Zuckerrübenanbauer sind in Sorge Rübenmotte ist auf dem Vormarsch

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Trockene Sommer bringen die Rübenbauern im Südwesten in Not. Schädlinge, gegen die kein Kraut gewachsen ist, breiten sich aus.

Trockene Sommer und Schädlinge setzen den Zuckerrüben zu. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Trockene Sommer und Schädlinge setzen den Zuckerrüben zu. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Heilbronn - Auf Feldwegen in der Nähe von Rübenäckern kann man es zurzeit wimmeln sehen. Kleine Raupen kriechen über den Boden. Wer die Tierchen fürsorglich, damit sie nicht überfahren werden, wieder an den Feldrand setzt, macht sich im Zweifel beim Landwirt unbeliebt. Denn die Rübenmotte ist wegen der vergangenen beiden trockenen Sommer auf dem Vormarsch.

Gegen das Tier ist ebenso wenig ein Kraut gewachsen wie gegen die Schilf-Glasflügelzikade, der die warmen Monate sehr zupasskommen: Die Rübenmotte frisst sich in die Pflanze hinein, sodass es sie nicht trifft, wenn irgendwelche Gifte gespritzt werden. Auch die Zikade geht in Deckung vor Sprühangriffen der Bauern: Sie setzt sich unter die Pflanze und saugt sie aus. Das allein schadet der Rübe nicht, allerdings überträgt die Zikade eine Krankheit, die bewirkt, dass der Zuckergehalt der Rübe deutlich niedriger ist als üblich. In beiden Fällen würden sogenannte Neonikotinoide helfen, deren Einsatz aber hierzulande verboten ist.

Die Wärme verschärft das Problem

„Wir sind wie vor den Kopf gestoßen“, sagt Julian Müller, der Geschäftsführer des Verbands baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer mit Sitz in Heilbronn, in dem etwa 2500 Landwirte organisiert sind. Wenn es im nächsten Jahr wieder so warm werde, sagt Müller, werde sich das Problem mit beiden Schädlingen immer weiter verschärfen.

In den Jahren 2009 und 2012 seien in Frankreich die ersten Befälle mit Schilf-Glasflügelzikaden gemeldet worden, dann erst wieder im vorigen Jahr im Heilbronner Raum. In diesem Jahr seien die Gegenden um Herrenberg, Stuttgart, Ludwigsburg, Heilbronn, der Kraichgau, aber auch die Ulmer Gegend und der Rheingraben von den Schädlingen betroffen. Auch in der Schweiz, erzählt Julian Müller, kämpften die Rübenbauern mit dem Problem. Der Verband ist auf der Suche nach Lösungen. Vor einem Jahr startete er erste Feldversuche, ob eine veränderte Fruchtfolge den Schädlingsbefall eindämmen könnte oder ob sich bestimmte Sorten als resistenter erweisen als andere. Aber damit steht man noch am Anfang, „wir können bisher nur Tendenzen aufzeigen“, erklärt der Geschäftsführer.

Die Konkurrenz sitzt in Brasilien und in Indien

Es seien insgesamt schwierige Zeiten für die Rübenbauern, klagt Müller. Seit die europäische Marktordnung vor zwei Jahren weggefallen ist und die Bauern in Konkurrenz stehen zu – von deren Heimatstaaten subventionierten – Lieferanten aus Brasilien und Indien, befinden sich die Rübenpreise auf einem Sturzflug. 2013 bekam ein Landwirt noch 750 Euro pro Tonne, kurz bevor die Marktordnung mit Festpreisen aufgelöst wurde, gab es laut Müller noch 500 Euro. Heute sind es nur noch knapp 300 Euro, „da kann man nicht mehr kostendeckend arbeiten“.

Die Probleme landen auch bei der Südzucker AG mit Sitz in Mannheim an. Die schlechte Rübenernte im vorigen Jahr habe im Bereich Zucker zu weiteren Umsatzeinbußen und deshalb im ersten Halbjahr dieses Jahres zu einem operativen Verlust von 93 Millionen Euro geführt.

Die Gewinnerwartung ist nach unten korrigiert worden

Dies hatte zur Folge, dass der Konzern die Gewinnerwartung vor zwei Wochen nach unten korrigiert hat. Bei Südzucker rechnet man mit einem Konzernergebnis von 74 Millionen Euro gegenüber 139 Millionen Euro im Vorjahr. Nach der diesjährigen Kampagne sollen fünf Werke geschlossen werden, darunter zwei von neun Zuckerfabriken in Deutschland, in Brottewitz und Warburg.