Stammstreckensperrung, der MEX 13 wird ausgedünnt, Pendler bleiben zurück. Zwei Landtagsabgeordnete fordern Abhilfe beim Verkehrschaos.
Bad Cannstatt, Dienstagabend, Gleis 7. Was aussieht wie ein Menschenauflauf vor einem Popkonzert, ist Alltag für Berufspendler. Dicht an dicht stehen sie – mit Kinderwagen, Fahrrädern, Schulranzen oder einfach mit leerem Blick. Dann rollt der ersehnte Regionalzug ein.
Hoffnung keimt auf. Kurz. Denn schon beim Öffnen der Türen wird klar: Hier passt keiner mehr rein. Die Zugführerin bittet: „Einige Fahrgäste bitte wieder aussteigen – der Zug ist überfüllt.“ Ein absurdes Schauspiel wiederholt sich. Tag für Tag.
Zugausfälle im Rems-Murr-Kreis:CDU-Abgeordnete schlagen Alarm
Die Ursache: Seit dem 26. Juli ist die Stammstrecke der S-Bahn Stuttgart gesperrt. Betroffen: sämtliche Linien. Besonders hart trifft es jedoch die Rems- und Murrbahn – weil gleichzeitig am Bahnhof Bad Cannstatt gebaut wird. Die ohnehin knappe Infrastruktur ist überlastet. Kurzzüge ersetzen vollwertige Garnituren, Verbindungen fallen aus, Fahrpläne werden zusammengestrichen. „Wer den Fahrplan ausdünnt, darf nicht auch noch Züge kürzen“, poltern die örtlichen CDU-Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek (Winnenden) und Christian Gehring in einer Mitteilung. Mit Blick auf den Metropolexpress (MEX) 13, der zwischen Stuttgart und Aalen nur noch stündlich verkehrt, wird deutlich, warum der Frust wächst: In Plüderhausen oder Urbach, wo keine S-Bahnen halten, bleibt dieser Zug oft die einzige Option – und wird so zum Nadelöhr für Hunderte.
Direkte Beschwerde bei Arverio: CDU macht Druck auf Betreiber
In einem Schreiben vom 4. August an das Bahnunternehmen Go-Ahead/Arverio machen die beiden CDU-Politiker ihrem Ärger direkt Luft. Sie fordern unter anderem eine zeitnahe Rückkehr zur ursprünglich vereinbarten Zuglänge für den MEX 13, ein verlässliches Ersatzkonzept sowie eine bessere Kommunikation gegenüber den Fahrgästen.
Wörtlich heißt es: „Die wiederholten Reduktionen der Zugkapazität sind angesichts der bekannten Engpässe inakzeptabel.“ Das Verkehrsunternehmen solle nun klar benennen, ab wann die volle Kapazität wiederhergestellt werde und welche Maßnahmen zur Stabilisierung des Betriebs konkret ergriffen werden.
Pendlerfrust wächst: „Wir brauchen Verlässlichkeit, keine Experimente“
In einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung fordern die Abgeordneten nun auch politisch Auskunft. Acht Fragen, die ein Licht ins Dunkel bringen sollen: Wann wurden die Bauarbeiten bekanntgegeben? Welche Maßnahmen hat das Land getroffen, um den Engpass abzufedern? Welche Kapazitäten wurden bestellt, welche gestrichen? Und: Wie genau wurde die Öffentlichkeit informiert?
„Die Menschen vor Ort brauchen Verlässlichkeit, nicht Fahrplan-Experimente auf dem Rücken der Pendler“, sagen Lorek und Gehring – eine Forderung, die in den überfüllten Bahnsteigen von Bad Cannstatt nachhallt wie eine nicht enden wollende Durchsage.
Anzeigetafeln ersetzen keinenKundenservice
Denn auch die Kommunikation lässt zu wünschen übrig. Zwar zeigt die Anzeigetafel am Bahnhof Bad Cannstatt regelmäßig Warnhinweise, doch wer ein Fahrrad dabei hat oder mit Kleinkind reist, steht oft vor der Entscheidung: warten oder riskieren. Eine junge Mutter klagt: „Ich brauche jetzt täglich eine halbe Stunde länger – und ich weiß nie, ob ich mitkomme.“
Die Bahn verweist auf unerwartete Reparaturstaus in den Werkstätten. „Keine routinemäßige Wartung“, heißt es. Und: „Bis Ende der Woche kehren die Züge zurück.“ Doch die Geduld der Pendler ist längst erschöpft.
Ausblick auf Stuttgart 21: noch mehr Einschränkungen
Mit dem Projekt Stuttgart 21 stehen weitere Einschränkungen bevor. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass aus der Kritik der CDU konkrete Konsequenzen folgen. Denn während Politik, Verkehrsunternehmen und Ministerium Zuständigkeiten klären, drängen sich jeden Tag erneut die Massen auf Gleis 7. Und fragen sich: „Kann das wirklich deren Ernst sein?“