Zeitarbeitsbranche wächst Auch in der Zeitarbeit fehlen die Fachkräfte

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Knapp eine Million Zeitarbeiternehmer gibt es in Deutschland, so viele wie nie zuvor. Und das Wachstum dürfte dürfte weitergehen, hat eine Umfrage der Unternehmensberatung PwC ergeben. Allerdings sorgt sich die Branche über Fachkräftemangel und Regulierung.

Das Gesetz  will, dass Stamm- und Leih-Mitarbeiter beim Gehalt schneller gleich behandelt werden. Foto: dpa
Das Gesetz will, dass Stamm- und Leih-Mitarbeiter beim Gehalt schneller gleich behandelt werden. Foto: dpa

Stuttgart - Trotz Fachkräftemangel und einem strengeren Gesetz zur Arbeitnehmerüberlassung ist die Zahl der Zeitarbeitnehmer im vergangenen Jahr deutlich gestiegen und wird wahrscheinlich in diesem und im nächsten Jahr weiter zulegen. Das hat eine Umfrage der Unternehmensberatung PwC unter den hundert größten Unternehmen der Branche ergeben. 935 000 Menschen – so viele wie nie zuvor – haben 2016 zeitlich begrenzt in einem Unternehmen gearbeitet, das waren sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bis 2018 könnte die Zahl sogar auf 970 000 steigen, hat PwC errechnet. Zum Vergleich: 2007 waren 715 000 Menschen in der Zeitarbeit tätig.

„Gründe für diesen positiven Trend sind zum einen die gute konjunkturelle Entwicklung. Zum anderen sind Unternehmen stark daran interessiert, ihre Personalkosten weiter zu flexibilisieren. Und nicht zuletzt hat die Akzeptanz der Zeitarbeit in der Gesellschaft zugenommen“, wird Ralph Niederdrenk, Partner bei PwC und Experte für Zeitarbeit, in einer Mitteilung der Unternehmensberatung zitiert.

Es herrscht nicht eitel Sonnenschein

Allerdings herrscht nicht eitel Sonnenschein in der Branche. Die Bandbreite der erwarteten Zuwachsraten bei den Zeitarbeitsfirmen habe sich im Vergleich zu früheren Umfragen vergrößert. Grund für die gestiegene Unsicherheit seien Befürchtungen, dass nach der Bundestagswahl im Herbst die Gesetze noch verschärft werden könnten. Unklar sei auch, wie Kunden auf neue gesetzliche Regelungen reagierten.

Vom 1. April 2017 an sieht das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz eine Begrenzung der Überlassungsdauer auf 18 Monate sowie ein gleiches Gehalt nach neun Monaten vor. Diese Lohnanpassungen waren in der Umfrage auch der am häufigsten genannte Grund bei Unternehmen mit pessimistischen Zukunftserwartungen. Als Folge der verschärften Regulierung sei zu befürchten, dass Firmen aus dem Markt ausscheiden.

Aber nicht nur schärfere Gesetze, auch der Fachkräftemangel macht der Branche zu schaffen, klagt eine Mehrheit der Befragten. Gut positioniert für die Zukunft seien Spezialanbieter und Zeitarbeitsunternehmen, die sich durch ein Angebot hoch qualifizierter Arbeitskräfte differenzierten, schreiben die Experten von PwC. Zudem sollten sich die Firmen auf eine attraktive Vergütung fokussieren, um Mitarbeiter an sich zu binden. „Die Regulierung und der Fachkräftemangel stellen die Zeitarbeitsbranche auf die Probe. Unternehmen sind in diesem Umfeld gut beraten, sich zu spezialisieren und in Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung zu investieren“, fasst Niederdrenk die Ergebnisse zusammen. „In Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit punkten Zeitarbeitsfirmen mit ihrer Kernkompetenz: Sie sind ihren Kunden bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern im Idealfall einen Schritt voraus.“