InterviewZeitzeugen: Die Brüder Di Gennaro über die 1960er Jahre Stuttgart ist längst zur Heimat geworden

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
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Haben Sie immer die Vorstellung gehabt, eines Tages nach Italien zurückzugehen?
Michele: Früher habe ich das gehofft, aber die Familie ist hier, das Geschäft ist da. Dieser Traum verblasst langsam.
Aber es war ein Traum, nach Hause zurückzugehen?
Michele: Es ist immer noch ein Traum.
Aber Ihre Verbindung zu Ihrem Heimatort ist immer noch eng?
Zwei der ersten Autos der Brüder stehen noch immer im Foyer des Unternehmens am Schlachthof. Foto: Lg/ Zweygarth
Antonio: Unsere Schwester und viele Cousins und Cousinen leben noch dort. Und wir sind selbst auch oft dort, weil wir ja eine große Landwirtschaft mit mehreren tausend Olivenbäumen dort bewirtschaften. Das Olivenöl, das wir hier verkaufen, stammt von dort.
Michele: San Nicandro ist unsere Heimat. Aber Stuttgart ist längst auch unsere Heimat.
Wie hat das mit Ihrem Unternehmen eigentlich angefangen? Kam der Verkauf italienischer Lebensmittel eher per Zufall, weil Sie mal wieder richtig italienisch essen wollten? Oder war das geplant?
Michele: Das lag bei uns in der Familie. Unser Großvater hat eine Ölmühle betrieben. Unser Vater war Kaufmann, der mit Getreide und Öl handelte.
Aber das deutsche Essen hat Ihnen einfach auch nicht geschmeckt?
Michele: Bis heute nicht (lacht).
Antonio: Nein, das ist ein Witz. Ich esse zum Beispiel gerne Schweinshaxe.
Was haben Sie denn in den 1960er Jahren gegessen in Deutschland?
Antonio: Spaghetti und Maccaroni. Zwei Sorten Pasta.
Die Nudeln haben Sie schon von zuhause mitgebracht?
Michele: Nein, es gab die Firma Birkel, die haben das schon gemacht. Wir haben immer diese Nudeln gekauft.
Aber das waren keine guten Nudeln aus Ihrer Sicht?
Antonio: Damals waren sie gut. Wir hatten Hunger.
Aber dann kam Ihre Idee, richtig gute italienische Lebensmittel herzuholen?
Michele: Das war bei uns im Blut. Bevor wir von Italien nach Deutschland gefahren sind, hat mein Vater zu mir gesagt: ‚Michele, schau mal, ob man in Deutschland was anfangen kann.‘ Kurz darauf hat er mir ein Paket geschickt. Wir hofften auf Schinken und Pasta und Käse. Wissen Sie, was drin war? Eine deutsche Grammatik und zwei Wörterbücher. Wir sollten schnell Deutsch lernen.




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