Zoll spürt Verstecke auf Mit Röntgenblick die Schmuggler jagen

Ein Lkw wird im Röntgen-„Tor“ abgetastet – es gibt in diesem Fall keinen negativen Befund Foto: Horst Rudel
Ein Lkw wird im Röntgen-„Tor“ abgetastet – es gibt in diesem Fall keinen negativen Befund Foto: Horst Rudel

Der „Schrecken für Schmuggler“ ist 23 Tonnen schwer und auf allen Autobahnen und Bundesstraßen des Landes unterwegs: Eine überdimensionale Röntgenanlage auf Rädern. Der Zoll spürt damit Schmuggelverstecke in Transportern auf.

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Stuttgart - Steffen Ohrtmann hat den Röntgenblick. Der Mann und sein Spezialfahrzeug, das einer überdimensionalen Waschanlage ähnelt, sind am Donnerstag im Auftrag des Hauptzollamts Stuttgart den Schmugglern auf der Autobahn auf der Spur. Auf dem Gelände der Raststätte Denkendorf an der A 8 wird ein kompletter Sattelzug in Minutenschnelle abgetastet. Das Bild ähnelt dem Röntgenbild eines Koffers am Flughafen: „Wir suchen die Unstimmigkeiten“, sagt Ohrtmann. Vor ein paar Tagen bestanden die Unstimmigkeiten aus 50 000 unversteuerten Zigaretten in einem osteuropäischen Kleintransporter.

„Die vollmobile Röntgenanlage ist der Schrecken der Schmuggler“, sagt Angelika Kaag, Leiterin des Hauptzollamts Stuttgart. Sie steht ebenfalls auf der Autobahn-Raststätte – und ist bei der Vorstellung der Jahresbilanz ihrer Behörde, die für Stuttgart, die umliegenden Landkreise, für den Flughafen und den Hafen zuständig ist, bester Laune. 3,3 Milliarden Euro Steuern hat ihre Behörde für den Bund eingenommen – ein neuer Rekord. Die mobilen Einsätze der Kontrolleinheit Verkehrswege sowie die Zöllner am Flughafen konnten zudem 780 000 Schmuggelzigaretten, 30 Kilo Rauschgift und 110 Waffen sicherstellen.

Die Zöllner können auch in den Tank schauen

Dabei hat sich auch der Zoll gewandelt – „weg vom kleinen grünen Mann an der Grenzstation“, so Kaag. Stattdessen: raus auf die Verkehrswege des globalisierten Handels. Der Postanteil über den Online-Handel beispielsweise steigt ständig. Die Zahl der zollrelevanten Päckchen und Pakete nahm im letzten Jahr im Großraum Stuttgart von 43 000 auf 55 000 zu. Am Flughafen wurden im Reiseverkehr Waren im Wert von über 800 000 Euro geschmuggelt. Dabei handelte es sich meist um Goldschmuck.

Manches steckt aber auch ganz banal in offiziellen Schwerguttransporten. Und es ist bei weitem nicht alles legal, was da auf den Fernstraßen rund um den Ballungsraum Stuttgart transportiert wird. Dafür sind Steffen Ohrtmann und sein Team mit der vollmobilen Röntgenanlage unterwegs. „Pro Jahr fahren wir etwa 200 Einsätze“, sagt er. Der Röntgenblick kann Lkw-Fahrer überraschend treffen. In Denkendorf muss auch der Fahrer einer österreichischen Transportfirma mit rumänischem Kennzeichen 20 Minuten Pause machen. So lange dauert es, bis seine Papiere kontrolliert sind und der Sattelzug den Röntgentest absolviert hat.

„Wir können auch in den Tank hineinschauen“, sagt Ohrtmann, „und suchen in den Hohlräumen nach Unstimmigkeiten, schauen, ob die Ladung mit den Angaben auf den Papieren plausibel ist.“ Der Fahrer des rumänisch-österreichischen Lkw besteht den Test. Überhaupt ist die Kontrollstelle Denkendorf an diesem Mittwoch sauber. „Diesmal gab es keinen Treffer“, bilanziert Zollsprecher Thomas Seemann.

Marihuana im Kühltransporter?

Bei einem 50-jährigen Osteuropäer sah das letzte Woche bei Crailsheim ganz anders aus. In präparierten Granitplatten steckten 204 Stangen unversteuerte Zigaretten. Wären die 50 000 Glimmstängel auf dem Schwarzmarkt verkauft worden, wären dem Staat 10 000 Euro Steuern entgangen. Die wohl aus der Ukraine stammenden Zigaretten waren allerdings auf dem Weg nach Spanien, so die Erkenntnisse der Ermittler.

Es ist aber nicht nur der Röntgenblick, sondern auch das Näschen für verdächtige Bilder. Die regelmäßigen, feinen Strukturen in der Ladung können stangenweise Zigaretten sein. Wo der Laie nur nichtssagende, zarte Linien sieht, hebt der Fahnder schon die Augenbrauen. Doppelte Böden, manipulierte Ware.

Manchmal kann aber auch der böse Schein nur Schein sein. Vor Irrtum sind auch die Zöllner nicht gefeit: „Einmal haben wir in einem Gemüse-Lkw etwas gefunden, das wie Marihuana aussah“, sagt Ohrtmann. Also musste der Kühltransporter ausgeräumt werden. „Am Ende war es dann aber doch Petersilie.“




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