Zentralkelter Weinstadt Bürger befürchten Traktor-Lawine

Weinlese in Weinstadt – das bedeutet viel Verkehr. Erst recht, wenn die Trauben alle in eine Kelter gebracht werden sollen. Foto: Frank Eppler
Weinlese in Weinstadt – das bedeutet viel Verkehr. Erst recht, wenn die Trauben alle in eine Kelter gebracht werden sollen. Foto: Frank Eppler

Seit Jahren plant Weinstadt eine neue Zentralkelter. Nun gehen Bürger wegen des Projekts auf die Barrikaden: Sie wollen Lärm und Gefahren durch den Lieferverkehr fernhalten

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Weinstadt - Der Weinbau hat für Weinstadteine sehr hohe kulturelle und landschaftsprägende Bedeutung“. Dieser Aussage der Stadtverwaltung können sicher viele Weinstädter zustimmen. Um sicherzustellen, dass die gut 500 Hektar Flächen der Remstalkellerei auch in Zukunft bewirtschaftet werden können, ist aus Sicht der Stadt der Bau einer neuen zentralen Kelter ein wichtiger Schritt. Die neue zentrale Kelter sei notwendig geworden, um das hiesige Weinbaugebiet durch eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Die Anwohner der Schönfeldstraße im Weinstädter Teilort Beutelsbach sehen das ganz anders. Über die bislang ruhige Straße im Wohngebiet soll, laut einem Gutachten des Stuttgarter Verkehrsplanungsbüros Karajan, die gesamten Lieferungen von Trauben und des bereit gekeltertem Traubensafts zur neuen Zentralkelter geleitet werden. „Wir befürchten , dass unsere Kinder, die dort mehrmals täglich die Straße überqueren, einer deutlich höheren Gefahr ausgesetzt sein werden“, meint Kai Bliesener, ein Anwohner der Schönfelderstraße.

Gutachten: Bis zu 400 zusätzliche Fahrzeuge auf der Schönfelderstraße

Er hatte sich im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung in einem Brief an den Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann gewandt und seine Bedenken, die vor allem die geplante Verkehrsführung betreffen, zu Papier gebracht. Durch den Neubau und das damit verbundene Verkehrskonzept befürchten er und weitere Anwohner zudem eine „eklatant höhere Lärmbelastung“ und damit auch eine Wertminderung ihrer Immobilien. Laut dem Verkehrsgutachten könnten dort in Spitzenzeiten bis zu 400 zusätzliche Fahrzeuge auf der Schönfelderstraße fahren, die sich im ungünstigsten Fall bis auf die Kreuzung an der Stuttgarter Straße zurückstauen könnten.

Die Planung für die neue Kelter läuft bereits seit vielen Jahren. Für die Umsetzung ist eigens eine neue Genossenschaft mit dem Titel „Weingärtner Remstal“ zuständig. In den einzelnen Ortsgenossenschaften konnten die Wengerter darüber abstimmen, ob ihr Ortsverband Teil der neuen Genossenschaft werden soll. Im November soll dann der Fusionsvertrag unterschrieben werden. Wenn alles läuft wie geplant, sollen zur Weinlese 2018 bereits die ersten Schlepper ihre Trauben aus ganz Weinstadt, aber auch aus Stetten, Korb und Winnenden zur neuen Kelter zwischen Beutelsbach und Endersbach bringen.

Wird die Schönfelderstraße zur zeitweisen Einbahnstraße?

Nachdem durch die Beteiligung der Öffentlichkeit die Bedenken vieler Einwohner – vor allem jene der Schönfelderstraße – ans Licht kamen, spielt die Verkehrsführung nun eine zentrale Rolle. Eine Variante des Konzepts sieht vor, sowohl den anfahrenden Verkehr als auch die wieder abfahrenden Fahrzeuge über die Schönfelderstraße zu leiten. Für diesen Fall empfiehlt das Gutachten, Ausweichstellen zu schaffen und die Ränder der Straße zu befestigen.

Die zweite Variante, der das Gutachten eindeutig den Vorzug gibt, wäre es, die Schönfelderstraße nur in den Weinlesemonaten ab dem Beutelsbacher Schützenhaus in Richtung der Zentralkelter zur Einbahnstraße zu machen. Schlepper, die ihre Trauben abgeliefert haben, würden in dieser Variante über den Feldweg in Richtung Kreisverkehr beim Stadion den Heimweg antreten können. Der Weg sollte laut dem Gutachten dafür ausgebaut und komplett asphaltiert werden.

Anwohner: „Das Projekt wird kurz vor den Sommerferien durchgepeitscht“

Der Anwohner Kai Bliesener ärgert sich indes vor allem über den seiner Meinung nach bewusst gewählten Zeitpunkt der Öffentlichkeitsbeteiligung. „Es ist mehr als unglücklich, wenn ein derartiges Projekt mit entsprechendem Planungsvorlauf im Hauruckverfahren plötzlich kurz vor den Sommerferien durchgepeitscht wird.“ Man fühle sich überrumpelt, heißt es aus der Anwohnerinitiative. Ein vertrauensförderndes Vorgehen sähe anders aus, formulieren die Bürger in ihrem Brief.

Laut dem bisherigen Zeitplan wird mit der Inbetriebnahme der zentralen Kelter im Herbst 2018 gerechnet. Vor dem erhoftern Baubeginn im kommenden Frühjahr müssen nun aber zunächst die Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung ausgewertet und die Einwände abgewogen werden.




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