ZF Eine clevere Strategie

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Der Friedrichshafener Autozulieferer ZF will mit seinem Konzept Herstellern und Fahrern die Angst vor E-Autos nehmen, kommentiert Wirtschaftsredakteurin Inge Nowak.

Für die Kommunen hat ZF Mobilitätskonzepte wie den Kleinbus E-Go People Mover  erarbeitet. Foto: dpa
Für die Kommunen hat ZF Mobilitätskonzepte wie den Kleinbus E-Go People Mover erarbeitet. Foto: dpa

Friedrichshafen - Bei ZF in Friedrichshafen herrscht vor allem eines: Aufbruchstimmung. Zwar hat der drittgrößte deutsche Zulieferer, der als Anbieter von Achsen und Getrieben traditionell stark am Verbrennungsmotor hängt, auch seine Herausforderung mit der neuen elektrischen und autonomen Autowelt. Doch Klagen kommen Wolf-Henning Scheider nicht über die Lippen. Der Manager, der zuvor bei den Stuttgarter Zulieferern Bosch und Mahle war, beschreitet neue Wege und versucht, den Marktteilnehmern Lösungen anzubieten. Es ist ein durchaus cleverer Ansatz.

Für die Kommunen hat ZF Mobilitätskonzepte wie den Kleinbus E-Go People Mover erarbeitet. Für Stadtbusse hat das Unternehmen Nachrüstsätze entwickelt, um vorhandene Busse mit Verbrennerantrieb zusätzlich zu elektrifizieren. ZF wird demnächst einen Antrieb für E-Fahrräder bringen. Und für die Newcomer unter den Autoherstellern hat das Stiftungsunternehmen ein voll integriertes, einfach zu montierendes Getriebe im Angebot. Bei den etablierten Anbietern setzt der Konzern stark auf Hybridlösungen. Damit hilft er den Autoherstellern, ihre CO2-Probleme zu meistern. Gleichzeitig nimmt er den privaten Fahrern die Reichweitenangst. Dass dieser Ansatz aufgehen kann, zeigt der jüngste Auftrag von BMW – der größte Auftrag in der ZF-Geschichte.

Eigentümer tragen das Konzept mit

Und was machen die Eigentümer? Etwa der Oberbürgermeister von Friedrichshafen, der als Vorsitzender der Zeppelin-Stiftung, die fast 94 Prozent der Anteile hält, ein starkes Wort mitzureden hat? Offensichtlich tragen sie das Konzept mit. Von den Querelen, mit denen ZF vor eineinhalb Jahren Schlagzeilen schrieb, ist nichts zu spüren. Verwunderlich ist das nicht unbedingt. Scheider, der mit deutlich mehr Empathie als sein Vorgänger agiert, konnte ihnen seine Strategie vermitteln. Und die bringt nicht zuletzt eines: Zeitgewinn. Denn Zeit braucht er, um die Werke und vor allem die Mitarbeiter auf die Zeit der reinen Elektroautos vorzubereiten.