Daimler Autobauer bremst seinen Großinvestor Li Shufu

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Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigt sich grundsätzlich offen für eine Zusammenarbeit des Stuttgarter Autokonzerns mit dem Firmenimperium des neuen Großaktionärs – allerdings nur unter gewissen Bedingungen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentiert auf dem Genfer Autosalon das viertürige Modell Mercedes-AMG GT Coupé. Foto: dpa
Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentiert auf dem Genfer Autosalon das viertürige Modell Mercedes-AMG GT Coupé. Foto: dpa

Genf - Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigt sich grundsätzlich offen für eine Zusammenarbeit des Stuttgarter Autokonzerns mit dem Firmenimperium des neuen Großaktionärs Li Shufu – allerdings nur, wenn der langjährige China-Partner BAIC keine Bedenken dagegen hat. Der chinesische Milliardär hatte vor Kurzem überraschend bekannt gegeben, dass er eine Beteiligung von 9,7 Prozent erworben hat, womit er zum größten Anteilseigner aufgestiegen ist.

Li ließ dabei erkennen, dass er nicht nur Investor sein will, sondern auch eine industrielle Zusammenarbeit anstrebt. Zu seinem Firmenreich gehören der chinesische Autobauer Geely und der schwedische Autobauer Volvo. Zudem hält er unter anderem eine Beteiligung am Lkw- und Nutzfahrzeughersteller Volvo.

Zetsche berichtete nun am Rande des Genfer Autosalons von einem Gespräch mit Li nach dem Einstieg, in dem der neue Großaktionär seine positive Haltung zum Unternehmen und zum Management erläutert habe. Zudem habe Li gesagt, dass es in Zukunft eine ganze Menge Aufgaben gebe, bei denen die Kräfte in der Autoindustrie gebündelt werden sollten, und er grundsätzlich Interesse habe, solche Themen auszuloten.

Zetsche sieht mehr Chancen als Risiken

Das Daimler-Management habe dieser Einschätzung zugestimmt, so Zetsche, aber mit der zusätzlichen Bemerkung, dass das Unternehmen in China einen langfristigen guten Partner habe. Man sei offen, in China alles zu prüfen, solange der Partner zustimme. Dies müsste laut Zetsche jedoch eher zwischen den beiden chinesischen Unternehmen als mit dem Daimler-Management geklärt werden. Zetsche sieht hier nach eigenen Angaben mehr Chancen als Risiken. Über konkrete Projekte habe man aber noch nicht gesprochen. Bereits früher hat es nach Angaben des Daimler-Chefs ein Treffen mit Li Shufu gegeben, in dem dieser sein Interesse an einem Einstieg bei Daimler sowie an einer Zusammenarbeit der Stuttgarter mit Volvo und einer Allianz in China bekundet hat. Li Shufu hat zudem am Wochenende in einem Interview erläutert, dass es ihm vor allem darum gehe, gemeinsam Internettechnologien im Bereich der Mobilität zu forcieren und digitale Services mit den Fahrzeugen zu verknüpfen. Die Autohersteller dürften hier nicht von Internetriesen wie Google oder Apple abhängig werden.

Daimler hat in China schon seit Langem eine Allianz mit dem Fahrzeugbauer BAIC in Peking, zu dem auch der Lastwagenhersteller Foton gehört. Die Produktion von Autos in Peking ist in den vergangenen Jahren kräftig ausgeweitet werden. Zudem produzieren beide gemeinsam Lastwagen der Marke Auman. Wie Zetsche berichtete, hat es vor der Bekanntgabe des Einstiegs auch schon ein Gespräch zwischen dem neuen Großaktionär und dem chinesischen Partner gegeben. Nach dem Eindruck von Zetsche ist man bei BAIC zunächst einmal neugierig darauf, welche gemeinsamen Projekte sich für alle Partner lohnen könnten. Zetsche wies darauf hin, dass Geely der erfolgreichste privatwirtschaftliche Autohersteller in China sei und es deshalb auch für BAIC interessant sein könnte zu prüfen, wo man von einer Allianz profitieren könnte. Der Daimler-Chef wollte zugleich nicht ausschließen, dass BAIC nach dem Einstieg von Li Shufu bei Daimler auch wieder ein größeres Interesse an einer Beteiligung am Stuttgarter Konzern entwickeln könnte.

Über die Zusammenarbeit mit BYD äußert sich Zetsche eher vorsichtig

Etwas gedämpft äußerte sich der Daimler-Chef zu der Zusammenarbeit mit dem chinesischen Autohersteller BYD, mit dem die Stuttgarter in China gemeinsam Elektroautos der Marke Denza bauen. Diese sind offenbar nicht gerade der Renner. Zetsche kleidete dies in die etwas camouflierende Formulierung, dass das Auto „nicht gerade den Elektroautomarkt dominiert“. Dennoch beurteilten beide Seiten diese Partnerschaft positiv.

In der Vergangenheit hat es indes eine ganze Reihe von Beispielen gegeben, die zeigen, dass Partnerschaften in China bisweilen recht heikel sein können. So litt Daimler vor einigen Jahren darunter, dass sich zwei Vertriebspartner gegenseitig bekämpften, was zu Absatzproblemen führte. Erst eine Neuordnung des Vertriebs konnte diese Schwäche beseitigen. Auch Audi kämpfte im vorigen Jahr zunächst mit Problemen, weil die VW-Tochter sich in China mit einem zweiten Vertriebspartner verbündete. Mittlerweile scheinen diese Irritationen jedoch überwunden.