Die Müllproblematik auf dem Galgen ist ein Dauerbrenner. Sobald die Temperaturen im Frühling steigen, zieht es zahlreiche Besucher in die beliebte Naherholungszone oberhalb der Schillerstadt. Zurück bleiben jedoch allzu oft überquellende Mülleimer, verstreuter Unrat und achtlos weggeworfene Reste.
Was viele bereits als beinahe „normalen“ Zustand hinnehmen, wollen engagierte Bürger nicht länger akzeptieren. Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Wir sind Marbach“, die zuletzt mit ihrem Einsatz den Kinderfasching gerettet hatten, schlagen Alarm. Einer von ihnen ist Kai Münch, der sich bereits bei der Organisation des Faschings als treibende Kraft erwiesen hat.
Münch zeigt sich verärgert über die Zustände auf dem Galgen und fordert konkrete Maßnahmen. Ein Ansatz: geschlossene Mülleimer, die das Herausziehen von Abfällen verhindern sollen. Die Stadt hat deren Anschaffung bereits beschlossen, doch das reicht dem Marbacher nicht. Münch wirbt für ein langfristig angelegtes Patenschaftsprojekt. Seine Idee: Firmen, Schulen sowie Jugendliche aus dem Jugendhaus sollen gemeinsam Verantwortung für den Galgen übernehmen und aktiv an einer Aufwertung des Geländes mitwirken. „Man müsste die Menschen zusammenbringen.“
„Man muss es erst mit Liebe probieren.“
René Landschulz, ehrenamtlicher Müllsammler
Konkret denkt Kai Münch etwa an die in die Jahre gekommene Grillstelle mit ihrem Unterstand: „Der sieht aus, als ob er 200 Jahre alt wäre.“ Durch gemeinschaftliche Aktionen könnte der Ort nicht nur gepflegt, sondern auch sichtbar attraktiver gestaltet – und zugleich das Bewusstsein für einen respektvollen Umgang gestärkt werden.
Bürgermeister sieht die Probleme tiefer liegen
Doch Bürgermeister Jan Trost äußert Zweifel. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeige, dass neue Einrichtungen häufig Ziel von Vandalismus werden. Grundsätzlich begrüße er das Engagement der Bürgerschaft ausdrücklich. Gleichzeitig verweist er auf ein tiefer liegendes Problem: „Die soziale Verwahrlosung der Nutzer solcher Anlagen nimmt weiter zu.“
Als Beispiele nennt er nicht nur die wiederholt beschädigten mobilen Toiletten auf dem Galgen, sondern auch die Verwüstungen im Außenbereich des Jugendhauses in Erdmannhausen. Schilder oder Appelle allein reichten hier nicht mehr aus. Trost fordert vielmehr eine stärkere Präsenz von Polizei und Ordnungskräften – und sieht dabei vor allem das Land in der Pflicht.
Auch aus der Bürgerschaft kommen unterschiedliche Vorschläge. Kai Münch bringt die Idee einer digitalen Meldetafel ins Spiel. Über QR-Codes könnten Besucher Vandalismus dokumentieren und direkt an die zuständigen Stellen melden. Doch selbst Münch räumt ein, dass dies Konfliktpotenzial birgt – etwa wenn Personen auf Fotos zu erkennen sind oder es vor Ort zu Auseinandersetzungen kommt. Datenschutzrechtlich wäre ein solches Modell ebenfalls sensibel.
Ein Müllsammler beseitige den Unrat in 15 Minuten
Einen anderen Ansatz verfolgt René Landschulz, der eine inzwischen rund 160 Mitglieder starke Gruppe ehrenamtlicher Müllsammler koordiniert. Statt auf Kontrolle setzt er auf Dialog: „Man muss es erst mit Liebe probieren“, sagt er. Direkte Gespräche mit Jugendlichen vor Ort könnten mehr bewirken als Drohungen oder Sanktionen. Gemeinsam mit der Grünen-Stadträtin Susanne Wichmann hat er zudem ein Konzept zur besseren Mülltrennung erarbeitet. Ein zentraler Punkt: die konsequente Trennung von Glas, um die Zahl gefährlicher Scherben zu reduzieren.
Dass Engagement Wirkung zeigen kann, beweist Landschulz selbst. Nach den jüngsten Verschmutzungen war er kurzerhand ausgerückt und räumte den Platz in nur 15 Minuten auf. Ein Aufwand, den er persönlich als vertretbar empfindet. Dennoch ist für ihn klar: Langfristig kann die Lösung nicht allein im freiwilligen Einsatz liegen. Er hofft aber, dass er aus seiner Müllsammel-Gruppe Mitstreiter gewinnt, die auf dem Galgen auf die Nutzer behutsam einwirken.
Die Frage bleibt: Sind die Probleme auf dem Galgen unlösbar – oder fehlt es bislang nur am richtigen Zusammenspiel von Prävention, Kontrolle und bürgerschaftlichem Engagement?