Der frühere Kriminaler Kurt Kindermann geht nicht davon aus, dass es sich einfach um Randale handelt und vermutet politische Motive.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Nicht nur Kurt Kindermann war die Feierlaune vergangen, als er am Dienstag beim Pferdemarkt unterwegs. An mehreren Stellen in der Innenstadt entdeckte der frühere Stadtrat und Leonberger FDP-Chef heruntergerissene, beschmierte und zerstörte Wahlplakate seiner Partei, die den Landtagskandidaten Hans-Dieter Scheerer aus Weil der Stadt zeigen. Andere waren mit Aufklebern der Antifa beklebt.

 

„Aggression und Gruppendruck“

Als früherer Kriminalkommissar und Profiler weiß Kindermann natürlich, um welches Delikt es sich hierbei handelt: Sachbeschädigung nach Paragraf 303 des Strafgesetzbuches. Als Dummer-Jungen-Streich will er das nicht durchgehen lassen. „Meiner Meinung nach agieren solche Täter in einem psychologisch-sozialen Umfeld, das von Aggression, Gruppendruck, Radikalisierung und einem Mangel an Empathie geprägt ist“, analysiert der erfahrene Kriminaler, der während seiner Laufbahn unter anderem in der Terroristenfahndung eingesetzt war und die digitale Gesichtserkennung maßgeblich neu aufgestellt hat.

Ein Plakat des FDP-Chefs Rülke wurde mit einem Anifa-Aufkleber versehen. Foto: privat

Kindermann glaubt nicht, dass womöglich Betrunkene aus Übermut die Plakate heruntergerissen haben. „Diese Handlungen sind Ausdruck einer aggressiven Haltung gegenüber bestimmten Parteien oder Ideologien.“ Dafür spreche auch, dass auf einigen Wahlplakaten Aufkleber „Antifaschistische Aktion“ oder Terminhinweise auf Antifa-Treffen beklebt waren.

Zerstörte Plakate hat er nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in Höfingen entdeckt. „Wir wollen das nicht auf uns beruhen lassen“, sagt der pensionierte Kriminaler, der heute noch Polizisten im Ausland unterrichtet. Deshalb habe sein Nachfolger im Leonberger Gemeinderat, Nicolay Hess, Anzeige erstattet. In solchen Fällen ermittle der Staatsschutz.

Die Zerstörungswut der Täter scheint sich tatsächlich auf die Plakate der Liberalen zu konzentrieren. Von weiteren Vorfällen dieser Art ist zumindest der Polizei nichts bekannt. Auf Anfrage teilte sie unserer Zeitung mit, dass lediglich ein beschädigtes Plakat der Grünen bei ihnen aktenkundig sei. Und auch beim Ordnungsamt der Stadt Leonberg wurde bisher kein Plakat-Vandalismus gemeldet. Der Leonberger CDU-Chef Oliver Zander hat bisher ebenfalls keine Kenntnis, dass Transpararente seiner Partei beschädigt worden wären.