InterviewZeitzeugen: Andreas Beck über die Nullerjahre in Stuttgart Ein Handy mit Prepaidkarte

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)
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Hatten Sie als Jugendlicher in den Nullerjahren gleich ein Handy oder haben Sie Ihren Eltern von der Telefonzelle aus Bescheid gegeben, wenn es mal später wurde?
Ich hatte ein Handy, für das ich am Bahnhof für 20 Euro eine Prepaidkarte kaufen musste, um mit meiner Mutter telefonieren zu können. Und immer wieder war man an folgendem Punkt: „Kein Guthaben mehr, Mist, was machst du jetzt?“ Wir sind aber schon mit zwölf oder 13 alle mit dem Handy herumgerannt. Es war wichtig, weil die Eltern wissen wollten, wo bist du, wann kommst du.
Andreas Beck heute Foto: StZ
Also sind Sie Teil der ersten Generation, die grundsätzlich auf ihr Handy starrt
Damals noch nicht. Vor der Abfahrt des Zugs gab es immer die Bravo und die Sportbild. Hausaufgaben hatte man zwar auch immer mit dabei, die habe ich aber nie gemacht. Dazu hatte ich einen fetten Discman, der nie in die Hosentasche gepasst hat, obwohl ich extra weite Baggypants hatte. Wenn ich gelaufen bin, ist die CD gesprungen. Eigentlich unfassbar. Und dann mit 15, als wir Deutscher Meister in der B-Jugend geworden sind, haben wir einen tragbaren DVD-Player bekommen. Vom Verein. Das Teil hat geschätzt 2000 Euro gekostet, man musste es zehn Stunden aufladen und dann war nach einer Stunde Schauen der Akku leer...
Und als Discman und DVD-Player zu langweilig wurden: Konnten Sie in den Nullerjahren wie jeder Heranwachsende ordentlich ausgehen?
Ja, in der zweiten Hälfte der Nullerjahre. Das Bravo Charlie war für mich ein wichtiger Teil dieser Dekade. Da waren wir fast jeden Donnerstag. Sami Khedira war fast immer mit dabei, Mario Gomez, mein Bruder Arthur, das war meine Zeit, in der ich oft ausgegangen bin. Das war kein klassischer Club, sondern eben diese besondere Stuttgarter Mischung aus Bar und Lounge. Damit verbinde ich viel. Auch in der Marshall Bar war ich häufig. Das muss dann mit 17, 18 gewesen sein, wo ich vielleicht auch das ein oder andere Mal etwas müde beim Sonntagstraining erschienen bin
Und das unter den strengen Augen von Ihrem Jugendtrainer Thomas Tuchel?
Thomas war damals eher ein Kumpel-Typ und auch oft mit uns feiern. In der A-Jugend war er dann wieder unser Co-Trainer. Er hat Stuttgart auch geliebt, mit ihm war ich oft unterwegs, auf der Theodor-Heuss-Straße, in der Suite 212, wenn dort Jubiläum gefeiert wurde. Thomas hat mir Stuttgart aus verschiedenen Perspektiven näher gebracht.




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