Zu wenig WCs in Stuttgart Stadt will Bedarf an öffentlichen Toiletten erheben

Die neueste geschaffene öffentliche Toilette in Bad Cannstatt am Seilerwasen Foto: Iris Frey

Stuttgart investiert mehr als acht Millionen Euro in die Modernisierung seiner WC. Zugleich will die Verwaltung weitere Anlagen bauen.

Lokales: Iris Frey (if)

Gerade im Sommer, wenn es heiß ist, stinkt es so manchem geruchsempfindlichen Bürger ganz besonders. Die Rede ist vom Wildpinkeln. Zuletzt gab es damit größere Probleme in der inzwischen geschlossenen Passage des leer stehenden Kaufhaus-Gebäudes in Bad Cannstatt. In der Damentoilette im Historischen Rathaus wird über Schmutz und einen fehlenden Abfalleimer geklagt.

 

Beschwerden über Wildpinkler landen bei der Stadt beim Ordnungsamt, dem Umweltamt oder dem städtischen Vollzugsdienst, wie Andrea Schlepper vom Amt für Abfallwirtschaft (AWS) berichtet.

Uringestank gab es ihren Angaben zufolge in der Vergangenheit an Hotspots der Freiluftvergnügungsszene wie Marienplatz und dem Feuersee. „Mit dem Aufstellen zusätzlicher mobiler Toiletten durch die AWS in der Sommerzeit konnten die Belästigungen stark reduziert werden.“ Auf den Abmarschwegen von großen Veranstaltungen, wie etwa auf dem Wasen, bleibe das Problem jedoch erhalten. Auch hat die Stadt oft mit Zerstörungswut bei den öffentlichen WC zu kämpfen: „Der Vandalismus bei Toilettenanlagen ist gleichbleibend hoch, vor allem durch Graffiti“, sagt Schlepper. Der Aufwand für die Beseitigung des Schadens werde derzeit nicht gesondert erfasst. In den letzten Jahren wurden etwa auf dem Festplatz in Hofen und an der Toilettenanlage am Uffkirchhof zerstörungssichere Anlagen eingebaut.

Vandalismus ist gleichbleibend hoch

Der Bedarf an öffentlichen Toiletten in Stuttgart wird nun konkret erhoben. Die AWS, so Schlepper, plant eine Untersuchung, ob und wo zusätzliche Toilettenanlagen im Stadtgebiet erforderlich und möglich sind.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse werde der Gemeinderat entscheiden, welche Anlagen gebaut werden. Beim Blick auf die interaktive Karte der Stadt Stuttgart fallen Stadtteile wie Münster, Freiberg, Mönchfeld, Rot, Neugereut, Steinhaldenfeld, Birkach und Möhringen ohne öffentliches WC auf.

In Stuttgarts größtem Stadtbezirk, Bad Cannstatt, befinden sich derzeit fünf öffentliche Toilettenanlagen, zwei Automatikanlagen und drei konventionelle Anlagen. Das neueste WC ist am Seilerwasen. Das war zuletzt noch wegen der S-21-Baustelle gesperrt. Die AWS konzentriert sich derzeit noch auf Modernisierungen der öffentlichen Toilettenanlagen: Bis zum Jahr 2025 werden alle 27 Automatikanlagen durch neue, behindertengerechte Anlagen ersetzt. Die AWS investiert dafür 8,1 Millionen Euro in Stuttgart. Danach könne dann mit dem Bau zusätzlicher Toiletten begonnen werden, so Schlepper. Zeitlich soll die geplante Toilette an der Egelseer Heide in Rotenberg vorgezogen werden.

Derzeit Modernisierungen von Toiletten

Bei drängenden Problemen hilft auch die „nette Toilette“ in Geschäften und in Gastronomiebetrieben. Diese ist nicht von den AWS angeboten und organisiert.

Nette Toilette in Gaststätten und Einzelhandel

Eingerichtet wurde sie in Stuttgart auf Initiative des Stadtseniorenrates, wie Renate Krausnick-Horst, Vorsitzende des Vereins, erläutert. „Vor etwa zehn Jahren hatten wir der Stadt vorgeschlagen, sich dem Projekt ‚Nette Toilette’ anzuschließen und dieser Beschluss ist dann auch vom Gemeinderat so akzeptiert worden.“ Gaststätten und Einzelhändler können mitmachen und sie für die Kunden unter dem Stichwort kenntlich machen. Das Land Baden-Württemberg stellt 200 000 Euro für die Einrichtung von „Toiletten für alle“ bereit, die auch behindertengerecht sind.

Nette Toilette Über alle Standorte der Netten Toiletten mit Ausstattung informiert eine kostenlose App. Ebenso gibt es online eine Auflistung dieser Betriebe unter dem Link: http://www.die-nette-toilette.de/index.html Öffentliche WC. Eine Karte über die aktuellen öffentlichen Toiletten in Stuttgart gibt es im Internet unter: www.stuttgart.de/service. Toiletten für alle plant das Land Baden-Württemberg an 18 Standorten, davon acht in Stuttgart. Infos unter: www.toiletten-fuer-alle-bw.de.

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