Zug und S-Bahn Warum der Nahverkehr ausgebremst wird

Idyllische Fahrt durchs Remstal? Viele Bahnkunden haben längere Ausblicke auf die Umgebung, als ihnen lieb ist – weil es oft nur langsam vorangeht. Foto: Gottfried Stoppel

Wer auf Zug und S-Bahn angewiesen ist, braucht zunehmend Geduld und Nerven. Nicht nur Baustellen und Personalengpässe lösen Verzögerungen aus. Personen- und Güterzüge bremsen sich auf der Remsbahn auch gegenseitig aus.

Zweieinhalb Stunden statt 40 Minuten – so lange dauerte die Bahnfahrt von Schwäbisch Gmünd nach Fellbach am vorigen Donnerstagmorgen. Noch vor seiner Abfahrt in Aalen musste der Metropolexpress nach Stuttgart einen mit Kies beladenen Güterzug vorbeifahren lassen. Vor dem Bahnhof Lorch kam der Personenzug dann knapp eine halbe Stunde lang zum Stehen.

 

Was die Fahrgäste besonders ärgerte: Durchsagen des Zugpersonals, wann die Fahrt fortgesetzt wird, gab es keine. Erst als ein Gegenzug vorbeigerauscht war, konnte der Metropolexpress das Gleis wechseln und überholte dann in Lorch den erwähnten Güterzug. Nach wie vor im Schneckentempo ging weiter – offenbar aufgrund von Wartungsarbeiten am Bahnübergang in Urbach. Als der Zug bereits mit eineinhalb Stunden Verspätung Schorndorf erreichte, kam eine Durchsage, allerdings mit wenig erfreulichem Inhalt: „Dieser Zug fährt in wenigen Minuten zurück nach Aalen. Fahrgäste in Richtung Stuttgart steigen bitte in die folgenden Züge um.“ Entsprechend fluteten die Fahrgäste den Bahnsteig in Schorndorf, warteten dort aber vergeblich auf die angekündigten Anschlusszüge aus Aalen. Die bessere Alternative war die S-Bahnlinie 2, die bis zum Ziel allerdings einige Minuten länger brauchte.

Problem: Erkrankte Mitarbeiter

Fahrten wie diese sind keine Seltenheit auf der Remsbahn. Im August beispielsweise hatte es Schlagzeilen gegeben, weil ein Metropolexpress nach Stuttgart während des morgendlichen Berufsverkehrs einem langsameren Güterzug die Vorfahrt gewähren musste – um anschließend mit gedrosselter Geschwindigkeit ihm hinterher zu fahren. Die DB Netze, Inhaberin der Strecken, wollte aus „Datenschutz- und Wettbewerbsgründen“ keine konkreten Angaben zu diesem Vorgang machen. Allerdings könnte der Güterverkehr sogenannte Expresstrassen bestellen. Sprich: Der Nahverkehr muss sich hinten anstellen.

Auch aufgrund technischer Defekte oder wegen kurzfristigen Personalmangels ist es in den vergangenen Monaten verstärkt zu Zugausfällen gekommen. Weil zu viele Mitarbeiter krank waren, hat der Betreiber Go Ahead den Fahrplan während der Sommerferien kurzfristig reduziert.

Regelmäßige Bauarbeiten der DB sorgten für zusätzliche Einschränkungen. Anfang Juli wurde ein Gleis zwischen Remshalden-Grunbach und Schorndorf wegen „kurzfristiger Instandhaltungsarbeiten“ gesperrt. Später teilte die Bahn mit, dass vorsorglich alte Schwellen ausgetauscht wurden. Denn nach dem Unglück von Garmisch, als im Juni ein Zug von der Schiene gesprungen war und fünf Fahrgäste ums Leben kamen, hatte der DB Konzern ein „umfangreiches Inspektionsprogramm im gesamten Schienennetz“ gestartet. Rund 200 000 Schwellen eines bestimmten Typs wurden unter die Lupe genommen und bei Schäden ersetzt. Zumindest die Gefahr eines Unglücks wie in Garmisch scheint auf der Remsbahn vorerst gebannt zu sein. Doch es stehen die nächsten Bauarbeiten an, die seitens der DB bereits im März geplant wurden. Bei der Sanierung der Strecke zwischen Waiblingen und Weinstadt-Endersbach handelt es sich laut dem Konzern um „eine reguläre Gleiserneuerung, bei der Schienen, Schwellen und Schotter getauscht werden“. Bis zum 7. November wird die S2 überwiegend nur im 30-Minuten-Takt verkehren.

Was können Fahrgäste tun?

Aufgrund von Bahnsteigarbeiten in Kernen-Rommelshausen fallen vom 6. bis 15. Oktober auch zahlreiche Verbindungen von Go Ahead aus, IRE-Expresszüge zwischen Stuttgart und Aalen werden bis auf vier Fahrten komplett gestrichen. Denn statt zweien ist wie im Sommer nur ein Gleis befahrbar – auf dem sich dann S-Bahnen, Regional- und Fernzüge sowie Gütertransporte dann wieder einmal gegenseitig ausbremsen werden. So bleibt den Bahnkunden meist nur eine Alternative: Besser einen früheren Zug zur Arbeit zu nehmen und regelmäßig den Fahrplan zu checken.

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