Bauern am Oberrhein Soja ist im Südwesten auf dem Vormarsch

Pionier: der Landwirt Bernhard Irion findet, der Soja-Anbaus lohnt sich. Foto: Heinz Siebold
Pionier: der Landwirt Bernhard Irion findet, der Soja-Anbaus lohnt sich. Foto: Heinz Siebold

Die Nachfrage nach Soja ist weltweit gestiegen. In Baden-Württemberg wird die gentechnikfreie Eiweißpflanze vor allem am Oberrhein angebaut und erforscht. Für die Bauern ist das ein mühseliges, aber durchaus lohnendes Geschäft.

Baden-Württemberg: Heinz Siebold (sie)
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Schwanau - Soja ist ein wenig anspruchsvoller als Körnermais“, sagt Bernhard Irion (54) und rupft ein paar Knöteriche aus, die sich ins Feld eingeschlichen haben. Der badische Landwirt blickt über sein Sojafeld in Nonnenweier, das zu Schwanau in der Ortenau gehört. Der Landkreis bei Offenburg und speziell die Rheinebene sind mit 760 Hektar Anbaufläche ein Zentrum des Soja-Anbaus. Irion, Hofeigentümer in fünfter Generation, hat zwar nur fünf von seinen 40 Hektar mit der eiweißhaltigen Hülsenfrucht bepflanzt, aber sein Hof ist einer von 120 „Leuchtturmhöfen“ bundesweit, auf denen praxisnahe Forschung über Sojaanbau betrieben wird. Zwölf Sorten Soja hat er, fein säuberlich getrennt, allein für diesen Zweck angebaut. Von der Aussaat bis zur Ernte führt er genau Buch über Arbeitsweisen, Probleme und Erträge. Der Soja-Anbau bedarf besonderer Aufmerksamkeit, denn es „stehen nur wenige Mittel zur Unkrautbekämpfung zur Verfügung“, berichtet Irion.

Unter Bauern wird der Satz: „Bau Mais – und verreis!“ kolportiert. Irion lächelt, das sei schon richtig. Auf den Mais brauche man nicht so zu achten, bei Soja ist schon die Aussaat im April mit mehr Aufwand verbunden. Weil Soja hierzulande nicht heimisch ist, muss das Saatgut mit Bakterien geimpft werden, sonst würde die Pflanze keinen Stickstoff an den Wurzeln einlagern können. Die Unkrautbekämpfung mit zugelassenen Spritzmitteln darf nur kurze Zeit nach der Aussaat stattfinden, später kann nur gehackt und gestriegelt werden. Biologischer Anbau muss ganz ohne Spritzmittel auskommen und braucht viel Handarbeit.

Die Wurzeln der Sojapflanze lockern den Boden

„Soja ist dennoch eine interessante Anbaufrucht“, ist Bernhard Irion überzeugt. Auf 40 Hektar baut er Mais, Weizen, Braugerste, Hirse, Kartoffeln, Erdbeeren und Gemüse an. Bereits 1986 hat er an einem Soja-Pilotprojekt des Regierungspräsidiums Freiburg teilgenommen und hält seitdem die Pflanze mit dem hohen Eiweißgehalt in Ehren. Nach dem Dreschen im September kommt Winterweizen auf den Acker. „Der sieht nach dem Soja viel schöner aus“, ist Irion sichtlich begeistert. Das breite Wurzelwerk von Sojapflanzen lockert den Boden auf und der geringe Einsatz chemischer Mittel wirkt sich positiv aus. Auch ein wenig Stickstoff lässt die Pflanze nach der Produktion ihrer Erbsen zurück. Allerdings baut kein Bauer an, um den Boden schön zu machen, er will Erträge. „Soja schneidet im Ertrag sehr gut ab“ sagt Agraringenieur Christian Rupschus (35) vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenburg bei Karlsruhe. Die Eiweißpflanze gehört zur Spitzengruppe der Feldfrüchte. Für die Tonne Bio-Soja würden Preise bis zu 1000 Euro bezahlt, für konventionell angebaute Ware rund 360 Euro. Körnermais bringt zwar „nur“ 160 Euro je Tonne, doch ihr Ertrag pro Hektar liegt mit rund 15 Tonnen deutlich über den 2,5 bis 4 Tonnen bei Soja.

