Zuffenhausener Porsche-Museum Die Porsche-Geschichte beginnt im Jahr 1898

Im Porsche-Museum können die Besucher am Montag ein ganz besonderes Highlight bestaunen. Foto: dpa
Im Porsche-Museum können die Besucher am Montag ein ganz besonderes Highlight bestaunen. Foto: dpa

Am Montag kann man sich im Porsche-Museum das allererste Porsche-Modell ansehen. Der P1 wurde im vergangenen Herbst in einem Schuppen in Österreich wiederentdeckt. Dort stand er seit 1902 – völlig unberührt.

Digital Unit : Dominika Jaschek (dja)
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Zuffenhausen - Es herrscht eine aufgeregt-angespannte Stimmung im Porsche-Museum in Zuffenhausen. Zehn Männer kreisen in der Museumswerkstatt um eine Karosse, die auf den ersten Blick wie eine Kutsche aussieht. Einer von ihnen ist der Leiter des Historischen Archivs, Dieter Landenberger. „So etwas erlebt man nur einmal im Leben“, sagt er begeistert und ergänzt: „Die Geschichte von Porsche muss neu geschrieben werden.“

Denn das, was am Montag im Porsche-Museum in Zuffenhausen der Öffentlichkeit präsentiert wird und zukünftig einen besonderen Platz auf der Ausstellungsfläche einnehmen wird, ist ein außergewöhnliches Exponat, sagt Achim Stejskal, der Leiter des Museums: „Das ist das allererste Modell, das Ferdinand Porsche persönlich konstruiert und gebaut hat – im Jahre 1898.“ Zufällig wurde es im vergangenen Herbst in einem alten Schuppen in Österreich wieder entdeckt. Dort stand das Egger-Lohner-Elektromobil Modell C.2 Phaeton – kurz P 1 – seit dem Jahre 1902. Unbemerkt und unberührt.

Der P1 wird nur von Profis transportiert

Die Details der Wiederentdeckung des Modells wollen Stejskal und Landenberger nicht verraten. Was für sie zählt, ist, dass sie den P 1 nun in die Ausstellung aufnehmen können. Doch dazu muss der Ur-Porsche zunächst von der Werkstatt auf die Ausstellungsfläche transportiert werden, ein Stockwerk und enge Kurven gilt es zu überwinden. Eine leichte Angelegenheit ist das nämlich nicht: Der P1 besteht nicht nur aus dem Holzrahmen, sondern auch aus einem Elektromotor mit einer eingebauten Batterie, die alleine schon 300 Kilogramm wiegt. „Das Gesamtgewicht liegt bei etwa 800 Kilogramm“, sagt Landenberger. Der Weg aus der Werkstatt, in der das Modell in der vergangenen Woche aufbereitet wurde, hin zum Fahrstuhl ist für die acht Mitarbeiter der Transportfirma kein Problem. Sie sind geübt im Umgang mit teuren Autos, schon oft haben sie diverse Porsche-Modelle an ihren Bestimmungsort im Museum gebracht. „Mir persönlich sind allerdings die leichten Rennwagen lieber“, sagt ein Mitarbeiter und lacht.

Die erste Ecke meistern sie problemlos, Stejskal und Landenberger sind mittendrin im Geschehen und geben Kommandos. „Passt so, ihr könnt weiter kommen“, rufen sie den Männern im sonst stillen und leeren Museum zu. Nach etwa einer halben Stunde Transport quer durch das Museum stehen sie dann vor dem jadegrünen Glaspodest, auf das der P1 nun gehoben werden soll. „Wir lupfen das einfach hoch“, sagt der Chef. Dass sich 800 Kilogramm nicht einfach lupfen lassen, merken die acht Männer schnell. Bei einem so wertvollen Exponat (laut Landenberger von „unschätzbarem Wert“) ist Anpacken dann auch Chefsache: Stejskal und Landenberger legen ihre Jackets ab und hören auf das Kommando des Transport-Chefs: „Auf drei!“

Der Beginn der Porsche-Geschichte

Ob es die Knochen sind, die man knacken hört oder es doch nur die Luftpolsterfolie, auf die die Männer treten, als sie den P1 auf’s Podest heben, kann nicht mehr eindeutig unterschieden werden. Sicher ist: das Exponat knackt glücklicherweise nicht, denn das steht nach insgesamt anderthalb Stunde unfallfrei an Ort und Stelle. Sichtlich erleichtert, zufrieden und auch ein bisschen stolz schauen sich Stejskal und Landenberger das Ergebnis an. „Perfekt“, sind sie sich einig. Die wochenlang geplante Konstruktion passt, der P 1 ist ohne Kratzer am Bestimmungsort angekommen.

„Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass es als erstes Exponat zu sehen ist, wenn die Besucher auf der Ebene hier ankommen“, sagt Stejskal. Schließlich beginnt mit dem P 1 die Porsche-Geschichte. Früher als bisher angenommen.




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