Krimikolumne

Zoran Drvenkar: „Still“ Jagd auf Kinder

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Zu den profiliertesten deutschsprachigen Thrillerautoren gehört ohne jeden Zweifel der gebürtige Kroate Zoran Drvenkar. Auch in seinem neuesten Roman „Still“ mutet er seinen Lesern eine Menge zu. Es geht um Kinder, die aus ihren Elternhäusern entführt werden . . .

Zoran Drvenkar ist ein Meister im Legen von falschen Spuren. Foto: Corinna Bernburg
Zoran Drvenkar ist ein Meister im Legen von falschen Spuren. Foto: Corinna Bernburg

Stuttgart - Zoran Drvenkar ist so etwas wie der deutschsprachige Don Winslow. Kein Abgrund ist ihm zum tief, kein Schrecken zu groß, da steht er dem amerikanischen Bestsellerautor in nichts nach. Und der gebürtige Kroate verfügt ebenfalls über einen ganz ausgeprägten Personalstil. Souverän spielt er mit Perspektivwechseln, im klaren Präsens treibt er seine Geschichten voran. Das war bei „Sorry“ und bei „Du“ der Fall, und das gilt auch für seinen neuesten Thriller „Still“.

Wer Kinder hat, sollte es sich vielleicht zweimal überlegen, das Buch zu lesen. Denn Drvenkar rührt an viele Ängste. An Todesängste, an Verlustängste, an Trennungsängste – und vor allem an die Ängste, die verschleppte Kinder ausstehen, und die Ängste, unter denen ihre Eltern leiden.

Wieder wendet der Autor den Kunstgriff der Trennung an: „Ich“, das ist ein Lehrer, dessen kleine Tochter in einer Winternacht aus der elterlichen Wohnung entführt wurde. „Du“, das ist ein Mädchen, das das gleiche Schicksal ereilt hat, das aber mit dem – körperlichen – Leben davon kam. Und „sie“, das sind ein paar Männer, die aus niedersten Beweggründen Jagd auf Kinder machen, um sie anschließend . . .

Sind seine handelnden Personen umsichtige und erfolgreiche Jäger – die einen früher, die anderen später, Rollenwechsel nicht ausgeschlossen –, so ist Drvenkar ein Meister im Legen von falschen Spuren. Das fängt schon mit der Exposition an, in die der Autor einen Hauch von Fantasy bringt. Und das hört in der Mitte des Buches noch lang nicht auf, wenn der Ich-Erzähler den Fall scheinbar aufgeklärt hat. Doch so einfach ist das nicht: Da gibt es Kinderjäger, die aus reiner Perversion ihrer Neigung nachgehen, und es gibt welche, die für ihr Treiben – wie soll man sagen? – historisch begründete Motive haben.

Kurzum: In dieser Liga spielen nicht viele Autoren.

Zoran Drvenkar: „Still“. Roman. Eder & Bach, Berlin 2014. 416 Seiten. 16,95 Euro. Auch als E-Book, 11,99 Euro; als Hörbuch-CD, 22,99 Euro; und als Download, 14,85 Euro.