Zuflucht für Frauen in Ludwigsburg Bund gibt kein Geld für zweites Frauenhaus

Das Konzept für das zweite Haus sieht vor, fünf bis sechs Apartments mit Platz für zehn bis 15 Frauen und Kinder einzurichten – mit Gemeinschaftsraum, Spielzimmer und Büros. Foto: /Simon Granville

Der Bund steigt nicht in die Finanzierung ein. Das Entsetzen und die Enttäuschung beim Verein Frauen für Frauen sind groß. Seit eineinhalb Jahren hatte man auf einen positiven Bescheid gehofft. Bedeutet das Nein das Aus für die Pläne?

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Mit einer Mischung aus Wut und Entsetzen reagiert Arezoo Shoaleh von Frauen für Frauen auf die Entscheidung in Berlin. Seit eineinhalb Jahren hofft der Verein auf grünes Licht für das im Mai 2022 beantragte Fördergeld aus dem Bundesprogramm „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“ für ein zweites Frauenhaus in Ludwigsburg . Seit eineinhalb Jahren tut sich nichts.

 

Vergangene Woche noch hatte Shoaleh täglich auf eine Entscheidung gedrängt. „Ich habe jeden Tag angerufen und deutlich gemacht, dass wir endlich eine Nachricht brauchen“, sagt die Ludwigsburgerin. Jetzt hat sie es schriftlich: Ludwigsburg geht leer aus.

Die Begründung für das Nein muss in den Ohren der engagierten Vereinsmitglieder wie blanker Hohn klingen: Das Förderprogramm, das Ende Dezember 2024 ausläuft, habe bisher große Resonanz erfahren, doch nicht alle Anfragen könnten gefördert werden. Berücksichtigt würden nur Projekte, die bis Ende 2024 umsetzbar seien. Eine Fertigstellung des Vorhabens in der Barockstadt sei jedoch in diesem Zeitrahmen nicht möglich. Unter anderem wegen der „geringen baufachlichen Planungstiefe“ und aufgrund des Zustands des Gebäudes beziehungsweise eines hohen „Bausubstanzrisikos“. Es sei mit einer Projektlaufzeit von mindestens 24 Monaten zu rechnen, heißt es in dem ministeriellen Schreiben aus Berlin.

Grünes Licht hätte gegeben werden können, wenn Drittmittel zur Verfügung stünden, doch diese seien der Bundesservicestelle nicht mitgeteilt worden. Man hoffe, dass der Verein sein Vorhaben dennoch realisiere und verweise auf diverse Förderprogramme des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Arezoo Shoaleh ist fassungslos. Der Besitzer der Immobilie, die für ein Frauenhaus auch aufgrund der Lage ideal sei, halte diese seit 2022 frei. Das Bundesministerium habe den Antrag ein Jahr lang liegen lassen. „Das Ministerium hat versagt, nicht wir haben versagt“, schimpft Shoaleh. Noch im Juli hatte die pädagogische Leiterin des Vereins Frauen für Frauen im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, man könne trotz der vielen verflossenen Zeit den Umbau schaffen, wenn spätestens im Juli eine Antwort komme. Und das hatte der Verein auch gegenüber dem Familienministerium mehrfach zum Ausdruck gebracht. Ohne Wirkung.

Auch Ludwigsburgs OB Matthias Knecht hatte sich eingeschaltet und an die Bundesfamilienministerin geschrieben. Die Unklarheit sei für ihn nicht weiter hinnehmbar. Es brauche endlich Klarheit. Mit 19 Frauenhausplätzen für einen 545 000-Einwohner-Kreis bleibe man weit hinter den Forderungen der Istanbul-Konvention zurück, aber auch hinter den Angeboten benachbarter Landkreise. Genutzt hat es alles nichts.

Doch trotz aller Wut und Enttäuschung: Aufgeben ist keine Option, für Arezoo Shoaleh. Man werde mit dem Vermieter ins Gespräch gehen ebenso wie mit dem Landrat. „Denn über den Bedarf weiterer Plätze gibt es einen breiten Konsens.“

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