Zeltfestival Winterbach Wiedersehen mit den Helden von damals

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Beim Zeltfestival in Winterbach sind Procol Harum und Ian Anderson aufgetreten – alte, aber (teilweise) immer noch quicklebendige Schlachtrösser des Classic Rock.

Rostfrei: die Band Procol Harum Foto: Zeltspektakel
Rostfrei: die Band Procol Harum Foto: Zeltspektakel

Winterbach - Es war eine „Classic Rock Night“ mit den Bands Procol Harum und Jethro Tull’s Ian Anderson angekündigt beim Winterbacher Zeltspektakel. Den Grandseigneur mit nur noch zu erahnendem grauem Schopf gab der seit rund fünfzig Jahren bei dieser Band tonangebende Gary Brooker. Aber keineswegs als etwas steif gewordener Opa. Der Mann strahlt auch im fortgeschrittenen Alter viel von der Vitalität aus, die aus dem Augenblick kommt. Nach einer zeitgenössisch klingenden Einleitung führte er oft im musikalischen Dialog mit dem sehr ausdrucksstarken Gitarristen Geoff Whitehorn durch das Repertoire. Geprägt war dieses von viel Humor und ironischer Distanz, von über­raschenden Taktwechseln und selten gehörten Akkordverbindungen. Die drei anderen Musiker an Orgel, Bass und Schlagzeug wirkten da manchmal nur wie kompetente Begleiter.

Natürlich bot die Band Hits wie „Homburger“, die immer noch eine spezielle Melancholie besitzen, zu der wohl auch Brookers Stimme mit ihrem ganz eigenen Timbre beiträgt, das so gar nichts vom oberflächlich grellen „Spaß haben“ hat. Brooker liebt die Vieldeutigkeiten, macht gern Andeutungen, spielt mit Bedeutungsebenen und verrennt sich auch schon mal in Reminiszenzen an Sam Cooke oder Aretha Franklin. Spaß an dem allen hatte ganz offensichtlich der Gitarrist Geoff Whitehorn, der sich dann aber auch auf einen sorgfältig formulierten Ausdruck mit intensiven Spannungsbögen konzentrieren konnte. „A salty Dog“ war da unter anderem zu hören, „Conquistador“ und natürlich „A whiter shade of pale“, ein Titel, über dessen Herkunft sich Brooker ausführlich lustig machte: Johann Sebastian Bach, natürlich, aber auch Percy Sledge und Bob Marley wurden von der Band da mit bekannten Titeln angespielt.

Grimassen und Getue

Einen nicht gar so überzeugenden Auftritt gab es danach mit Jethro Tull’s Ian Anderson. Der einst stelzbeinige Derwisch, dessen Stärke noch nie seine Stimme war, scheint inzwischen jede diesbezügliche Möglichkeit verloren zu haben. Da ist nur ein vom minimalen Stimmumfang eingeschränktes Blöken, dessen offenkundige Schwächen Anderson mit Grimassen und exzentrischem Getue auszugleichen versucht. Fast schon mitleiderregend.

Die fünfköpfige Band spielte in ver­änderter Besetzung, aber nach altbekannter Art ihre Hits wie etwa das frühe und ebenfalls stark von Bach beeinflusste „Bourrée“, „Living in the Past“, „Aqualung“ oder „Locomotive Breath“, gewürzt mit den Hampeleien des nicht mehr ganz so beweglichen Ian Anderson. Dieser konzentrierte sich instrumental weitgehend auf die Flöte. Trotz aller gitarristischen Bemühungen dürfte dies auch weiterhin sein Markenzeichen bleiben.