Doch nicht überall wächst Soja gleich gut. „Es gibt in Deutschland kaum ein geeigneteres Anbaugebiet als die Oberrheinebene“, sagt Christian Rupschus. „Wärme und Wasser sind das wichtigste für die Sojapflanze“. Natürlich nicht zu viel oder zu wenig. „Im letzten Jahr war es definitiv zu heiß, aber wir sind bei der Anbaufläche stabil geblieben, das ist ein großer Erfolg.“ Auf 5886 Hektar Land wird in Baden-Württemberg derzeit Soja angebaut. Mehr als doppelt wo viel wie noch 2014. „Es gibt eine wachsende Nachfrage, nicht nur von privaten Verbrauchern, sondern auch aus der Tierhaltung und -mast“, erklärt Rupschus. Immer mehr Nachfrager legen Wert auf regionale Herkunft. Und auf gentechnisch nicht verändertes Soja. Biofleisch-Produzenten etwa dürfen kein Gen-Soja verfüttern, damit fällt für sie 95 Prozent der Importware aus. In den USA und Lateinamerika wird vorwiegend Gen-Soja hergestellt, in Deutschland ist das verboten.

Wer Soja anbaut, kann Fördergeld beantragen

Land und Bund fördern und forcieren mit ihren landwirtschaftlichen Forschungseinrichtungen und Förderprogrammen den Anbau von Soja und anderen Leguminosen, also Eiweißpflanzen. Im baden-württembergischen „Soja-Netzwerk“ sind Landwirte, die ZG-Raiffeisen-Gruppe im Kraichgau und in Kehl am Rhein, Pflanzenbauberater und der Freiburger Tofu-Hersteller Life-Food („Taifun“) vertreten. Durch die Vernetzung gelinge es, „die Wertschöpfung in der Region zu halten“ und „sichere und gerechte Arbeits- und Entlohnungsmöglichkeiten“ zu schaffen, erklärte Agrarstaatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) bei ihrem Besuch von drei Betrieben im Breisgau am 18. August

Alle drei Oberrheinkreise Ortenau, Emmendingen und Freiburg kommen zusammen auf rund 80 Prozent der Landesproduktion von Soja. Auch im Neckartal zwischen Stuttgart und Heilbronn gibt es ein paar Anbaugebiete. Im flächenmäßig größten Landkreis Baden-Württembergs werden auf 760 Hektar Soja angebaut. Verglichen mit 16 000 Hektar Mais ist das freilich ein Klacks. „Da ist noch Luft nach oben“, räumt Volker Heitz ein. „Es ist alles eine Frage des Preises.“ Der Landwirt muss schauen, wie er auf seine Erträge kommt, denn die Preise für fast alle Feldfrüchte sind unter dem Druck des Weltmarktes auf Talfahrt. „Mit der neuen EU-Agrarpolitik gibt es einen Hebel, der Soja wieder besser ins Spiel bringt“, erklärt Soja-Anbauer Bernhard Irion. Seit dem Jahr 2015 müssen Bauern „Greening“-Pflichten erfüllen. Fünf Prozent ihrer Fläche müssen sie als „ökologische Vorrangflächen“ ausweisen. Anstatt Blumen oder Gras anzupflanzen ist es allemal besser, Soja zu nehmen, die Pflanze darf mit dem Faktor 0,7 für das Greening berechnet werden und bringt Geld. Wer Soja biologisch anbaut, kann Fördermittel aus dem Landesförderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl für Fruchtartendiversifizierung beantragen.

80 Prozent der Produktion werden zu Tierfutter

Soja ist die Grundlage für Tierfutter und vegetarische und vegane Lebensmittel. 80 Prozent der deutschen Soja-Produktion geht als – zum Teil getoasteter - Schrot in Tierfutter. Das Lebensmittel Tofu (auch Bohnenquark genannt) wird aus Sojabohnenteig hergestellt, das Verfahren ähnelt der Käseproduktion. Das geschmacksneutrale Tofu wird pikant gewürzt oder gesüßt zu Lebensmitteln verarbeitet und hat in der asiatischen Küche eine lange Tradition und ist hierzulande seit Jahren auch für die vegetarische und vegane Küche ein Grundnahrungsmittel.

Soja wird weltweit auf mehr als 110 Millionen Hektar Land angebaut, das entspricht mehr als dem Dreifachen der Gesamtgröße von Deutschland. Die Erntemengen liegen bei fast 300 Millionen Tonnen pro Jahr. Die größten Produzenten und Exporteure sind die USA, Brasilien und Argentinien mit zusammen 85 Prozent Anteil am Weltmarkt. In Deutschland wird derzeit auf über 17 500 Hektar Ackerland Soja angebaut, vorwiegend in Bayern (7200 Hektar) und Baden-Württemberg (5900 Hektar). sie

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