Zifferblätter frisch vergoldet Waiblinger Martinskirche ist wieder komplett

Von Annette Clauß 

Beim zweiten Anlauf hat es geklappt: die frisch vergoldeten Zifferblätter und Zeiger der Martinskirche sind in Waiblingen-Neustadt befestigt worden. Beim vorigen Mal war eine falsche Turmuhr angeliefert worden.

Das erste der beiden Zifferblätter wird an seinen Platz gehievt. Foto: Gottfried Stoppel
Das erste der beiden Zifferblätter wird an seinen Platz gehievt. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Bloß keine Macke im frischen Blattgold! Deshalb ziehen André Drondorf und Falk Falkenburg das restaurierte Zifferblatt der Kirchturmuhr in Waiblingen-Neustadt nicht von Hand nach oben, sondern überlassen diese Aufgabe einem Fahrzeugkran. Der hievt die Last von rund 90 Kilo Meter für Meter in die Höhe – ganz vorsichtig, damit das gute Stück nirgendwo anstößt. Schwarz glänzt der schützende Lack auf dem knapp 1,70 Meter großen Kreis, die goldenen Ziffern blitzen in der Sonne. Und der Pfarrer Joachim Bauer atmet auf, grinst und sagt: „Dieses Mal ist es das Richtige.“

Denn eigentlich hätte die Kirchturmuhr der mittelalterlichen Martinskirche in Waiblingen-Neustadt schon eine gute Woche früher wieder an Ort und Stelle hängen sollen. Allerdings hatte man in der Werkstatt der Turmuhrenbaufirma Eisenhart anstatt der Uhr aus Neustadt versehentlich ein nahezu identisches, aber etwas kleineres Modell, das sonst die Kirche in Warmbronn schmückt, eingepackt und nach Waiblingen transportiert. Eben jenes Zifferblatt erwies sich dann beim Anlagen an die Turmfassade als zu klein – und musste wieder abtransportiert werden.

Das Zifferblatt wiegt um die 90 Kilo

An diesem Tag aber läuft alles rund. Falk Falkenburg und André Drondorf von der Firma Eisenhart sind mittlerweile auf das Gerüst geklettert und bugsieren das an einem Seil baumelnde gusseiserne Zifferblatt aus Wasseralfingen vorsichtig, Zentimeter für Zentimeter, an seinen angestammten Platz. Dieses Mal passt es perfekt auf den Kreis, der in Rot und Schwarz als Hintergrund auf die Turmfassade gemalt ist. Drondorf und Falkenburg rücken das Zifferblatt zurecht, setzen jeweils eine Schraube bei den Zahlen 12, 3 und 9 – nun kann nichts mehr schief hängen oder verrutschen.

„Das vergolden wir noch nach“, sagt Falk Falkenburg über die nachträglich angebrachte Befestigung und holt dann ein großes verschnürtes Bündel aus dem Firmentransporter. Mit wenigen Handgriffen löst er das Seil, klappt den Stoff zur Seite und präsentiert die goldene Vorderseite der Zeiger: den kurzen für die Stunden und den längeren, der einem Schwert gleicht und die Minuten anzeigt. Hinten sind beide Zeiger in schlichtem Gelb lackiert – Hauptsache wetterfest ist die Devise. Falk Falkenburg zieht rote Handschuhe an, nimmt die beiden Zeiger und sagt: „Die werden aufgesteckt und festgeschraubt.“ Dann klettert er erneut aufs Gerüst, wo sein Kollege wartet. Kaum sind die Zeiger angeschraubt, ertönen zehn Glockenschläge – und die beiden Männer in luftiger Höhe wissen, wie sie die Zeiger auszurichten haben.

Die mittelalterlichen Fresken sind eine Rarität

Seit Donnerstag ist der Ausblick auf die frisch renovierte, vom Rost befreite Uhr jetzt wieder unverstellt. „Das Gerüst kommt auch zeitnah weg“, sagt Joachim Bauer. Seit er vor einigen Jahren die Pfarrstelle in Neustadt angetreten hat, haben sich viele Handwerker in der Martinskirche getummelt. Bei der Reinigung der mittelalterlichen Fresken im Chor wurden vor rund 16 Jahren schwere Schäden entdeckt. Schnell war klar, dass die Restaurierung einen großen Batzen Geld kosten würde. Der Kirchengemeinderat regte daher zum Sammeln von Spenden einen Förderverein an, der sich 2007 gründete und seither fleißig sammelt.

Der größte Kraftakt – die Säuberung und Sicherung der Wandmalereien im Chor, welche Szenen aus der Lebensgeschichte Jesus zeigen – ist vollbracht. Nun aber stehe die Sanierung der Bilder im Kirchenschiff an, berichtet Joachim Bauer. „Im März kommt das Landesdenkmalamt zu einer ersten Begutachtung.“ Bis die Martinskirche erneut zur Baustelle wird, werde es aber noch dauern: „Ich denke, in etwa vier Jahren ist es soweit.“




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