Zufriedene Mienen in Leonberg Allen Krisen zum Trotz: Bei der Volksbank läuft’s gut
Die Genossenschaftsbanker zwischen Korntal-Münchingen und Renningen verzeichnen fast überall Zuwächse. Trotzdem bleiben die Chefs vorsichtig.
Die Genossenschaftsbanker zwischen Korntal-Münchingen und Renningen verzeichnen fast überall Zuwächse. Trotzdem bleiben die Chefs vorsichtig.
Keine Frage: Den Krieg am persischen Golf brauche niemand, auch die Wirtschaft sicher nicht. Doch Jürgen Held will nicht immer „die gleiche Platte laufen lassen.“ Was der Vorstandschef der Volksbank Leonberg-Strohgäu damit meint: Klagen ergebe keinen Sinn. Und die genossenschaftlicher Banker zwischen Korntal-Münchingen und Renningen müssen das auch nicht. Held und sein Vorstandskollege Wolfgang Ernst beschreiben die eigene Geschäftslage als „robust, widerstandsfähig und gut aufgestellt“. Oder in Zahlen ausgedrückt: Im Geschäftsjahr 2025 verzeichnete das regionale Kreditinstitut einen Jahresüberschuss von 1,24 Millionen Euro, ein Plus von 13,8 Prozent.
Basis für den Erfolg sind ein Zinsüberschuss von 28 Millionen Euro und ein erneut gesteigertes Provisionsergebnis. Von den gut laufenden Geschäften sollen auch die Mitglieder der Genossenschaftsbank profitieren. Mehr als 32000 Mitglieder hat die Volksbank Leonberg Strohgäu. Damit ist mehr als jeder zweite der rund 57 000 Kunden gleichzeitig Teilhaber. Und die können sich jetzt auf eine Anhebung der Dividende von bisher 3 auf 3,5 Prozent freuen.
Hoch geht es zudem bei den bilanziellen Einlagen zu, die um 6,2 Prozent, das sind 95 Millionen Euro, zugenommen haben. Selbstbewusst betonen Held und Ernst, dass das eigene Haus damit „deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Volks- und Raiffeisenbanken“ liege. Dabei gehe der Trend zu renditestärkeren Anlageformen, etwa in Fonds. Die Anleger müssten nur Geduld haben: „Auf lange Sicht sind die Anlagen sehr rentabel“, sagt Held und meint damit einen Zeitraum von rund zehn Jahren.
Als weiteren Pluspunkt nennt der Vorstandsvorsitzende die Kreditvergabe an Firmenkunden und für Wohnbaufinanzierungen, die gegenüber 2024 mit einem Volumen von gut 202 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Jürgen Held weiß, dass gerade im Mittelstand „die Auftragsbücher nicht mehr so voll sind“. Viele Unternehmen würden aber noch von den guten vergangenen zehn Jahren zehren. Grundsätzlich gelte: „Es gibt da weder schwarz noch weiß.“
Einen Aufwärtstendenz verzeichnen die Genossenschaftsbanker beim Wohnbau und dem Immobilienhandel. „Bei der Baufinanzierung ist die Nachfrage gestiegen“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Ernst, „aber mit Beginn des Iran-Kriegs auch gleich wieder gesunken.“ Grundsätzlich sei man gleichwohl vorsichtig optimistisch.
Die Volksbank tritt ähnlich wie die Kreissparkasse auch selbst als Bauherrin auf. In Leonberg-Eltingen wurden im vergangenen Jahr auf dem Gelände der früheren Zweigstelle in der Bergstraße zwei Wohnhäuser mit insgesamt 19 Wohnungen unterschiedlicher Größe fertiggestellt. Die ersten Mieter sind im Dezember eingezogen. Vor wenigen Tagen wurde an gleicher Stelle ein Bankomat in Betrieb genommen.
Dem Konflikt zwischen einer digitalaffinen jungen Zielgruppe und den Traditionskunden begegnen die Genossenschaftsbanker mit einer Dreifachstrategie: „Mit unserer Banking-App brauchen wir uns nicht zu verstecken“, sagt Held mit Blick auf ein jüngeres Publikum. Filialen mit Personal gibt es nach wie vor in Leonberg, Ditzingen, Renningen, Gerlingen, Rutesheim, Münchingen und Mönsheim.
Darüber hinaus bietet die Volksbank seit dem vergangenen Herbst Videoservice-Stellen in Flacht, Heimerdingen, Heimsheim und Höfingen an. Dort können die Kunden in der Zeit von 8.30 bis 18 Uhr, ähnlich einer Videokonferenz, mit einem Berater sprechen. „Das ist wie im persönlichen Gespräch“, sagt Wolfgang Ernst. „Nur das Händeschütteln geht nicht.“ Und wer lieber von zuhause aus Kontakt haben möchte: Auch telefonisch können Bankgeschäfte erledigt werden. Das 15-köpfige Team für die Videoberatung sitzt in Ditzingen.
Apropos Ditzingen: Dass sich Volksbanken Leonberg und Strohgäu vor knapp sechs Jahren zusammengeschlossen haben, bezeichnet Jürgen Held „also absolute richtige Entscheidung“. Alles sei so eingetroffen, „wie wir uns das erhofft haben“. Auch die Finger von einer Groß-Volksbank zu lassen, die von Reutlingen bis nach Leonberg gereicht hätte, sei richtig gewesen: „Mit unserer jetzigen Größe fühlen wir uns sehr wohl. Wir brauchen keine Konzernstrukturen.“