Das Weihnachtshaus in Erdmannhausen hat sich zu einer Institution entwickelt. Doch der große Besucherandrang macht den Veranstaltern zu schaffen. Foto: Werner Kuhnle
Das Weihnachtshaus in Erdmannhausen (Kreis Ludwigsburg) wurde vergangenes Jahr förmlich überrannt, die Veranstalter wurden dem Andrang kaum Herr. Nun sollen Lösungen erarbeitet werden.
Mit einem Video in den sozialen Medien erregte Sybille Niehues-Zimmermann einen Tag vor Weihnachten Aufsehen. Von „ganz großen Problemen“ sprach sie, mit denen ihr Weihnachtshaus in Erdmannhausen konfrontiert sei. „Bitte, bitte haltet die Parkverbotsschilder ein. Wenn wir die Verkehrssituation nicht in den Griff bekommen, zahlen wir jeden Tag Strafe – dann bleibt uns nichts anderes übrig, als das Weihnachtshaus zu schließen.“
Nun müssen fürs Falschparken natürlich zunächst die Fahrer selbst aufkommen. Doch vom Ordnungsamt erging tatsächlich die Anweisung, dafür zu sorgen, dass die bestehenden Parkverbote eingehalten werden. Doch nicht nur das: Auch das Essen ging teilweise aus. „Bei so vielen Besuchern können wir das nicht mehr leisten“, schrieb Familie Niehues-Zimmermann kurz vor dem Fest. Wächst ihnen das Weihnachtshaus langsam über den Kopf?
Chaotische Szenen auf vielbefahrener Straße
An besucherstarken Wochenenden im Advent seien schon mal 500 Gäste an einem Abend dagewesen, schätzt Niehues-Zimmermann. Von dem enormen Besucherandrang in diesem Jahr waren sie und ihr Mann „sehr überrascht, weil wir nichts dafür getan haben. Wir haben keinerlei Werbung gemacht und wir haben es auch nicht forciert, da wir mit dem Besucherergebnis des letzten Jahres eigentlich zufrieden waren. Aber wir hatten Menschen hier, die es in TikTok, Instagram und sonst wo gepostet haben.“ Dadurch seien mehr Menschen als sonst gekommen.
Gestartet mit einer kleinen Dekoration ist das Weihnachtshaus in den vergangenen 14 Jahren stetig gewachsen. Foto: Werner Kuhnle
An und für sich wäre das ja noch gar nicht so schlimm. Doch das Weihnachtshaus liegt in einer Querstraße zur vielbefahrenen Riedstraße, die wie eine Art Ortsumfahrung genutzt wird. Um den Verkehr dort nicht zu beeinträchtigen, wurden Halteverbotszonen ausgewiesen – an die halten sich zahlreiche Gäste des Weihnachtshauses aber nicht.
Das führte zu teils chaotischen Situationen, wie Verena Fischer vom Ordnungsamt der Gemeinde Erdmannhausen schildert. „Die Besucher des Weihnachtshauses ignorieren das Halteverbot. Wenn der Gemeindevollzugsdienst vor Ort ist, stellen sie in wenigen Minuten zwölf Falschparker in einem sehr kurzen Halteverbotsbereich fest. Wir werden durch diese Kontrollen, die ja durch Steuergelder finanziert werden, der Situation nicht Herr.“ Deswegen habe das Ordnungsamt die Familie Niehues-Zimmermann verpflichtet, bei der Einhaltung der Parkverbote mitzuwirken.
Kapazitätsgrenze ist erreicht
Auch Bürgermeister Marcus Kohler sieht die Veranstalter in der Pflicht: „Stellen Sie sich mal vor, da passiert etwas und Krankenwagen und Feuerwehr kommen nicht durch – die Verantwortung tragen wir als Gemeinde nicht.“ Letztlich liege es aber auch an den Gästen. „Die Erfahrung im kommunalen Bereich zeigt: Die Menschen parken immer am liebsten vor der Haustür – Hauptsache, sie müssen nicht zu weit laufen.“
Das Weihnachtshaus begann vor 14 Jahren mit einer kleinen Dekoration und wuchs in den vergangenen Jahren stetig an – auch was den Zeitraum betrifft: War es früher nur zur Adventszeit geöffnet, läuft es nun von Mitte November bis Anfang Januar. „Das Weihnachtshaus ist über einen wirklich langen Zeitraum mit vielen Kompromissen von uns genehmigt. Die Familie Niehues-Zimmermann hat da so viel Leidenschaft, aber ich glaube schon, dass langsam Kapazitätsgrenzen erreicht sind“, sagt Kohler.
Vom Bürgermeister kommt Rückendeckung
Nach dem Ende der diesjährigen Weihnachtshaus-Saison kam es nun zu einem Treffen zwischen der Familie Niehues-Zimmermann und Bürgermeister Kohler. Das Gespräch sei positiv verlaufen, berichtet Sybille Niehues-Zimmermann: „Herr Kohler steht nach wie vor hinter uns und bemüht sich, gemeinsam mit uns Lösungen für das Parkplatzproblem zu finden.“ In dem Gespräch seien konkret drei Ideen besprochen worden.
Zum einen sollen mehr Firmen im Gewerbegebiet gefunden werden, die abends ihre Parkplätze für die Gäste des Weihnachtshauses zur Verfügung stellen. Dann soll die bereits bestehende Parkwiese in unmittelbarer Nähe so bearbeitet werden, dass sie auch bei Schnee und Matsch benutzbar ist – das war im vergangenen Jahr nicht der Fall. Und zu guter Letzt soll ein Parkplatz der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, der dann mit einem Art Shuttle-Bus das Weihnachtshaus bedient.
An allen drei Ideen arbeite man nun gemeinsam, bekräftigt Niehues-Zimmermann. Was aber schon jetzt feststeht: Das Weihnachtshaus wird es auch im kommenden Winter geben. „Das wird wieder stattfinden – und wir werden bestimmt Lösungen für das Parkplatzproblem finden.“