Am Montagvormittag machten die Kinder in der Renninger Sport-Kita große Augen. Im Sportsaal hatten sich viele Erwachsene, darunter mit Landrat Roland Bernhard und Bürgermeisterin Melanie Hettmer auch hoher Besuch, eingefunden. Denn die Kindertagesstätte in der Rankbachstraße wurde das Zertifikat für die Teilnahme am Landesprogramm Bewusste Kinderernährung (Beki) verliehen.
Hierbei handelt es sich um eine Initiative des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, bei der in Kitas eine Sensibilisierung für ein ausgewogenes Essverhalten vermittelt werden soll. Ziel der Landesinitiative ist es, dass Kinder die Vielfalt der Lebensmittel kennen und zu schätzen wissen. Zur Erlangung des Beki-Zertifikats müssen schrittweise Aufgaben erfüllt werden. Dabei ist die Ernährungsbildung in den Kindergartenalltag einzubauen. Es sollen außerdem die Eltern aktiv mit eingebunden werden. Die Qualitätsstandards für das Essen und Trinken orientieren sich an Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Im Rahmen des Programms soll außerdem eine Kooperation mit externen Institutionen wie landwirtschaftlichen Betrieben erfolgen. Durch die Förderung des Ministeriums ist die Zertifizierung für die Einrichtungen kostenfrei.
50 Einrichtungen im Landkreis sind zertifiziert
Die erste Kindertagesstätte in Baden-Württemberg wurde im Jahr 2009 mit dem Beki-Zertifikat ausgezeichnet. Ein Jahr später engagierte sich auch der Landkreis Böblingen in dem Programm. In Waldenbuch erfolgte im Jahr 2011 die erste Kita-Zertifizierung im Landkreis. Bis Ende 2015 war die Zahl bereits auf 23 angestiegen. Mit der Zertifizierung der Sport-Kita in Renningen ist nun die 50. Kita ausgezeichnet worden. Der Landkreis Böblingen ist damit der Kreis in Baden-Württemberg mit den meisten zertifizierten Einrichtungen.
„Ich freue mich sehr darüber, dass das Programm Bewusste Kinderernährung im Landkreis seit nunmehr 15 Jahren praktiziert und vorangetrieben wird“, äußerte sich Landrat Roland Bernhard über den Erfolg der Initiative. „Die Ernährungsbildung schon bei den Kleinsten, auf eine genussvolle Art und Weise, ist ein wichtiger Baustein in der frühkindlichen Bildung.“ Das Beki-Zertifikat mache sichtbar, was in den internen Abläufen gelebt wird.
Dem Drang zum Fast Food widerstehen
Dabei weiß der Landrat aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass die Verlockungen einer ungesunden Ernährung groß sein können. „Als Vater von sechs Kindern und Großvater von inzwischen fünf Enkelkindern weiß ich, dass der Drang zum Fast Food schon sehr groß sein kann“, gibt Bernhard schmunzelnd zu. Und prompt ruft ein kleiner Junge laut aus: „Man kann schon ab und zu mal was Süßes essen!“ Darauf können sich alle gut einigen. In der Renninger Sport-Kita gehen Bewegung und Ernährung ohnehin Hand in Hand. „Die Kinder erleben hier täglich, dass Bewegung Spaß macht, gesundes Essen lecker ist und ein starkes Miteinander zu einem guten Wohlbefinden beiträgt,“ betont Kita-Leiterin Margit Hartmann. „Wir wollen ihnen Gewohnheiten an die Hand geben, die sie ihr ganzes Leben begleiten.“ Damit das klappt, ist in der Einrichtung das Engagement des Personals genauso wichtig wie das Mitwirken der Eltern.
In der Sport-Kita haben sich die beiden Erzieherinnen Uschi Schobel und Eva Grabis des Themas Ernährung angenommen. „Auch privat interessieren wir uns für die Themen Ernährung und Nachhaltigkeit“, erklärt Schobel. „Da wir das sowieso im Kita-Alltag leben, wollten wir auch mit den Kindern zusammen das Zertifikat erhalten.“ Bei einem Informationsabend hätten auch die Eltern der vier bis sechsjährigen Kinder viel Engagement gezeigt. „Wir bekommen tagtäglich indirekt über das mitgegebene Vesper ein Feedback von den Eltern“, erklärt Schobel.
Erlebbare Natur vom Samenkorn bis zur Ernte
Die Kinder seien ohnehin sehr interessiert am Thema Ernährung und dabei auch offen dafür, Neues auszuprobieren. Das funktioniert in der Kita-Gruppe sogar oft besser als zu Hause. Denn wenn Freundinnen und Freunde etwas probieren, fällt es leichter, auch mal etwas zu essen, was man nicht kennt. Bauernhofbesuche, die in der Zertifizierungsphase erfolgten, hätten für ein zusätzliches Bewusstsein gesorgt, woher Obst, Gemüse, Milch, Eier und auch Fleisch stammen. Ein eigener Feldgarten, der mit den Kindern gemeinsam gepflegt wird, macht Natur vom Samenkorn bis zur Ernte erlebbar.
Ausruhen kann man sich auf dem Beki-Zertifkat übrigens nicht, denn es ist nur für drei Jahre - bis Dezember 2027 – gültig. Aber in der Sport-Kita will man den eingeschlagenen Weg ohnehin fortführen und somit auch eine Rezertifizierung anstreben.