Zentralasien-Gipfel mit Kanzler Scholz Wenn Diplomatie zu einer fiesen Mathe-Aufgabe wird

Beim Zentralasien-Gipfel: Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem Präsidenten von Kirgistan, Sadyr Dschaparow Foto: dpa/Michael Kappeler

Bundeskanzler Olaf Scholz bemüht sich beim Gipfeltreffen in Astana um eine gute Zusammenarbeit mit fünf asiatischen Staaten. Das ist richtig – aus mehreren Gründen, kommentiert unser Berliner Korrespondent Tobias Peter.

Korrespondenten: Tobias Peter (pet)

Es ist Speeddating der besonderen Art. Kanzler Olaf Scholz hat in kürzester Zeit nacheinander die Präsidenten von Tadschikistan, Kirgistan und Turkmenistan getroffen. Dann ging es weiter zum gemeinsamen Gipfel Deutschlands und der genannten Länder mit Usbekistans und Kasachstan, deren Präsidenten Scholz schon in den Vortagen länger getroffen hatte. Z5+1-Gipfel heißt das Format, fünf zentralasiatische Länder und Deutschland. Z5+1 – das klingt nach einer fiesen Mathe-Aufgabe. Die Welt ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine um ein Vielfaches komplizierter geworden.

 

Es geht um mehr als Rohstoffe

Die fünf zentralasiatischen Staaten haben gemeinsam etwas weniger Einwohner als Deutschland – auf einer Fläche etwa so groß ist wie die EU. Musterdemokratien sind alle fünf Länder nicht, aber der Grad, wie stark die Herrschaft ins Autoritäre hereinreicht, ist unterschiedlich. Turkmenistan gilt als eine der härtesten Diktaturen der Welt. Das alles muss im Umgang mit dem Einzelnen eine Rolle spielen. Und doch ist es richtig, dass Scholz sich um die zentralasiatischen Staaten bemüht wie vorher kein Bundeskanzler.

Dabei geht es nicht nur um die Versorgung mit Rohstoffen – auch wenn klar ist: Wer sich hier breiter und im Krisenfall weniger angreifbar aufstellen will als zu Zeiten, als das Gas aus Russland kam, muss mit vielen zusammenarbeiten. Die konsequente Einhaltung der Wirtschaftssanktion gegenüber Russland ist ein Thema, das hinter den Kulissen eine Rolle gespielt haben dürfte. Wer nicht hundertprozentig ein Freund ist, der ist ein Feind – das ist eine Haltung, die noch nie klug war. In der Welt nach der Zeitenwende kann der Westen, wenn man sich auf diese grobe Kategorie einlassen möchte, sie sich nicht leisten. Das zähe Ringen, Interessen in Einklang zu bringen, ist unvermeidlich.

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