Zirkusprojekt in Stuttgart Jugendliche unter sich

Von Jacqueline Fritsch 

Das neu gegründete Zirkus-Ensemble trainiert in den Räumen an der Fasanenhofstraße.Für die Teilnehmer gilt ein Mindestalter von 15 Jahren. Wir waren beim ersten Termin dabei.

Ein Rad schlagen, das ist für die jungen Zirkusartisten kein Problem. Foto: Jacqueline Fritsch
Ein Rad schlagen, das ist für die jungen Zirkusartisten kein Problem. Foto: Jacqueline Fritsch

Fasanenhof - Was aussieht wie eine lang einstudierte Choreografie, ist tatsächlich reine Improvisation. Erst tun sich Amelie, Raphael, Marlen, Annika, Melissa und Vianne noch schwer: Zwei von ihnen sollen eine beliebige Pose einnehmen, die anderen halten ihre Arme um Kopf, Bein, Bauch oder Arm der beiden. Möglichst elegant und mit einer flüssigen Bewegung sollen sie sich nun aus ihrer Pose befreien und diese auf gleichem Weg zurück wieder einnehmen. Dann sind die nächsten beiden an der Reihe – natürlich mit flüssigem Übergang. Nach einigen Minuten funktioniert das perfekt – ohne dass die Sportler auch nur ein Wort miteinander reden müssen. Und das, obwohl es ihr erstes Training in dieser Konstellation ist.

Natürlich kennen sich die 13 Mädchen und zwei Jungen bereits. Und Anfänger sind sie auch nicht mehr. Neu ist aber, dass sie sich nun als Zirkus-Jugendensemble bezeichnen. Dieses Angebot des Kinder- und Jugendhauses soll die Jugendlichen aus allen Stuttgarter Zirkussen in einem Training zusammenbringen. „Wir haben beobachtet, dass viele mit 15 oder 16 Jahren mit dem Zirkus aufhören, weil sie entweder zu viel anderes zu tun haben oder dann wirklich hart trainieren wollen und das in einer Gruppe mit Zehnjährigen schwierig ist“, sagt Maria Schneider, die seit einigen Monaten das Kinder- und Jugendhaus an der Fasanenhofstraße leitet. Deshalb trainieren im Jugendensemble nur Zirkusbegeisterte von 15 Jahren an.

Der Bedarf für so ein Ensemble ist groß

Man merkt, dass die 15 Jugendlichen Spaß haben. Mehr als zwei Stunden Rhythmusübungen, Radschlagen und die Improvisationsübung meistern alle mit einem Lächeln. Dabei fordert allein das Aufwärmen viel Kraft. „Es sieht nicht nur anstrengend aus“, sagt Isabell mit leicht rotem Kopf und lacht. Die 17-Jährige hat in der sechsten Klasse mit dem Zirkustraining angefangen. „Meine damalige Schule hatte eine Kooperation mit dem Jugendhaus, so bin ich dazu gekommen.“ Im Training hat sie ihre Freundin Lea kennengelernt. „Der Zirkus ist ein Teil meines Lebens“, sagt die 15-Jährige. „Ich bin dadurch auch selbstbewusster.“ Das neue Jugendensemble kommt gut an. „Normalerweise sind wir um die 50 Leute im Training, da ist das hier schon besser, und die Altersbegrenzung ist auch gut, weil sonst auch immer viele Kleine da sind“, sagt Lea.

Die Idee des Jugendensembles gebe es schon länger, sagt die Hausleiterin Maria Schneider. Dass der Bedarf aber tatsächlich da ist, sei erst in den vergangenen Monaten deutlich geworden, als verschiedene Kinder- und Jugend-Zirkusgruppen aus Stuttgart gemeinsam beim Varieté im Friedrichsbau waren. „Die Jugendlichen sind beim Varieté total zusammengewachsen und haben es genossen, mit Gleichaltrigen zu trainieren“, sagt Schneider. Das Jugendensemble soll also auch eine Chance für die Jungen und Mädchen sein, weiterhin gemeinsam trainieren zu können. Außerdem kann das Jugendhaus Fasanenhof damit mehr Anfragen nach Zirkus-Showacts annehmen. „Bei den Kleinen ist es immer so, dass die monatelang für einen Auftritt üben, aber bei den Großen haben wir den Vorteil, dass sie ihre festen Nummern haben, die sie jederzeit präsentieren können“, sagt Schneider.

Die Jugendlichen bestimmen selbst

Beim ersten Training gibt es von diesen Nummern noch nichts zu sehen. Zwar feilen ein paar Jugendliche schon an ihren Jonglier-Künsten, die meisten konzentrieren sich aber erst einmal auf ihre Fitness. Ob künftig Akrobatik, Jonglage, Trapez oder etwas ganz anderes im Mittelpunkt stehen soll, dürfen die Jugendlichen selbst bestimmen. Fit sind sie jedenfalls, und als Team funktionieren sie sogar, wenn sie improvisieren müssen.

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