Zeitumstellung 2019 Wenn’s bei der EU mal wieder länger dauert

In der Nacht auf Sonntag, 28. Oktober, werden die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Foto: dpa

Die Europäische Kommission wollte die Zeitumstellung abschaffen – doch aus dem Plan wird vorerst nichts. Gut so, findet Bettina Hartmann.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Bettina Hartmann (ina)

Stuttgart - Wie ist das jetzt noch mal? Eine Stunde vor? Oder eine Stunde zurück? Die Fragen stellen sich jedes Jahr aufs Neue – immer Ende März und Ende Oktober zur Zeitumstellung. Dabei galt das Ritual spätestens seit Mitte 2018 als angezählt. Die Europäische Kommission, genauer: deren Präsident Jean-Claude Juncker, hatte die Sommer- und Winterzeit als Thema ausgemacht, das vielen auf den Zeiger geht. Die Behörde wollte sich bürgernah geben, vielleicht hatte sie auch schon die bevorstehende Europawahl im Mai 2019 im Blick.

 

Also startete sie eine Online-Umfrage, bei der sich 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung des Zeitenwechsels aussprachen. Millionen hätten geantwortet und dafür plädiert, dass die Sommerzeit künftig immer gelte, teilte Juncker mit: „Die Menschen wollen das, wir machen das.“ Schnell wollte er einen Gesetzesvorschlag vorlegen, mit dem die Zeitumstellung bereits in diesem Jahr das Zeitliche gesegnet hätte.

Der Vorstoß ging nach hinten los

Doch der Kommissionschef sollte sich täuschen. Der Vorstoß ging nach hinten los. Die für das Thema zuständigen EU-Minister traten bereits Ende 2018 auf die Bremse. Sie wollen sich mehr Zeit lassen – und vereinbarten zunächst, dass die Uhren allerfrühestens 2021 zum letzten Mal umgestellt werden. Weitere Beschlüsse aber, die notwendig wären, fehlen bis heute. Nun ist ein Termin in noch weitere Ferne gerückt. Die Mühlen der Europäischen Union mahlen nun mal langsam. Und die Aktion zeigt einmal mehr, wie kompliziert es ist, in Europa mit seinen 28 Mitgliedstaaten einen Konsens zu finden.

Zudem hatte die Kommission offenbar übersehen, dass die Zeitreform nicht alle EU-Bürger gleichermaßen umtreibt. Sicher, an der Umfrage beteiligten sich 4,6 Millionen Menschen. Doch das ist bei 513 Millionen EU-Bürgern nicht mal ein Prozent – und somit alles andere als repräsentativ. Mehrheitlich kamen die Stimmen aus Deutschland, Österreich und Luxemburg.

Eines der Lieblingsthemen der Deutschen

Die Zeitumstellung, die hierzulande erstmals 1916 eingeführt wurde und seit 1980 regelmäßig gilt, ist eines der Lieblingsthemen der Deutschen. Mehr als 70 Prozent halten sie für sinnlos. Ihre Argumente: Man spart mit der Sommerzeit keine Energie. Der einst erwartete wirtschaftlich positive Effekt hält sich in Grenzen. Und die Umgewöhnung von Sommer- auf Winterzeit dauert jedes Mal ein paar Tage. Doch in anderen EU-Ländern haben die Bürger entweder gar keine Meinung zum Thema – oder sind der Ansicht, die Sommerzeit lade Batterien wieder auf.

Licht ist Balsam für die Seele

Sollte somit immer Sommer sein? Zumindest was die Uhrzeit betrifft? Seit 1996 dauert er ohnehin statt sechs bereits sieben Monate, die sogenannte Normal- oder Winterzeit wurde damals auf fünf Monate gekürzt. Es wäre eine Option – sofern sich alle Beteiligten einigten. Da aber jedes Land selbst festlegen könnte, welche Zeit künftig gilt, birgt ein Rütteln an der Umstellung Gefahren. Ein unübersichtlicher Flickenteppich könnte entstehen. Gut also, dass auch in diesem Jahr die im Frühjahr eingesparte Stunde dem Herbst zurückgegeben wird. Bei Kerzenschein zusammenzusitzen und im Dunkeln zu munkeln kann schließlich romantisch sein. Und schön, dass man sich schon jetzt auf die Zeit freuen kann, in der man wieder ein Stündchen mehr Sonne als eigentlich vorgesehen genießen darf. Licht tut gut und ist Balsam für die Seele.

Die Uhren werden also am kommenden Sonntag, wie seit Jahrzehnten üblich, um 2:59:59 Uhr auf 2 Uhr springen. Für alle, die manuell umstellen: Die Zeiger gehen somit eine Stunde zurück.

bettina.hartmann@stzn.de

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