Zoff im Waldenbucher Gemeinderat SPD-Fraktion wirft Rätin „Bruch mit dem Wählerauftrag“ vor

Heidrun Rohse wird fortan für die Grünen im Waldenbucher Gemeinderat sitzen. Foto: /Thomas Ceska/z

Die Gemeinderätin Heidrun Rohse wechselt von der SPD zu den Grünen. Ein Ex-Parteikollege nennt dies einen „schwerwiegenden Vertrauensbruch“ und fordert sie auf, ihr Amt niederzulegen.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Die Kommunalwahl ist erst drei Monate her und schon gibt es einen einschneidenden Wechsel im Waldenbucher Gemeinderat. Heidrun Rohse, die für die SPD angetreten ist, hat bei der jüngsten Gemeinderatssitzung verkündet, dass sie aus der SPD austritt und sich der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen anschließt. Die Grünen haben fortan vier statt drei Vertreter.

 

Streit um Ämter

Was hat Heidrun Rohse, die vor 34 Jahren in die SPD eingetreten und die Partei mit Unterbrechung seit 2014 im Waldenbucher Gemeinderat vertritt, zu diesem Schritt bewegt? „Es sind rein persönliche Gründe, das hat nichts mit dem Parteibuch zu tun“, sagt Rohse. Ihr Amt als Kassiererin im SPD-Ortsverein werde sie ordentlich übergeben, „ich schmeiße nicht einfach nicht“.

Dass ihr Übertritt so kurz nach der Wahl passiert, findet sie selbst „blöd“, aber unausweichlich. Mit ihren Ex-Fraktionskollegen Ferdinando Puccinelli und Walter Keck habe es „keine wertschätzende Diskussion auf Augenhöhe“ gegeben. Die beiden hätten für ihre eigenen Interessen genutzt, dass sie in ihrem Dreiergespann stets eine Mehrheit bildeten. Puccinelli wirft sie vor, er habe „alle irgendwie interessanten Ämter und Ausschusssitze“ an sich reißen wollen, „meiner Meinung nach in Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten“. Um das zu erreichen, habe er ihr Kompetenzen abgesprochen. Dabei habe sie „die ganze Wahl geschmissen“, Wahlprospekte gemacht, Plakate verteilt und tagelang an Infoständen gestanden. „Ich war da sehr parteidienlich.“

SPD verliert ihren Fraktionsstatus

Ihre Ex-Fraktionskollegen sind verstimmt. „Das war unerwartet“, sagt Puccinelli und betont, es gebe immer zwei Wahrheiten. Sie hätten lange mit Rohse diskutiert und versucht, Kompromisse zu finden. „Sie dachte, wir sind gegen sie, aber das ist nicht der Fall.“ Dass sie nur drei Monate nach der Kommunalwahl das Parteibuch wechselt, nennt er „einen klaren Bruch mit dem Wählerauftrag“. Ihre Stimmen habe sie als Vertreterin der SPD erhalten, was der Partei als drittstärkste Liste drei Sitze eingebracht habe. Dass die Grünen nun als viertstärkste Kraft mehr Stimmrecht hätten, entspreche nicht dem Wählerwillen. Dass die SPD fortan mit dem Status einer Gruppierung keinen Antrag mehr stellen dürfe, erschwere ihre Arbeit erheblich. Puccinelli appelliert an Rohse, ihr Mandat niederzulegen und der SPD zurückzugeben. „Dies wäre eine klare Geste, Verantwortung zu übernehmen und den Wählerwillen zu respektieren“, sagt er.

„Halbe Grüne“

Rohse sieht das anders: „Wenn die mir übel mitspielen, muss ich mein Amt nicht niederlegen. Ich kann meine Politik auch bei den Grünen machen.“ Sie sei immer schon eine „halbe Grüne“ gewesen, der Klima und Umweltschutz am Herzen gelegen hätten. Ebenso werde sie sich weiterhin für soziale Themen stark machen. Kommunalpolitik sei doch in der Regel eine Persönlichkeitswahl.

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