto: Simon Granville
Neu ist auch das Beobachtungsbuch in einem Briefkasten. Es ist vergleichbar mit einem Gipfelbuch, sagt Uwe Schmietainski: Die Waldbesucher können dort mitteilen, an welchem Tag sie an welcher Stelle etwas Besonderes entdeckt haben. Vielleicht ist ein Einhorn-Reh an ihnen vorbeigehuscht? Das sei im Zeilwald mal gesichtet worden, berichtet Uwe Schmietainski – jetzt aber schon länger nicht mehr. Gar nicht mal so schlecht stehen die Chancen, einen Mittelspecht zu treffen. „Die Menschen reisen extra nach Hemmingen in den Zeilwald an, um diese seltene Vogelart zu sehen.“
Der Nabu als gern gesehener Ansprechpartner
Die Gemeinde unterstützt das Vorhaben des Nabu finanziell und personell. In Summe hat die Verwaltung gut 1900 Euro investiert, davon 550 Euro in die Pfosten und Schellen. Mitarbeiter des Bauhofs haben die Pfosten gesetzt und die alten Schilder abgebaut. Man habe berücksichtigt, dass die Tafeln in einem Bereich stehen sollten, wo auch die Verkehrssicherungspflicht durch den Forst gewährleistet ist, sagt der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU). Daher seien die Standorte mit dem Revierförster abgestimmt.
Der Rathauschef sagt weiter: „Gern haben wir diese Idee unterstützt, da wir auch sonst mit dem Nabu und der Foto-AG in sehr gutem Austausch sind.“ Im Rahmen der Biotopvernetzung habe die Verwaltung die Expertise „gern angenommen“, und mit den Hobbyfotografen gebe es regelmäßig Ausstellungen im Rathaus. Jede Woche veröffentlicht die Gemeinde außerdem das „Bild der Woche“.
Der Wald ist nicht nur zur Erholung gut
Der Hemminger Wald ist wegen seiner Erholungsfunktion ein beliebtes Ausflugsziel. „Gerade der Zeilwald wird durch seine Wegeführung und den angrenzenden Parkplätzen gern zum Spazierengehen genutzt“, berichtet der Bürgermeister Schäfer. Er sei aber auch ein Wirtschaftsfaktor, wie zum Beispiel zuletzt bei der Brennholzversteigerung gesehen, „wo eben das Holz auch der Versorgung der Bürgerschaft aus Hemmingen und Umgebung mit Brennstoff dient“.
Der Naturerlebnispfad Zeilwald wird an diesem Samstag, 18. Januar, eröffnet. Treffpunkt ist um 14 Uhr auf dem Wanderparkplatz von Hemmingen kommend Richtung Hochdorf links. Beim Spaziergang erkunden die Gäste die neuen Hinweistafeln. Der Verein Naturgäu serviert Glühwein, Punsch und Gebäck.