Zoo Leipzig Warum tötet eine Löwenmutter ihre eigenen Babys?

Von /dpa 

Eine Löwin tötet im Leipziger Zoo ihre erst wenige Tage alten Jungen und frisst sie. Dieses Verhalten ist im Tierreich nicht ungewöhnlich, wie Experten erklären.

Löwin Kigali (hier beim Säugen ihrer beiden Jungen) bleibt nach Angaben des Zoos Leipzigs zunächst in einem abgetrennten Bereich, bevor sie in den kommenden Tagen  wieder zum  Löwenmännchen  Majo kommt. Foto: Zoo Leipzig/dpa
Löwin Kigali (hier beim Säugen ihrer beiden Jungen) bleibt nach Angaben des Zoos Leipzigs zunächst in einem abgetrennten Bereich, bevor sie in den kommenden Tagen wieder zum Löwenmännchen Majo kommt. Foto: Zoo Leipzig/dpa

Leipzig - Der Tod von zwei Löwenbabys im Leipziger Zoo hat für großes Aufsehen gesorgt. Die erst vergangenen Freitag geborenen Jungen wurden von ihrer Mutter Kigali am Montagabend nach der Fellpflege vollständig gefressen, wie der Tierpark mitteilte. Doch was sind die Gründe für ein solches Verhalten?

Seit der Geburt habe sich die Löwin zunächst intensiv um ihren ersten Nachwuchs gekümmert. Mutter und Welpen ging es den Angaben nach „augenscheinlich gut“, hieß es in einer Mitteilung des Leipziger Zoos.

Töten der eigenen Brut ist im Tierreich nicht ungewöhnlich

Der zuständige Bereichsleiter, Jens Hirmer, hatte gemutmaßt, dass die Unerfahrenheit der Löwin oder die Entwicklung der Jungtiere eine Rolle gespielt haben könnte. Da eine Obduktion nicht mehr möglich ist, werden die Hintergründe unklar bleiben, wie eine Sprecherin des Zoos erklärte. Bei Wildtieren komme ein solches Verhalten immer wieder vor – „gerade bei Erstgebärenden“.

„Es kann immer mal passieren, dass Löwen-Mütter ihre Kinder fressen“, sagte Joachim Scholz vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt am Main dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Ursachen seien vielschichtig und nicht unbedingt in einem krankhaften Verhalten der Mutter zu suchen.

Fachbegriff: Infantizid

In der Zoologie wird dieses Verhalten, den eigenen Nachwuchs zu töten und zu fressen, Infantizid genannt. Infantizid ist im Tierreich weit verbreitet. So tritt das Phänomen bei Raubtieren wie Löwen und Braunbären genauso auf wie bei Nagetieren wie Ratten und Mäusen, Affen wie Pavianen, Schimpansen und Berggorillas sowie bei Vögeln und Delfinen.

Auch unter Aquarienfischen wie den lebendgebärenden Arten Platy, Guppy oder Schwertträger ist Infantizid üblich. Die gebärenden Weibchen werden deshalb von Züchtern häufig in ein separates Aquarium versetzt.

War ungewöhnlicher Geruch der Löwenjungen der Auslöser?

Biologe Scholz hält es zudem für möglich, dass die Löwenmutter einen ungewöhnlichen Geruch an ihren Jungen bemerkt habe. „Da die Welpen gefressen wurden, lässt sich nicht leider mehr nachvollziehen, ob sie wirklich krank waren.“ Kranke Löwen- oder Bärenbabys großzuziehen mache in der Savanne und im Dschungel überhaupt keinen Sinn, betont Scholz. „In solchen Fällen recycelt die Mutter die in den Nachwuchs investierte Energie, indem sie ihn auffrisst.“

Der Zoo hatte die Geburt am Montag bekannt gegeben und ein erstes Foto der beiden Jungen veröffentlicht. Ein drittes Löwenbaby wurde tot geboren. Seit 15 Jahren hatte es in dem sächsischen Zoo bis dahin keine Löwengeburt mehr gegeben.