Zu Recht erfolgreich: „The Masked Singer“ Wie unterhaltsam!

Ganz Deutschland rätselt: Wer ist der Grashüpfer? Jan Josef Liefers vielleicht? Foto: dpa
Ganz Deutschland rätselt: Wer ist der Grashüpfer? Jan Josef Liefers vielleicht? Foto: dpa

Alle reden über „The Masked Singer“, jeder will wissen, welcher Prominente hinter den Masken steckt. Pro Sieben feiert einen Riesenerfolg. Und das völlig zu Recht.

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Stuttgart - Ganz Deutschland „spricht“ oder „rätselt“, „lacht“ oder „leidet“ – zu diesen Worten greift der Boulevard regelmäßig, um Sendungen auf Teufel komm raus zu bewerben. Besonders „Bild“ und „Bunte“ jubeln Sendungen mit dem Verweis auf größtmögliche Diskussionsrunden ja gern so hoch, dass selbst billige TV-Unterhaltung zum nationalen Ereignis aufgeblasen wird. Nun aber spricht oder rätselt, lacht oder leidet scheinbar wirklich ein großer messbarer Anteil Deutschlands, wer hinter den Deckmänteln der Teilnehmer einer Fernsehshow steckt, die angetreten war, das Sommerloch von Pro Sieben zu füllen: „The Masked Singer“.

Weil davon mangels sichtbarer Belege vorab wenig zu ahnen war, erschien der Versuch, Prominente und solche, die es gerne wären, ulkig verkleidet in einen Gesangswettbewerb zu schicken, vor der ersten Livesendung als zu berechnend für größere Resonanz – von Relevanz ganz zu schweigen. Was zunächst nicht mehr als billigen Bombast versprach und eine Reihe Boulevardbewohner hinter den Masken vermuten ließ, zum Beispiel Luke Mock­ridge, Annemarie Carpendale und Matthias Steiner, wandelte sich vom – um beim Maskenspiel zu bleiben – hässlichen Entertainment-Entlein zum stolzen Show-Schwan.

Da ist Leidenschaft zu spüren

Vor dem Finale an diesem Donnerstag nämlich wurden hinter Oktopus, Schmetterling, Kakadu, Eichhörnchen und Panther ein sender- wie genreübergreifender Mix aus Lucy Diakovska, Susan Sideropoulos, Heinz Hönig, Markus Schenkenberg und Stefanie Hertel demaskiert. Und der jeweilige Enttarnungsprozess war so erfrischend, dass zumindest ganz Pro-Sieben-Deutschland zusehends davon unterhalten wurde. Die Einschaltquote tat etwas, das die Branche seit Jahren nur ausnahmsweise mal erlebt: Statt von Beginn an zu sinken, stieg sie Folge für Folge auf mittlerweile mehr als drei Millionen Zuschauer. Allein in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen dürfte der Anteil noch die 30 Prozent knacken. Ein Riesenerfolg. Und kein unverdienter.

Obwohl das Format zuvor selbstredend im Ausland erprobt worden war, sorgt der hiesige Mut, es live zu senden, schließlich oft für wirklich großes Entertainment. Gerade die Jury-Mitglieder Ruth Moschner und Collien Ulmen-Fernandes waren von einer so ersichtlichen Hingabe beim Erraten der unkenntlichen Prüflinge ergriffen, als ginge es für sie um mehr als die Genugtuung, richtiggelegen zu haben. Die gesamten gut zwei Stunden durchzieht bisweilen eine Leidenschaft, von der sich das öffentlich-rechtliche Unterhaltungsprogramm gern ein paar Scheiben an die LED-Wände kleben darf. Es macht schlichtweg Spaß, dieser Maskerade ­beizuwohnen.

Sprechen, rätseln, lachen

Nur Matthias Opdenhövels Moderation klingt manchmal so, als ob das ausgerechnet bei ihm nicht der Fall sei. Und der grenzenlos eitle und seichte Juror Max Giesinger bleibt eine Ausgeburt selbstverliebter Eigen-PR. Umso mehr verblüfft es, wie seine Mitstreiterinnen das Ruder dauernd Richtung glaubhafter Empathie herumreißen. Wer am vergangenen Dienstag im Finale von Jochen Schweizers Dauerwerbesendung „Der Traumjob“ erleben musste, mit welcher Inbrunst Privatsender wie Pro Sieben ihr Publikum sonst oft verachten, wird deshalb am Donnerstagabend fast zuvorkommend behandelt. Nüchtern betrachtet ist es dem allergrößten Teil Deutschlands wahrscheinlich herzlich egal, wer sich hinter Grashüpfer, Engel, Astronaut, Kudu und Monster verbirgt. Doch jene knapp vier Millionen Zuschauer, die dafür um 20.15 Uhr 130 Minuten Lebenszeit aufwenden, werden definitiv darüber sprechen, rätseln, lachen und vielleicht sogar ein bisschen leiden. Mehr kann Entertainment nicht wollen.




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