Azize Bozkurt backt im Grillhaus Bagtas in Mettingen derzeit ein Blech Baklava nach dem anderen. Foto: Roberto Bulgrin
Nach der Fastenzeit folgt im Islam das Zuckerfest. Im Mittelpunkt dabei: Süßspeisen wie Baklava und Künefe. Eine Gastronomin aus Esslingen verrät, wie sie die zuckrigen Köstlichkeiten zubereitet.
Zum Ende des Ramadans läuft die Baklava-Produktion im Esslinger Grillhaus Bagtas auf Hochtouren. Gläubige Musliminnen und Muslime begehen den Abschluss des heiligen Monats ihrer Religion mit dem sogenannten Zuckerfest. Dabei ist der Name Programm: Gefeiert wird mit Süßspeisen.
Für Azize Bozkurt bedeutet das derzeit viel Arbeit. Die 44-Jährige ist im Grillhaus Bagtas im Stadtteil Mettingen für das Gebäck verantwortlich. Neben frischem Brot gehören dazu vor allem türkische und arabische Desserts. Die sind zum Fest des Fastenbrechens besonders nachgefragt. „Ich stehe zwei bis drei Tage lang in der Küche, um die Bestellungen fertig zu bekommen“, sagt Bozkurt.
Schließlich ist zum Beispiel die Baklava – die hierzulande wohl bekannteste Süßspeise der arabischen und der türkischen Küche – aufwendig in der Herstellung. Bozkurt erzählt, sie lege dafür wieder und wieder ausgerollten Teig übereinander. 25 Schichten sind es zunächst. In der Mitte verstreicht sie eine selbstgemachte Creme aus Milch, Mehl, Speisestärke und Butter sowie Pistazien, bevor weitere 28 Schichten Blätterteig folgen. Das Ganze wird mit mehreren Gläsern geschmolzener Butter übergossen und kommt in den Ofen. Zum Schluss überzieht sie die kleinen, aber gehaltvollen Häppchen noch mit Zuckersirup.
Normalerweise backt Bozkurt rund vier Bleche Baklava pro Woche. Vor dem Zuckerfest dürften es aber deutlich mehr werden. „Zum Glück bekomme ich Hilfe von meiner Schwester“, sagt Bozkurt. Die in der Türkei lebende Schwester ist zu Besuch in Deutschland, um der Hochzeit von Bozkurts Tochter Ayrisa Yildirim beizuwohnen. Der gehört das Grillhaus Bagtas, in dem die Mutter arbeitet. Die gelernte Gastronomie-Fachfrau Bozkurt sagt, sie habe erst im Restaurant ihrer Tochter das Backen im großen Stil so richtig für sich entdeckt.
Baklava im Stil von Dubai-Schokolade läuft mittelmäßig
Neben Baklava bereitet sie vor allem türkischen Milchreis und Künefe zu. Das ist ein in einer runden Form serviertes Dessert aus Butter, Sirup, Mozzarella – und viel Engelshaar. Die süßen Teigfäden werden auch für die populäre Dubai-Schokolade verwendet. Bozkurt erzählt, sie habe angesichts des Hypes im vergangenen Jahr eine „Dubai-Baklava“ mit einer selbst kreierten Mischung ausprobiert. Die habe sich allerdings nur mittelmäßig verkauft.
Künefe besteht zu einem Großteil aus Engelshaar. Foto: Roberto Bulgrin
Ohnehin arbeitet sie am liebsten mit Gemüse. Ihr Favorit ist Kabak. Dabei handelt es sich um einen Kürbis, der stundenlang in Zuckersirup köchelt und am Ende außen knusprig, aber innen weich wird. Im Sommer und Herbst wendet Bozkurt diese Art auch auf saisonales Gemüse wie Aubergine und Tomate an. Bei ihren Desserts experimentiert sie gerne.
Süßspeisen wichtig im Islam
Grundsätzlich komme Süßem in der muslimischen Kultur eine wichtige Bedeutung zu, sagt Basil Javid. Der 23-Jährige ist angehender Imam der Ahmadiyya-Gemeinschaft, die ihre Wurzeln in Südasien hat und sich als Reformbewegung innerhalb des Islams versteht. Zu glücklichen Anlässen verteile man in seiner Religion Süßspeisen, sagt Javid. „Als Ausdruck der Freude.“ Während des Zuckerfests gelte dies erst recht. „Man feiert dabei, dass man die 30 Fastentage davor gut überstanden hat.“
Der Ursprung dieser Tradition geht auf die Hadith, die Überlieferung über den Propheten Mohammad, zurück. „Mohammad hat gesagt, wer im Ramadan mit Vollkommenheit fastet, dem werden die Sünden vergeben“, erklärt Javid. Der gebürtige Waiblinger, der zum Studieren nach Frankfurt zog, ist aktuell für die Esslinger Ahmadiyya-Gemeinde eingeteilt. Die feiert das Zuckerfest mit einer Veranstaltung am kommenden Montag, 31. März.
Ahmadiyya-Gemeinde feiert Zuckerfest
Sajad Butt, der Gemeindevorsitzende, hebt den sozialen Aspekt des Ramadans hervor. „Diese Zeit soll diejenigen, die dazu in der Lage sind, dazu bewegen, anderen Menschen zu helfen.“ Auch in seiner Gemeinde in Esslingen gebe es viele Menschen mit schwierigen Lebensumständen, darunter einige Geflüchtete. „Denen hilft es, wenn sie darin einen Anker finden“, sagt Butt über Zusammenkünfte wie das gemeinsame Zuckerfest. Da die Gemeinde zuletzt stark gewachsen sei, denkt er sogar darüber nach, das Treffen an einen Ort mit mehr Platz zu verlegen.
Unabhängig von den Räumlichkeiten beginnt das Ahmadiyya-Zuckerfest in Esslingen aber um 10 Uhr mit einem gemeinsamen Gebet. Anschließend folgt eine kurze Ansprache. „Wir machen die immer auf Deutsch“, sagt Butt. Danach ist der Moment gekommen, dem das Fest seinen deutschen Namen verdankt und für den Azize Bozkurt zahlreiche Stunden in der Küche verbracht hat: Die Süßspeisen werden ausgegeben.
Das Fest des Fastenbrechens
Name Der verbreitetste Begriff für die Feierlichkeiten zum Ende des Ramadans ist „Fest des Fastenbrechens“ (arabisch: Eid al-Fitr). In der türkischen Kultur wird es jedoch häufig auch als Zuckerfest (türkisch: Şeker Bayramı) bezeichnet. Es ist nach dem Opferfest das zweithöchste islamische Fest.
Zeit Höhepunkt des Festes des Fastenbrechens ist der erste Tag, der nach dem Neumond zum Ende des Ramadans beginnt. Je nachdem, an welchem Land man sich orientiert, unterscheidet sich das genaue Datum. Während viele muslimische Gemeinden in diesem Jahr am Sonntag, 30. März, feiern, endet der Ramadan bei der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland einen Tag später.