Die Parteien machen das Chaos im Mainzer Hauptbahnhof zum Wahlkampfthema. Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann beklagt, dass es dem Bahnchef Grube nicht gelungen sei, den Kurs seines Vorgängers Hartmut Mehdorn nachhaltig zu korrigieren.

Politik: Michael Trauthig (rau)

Mainz - Die Opposition warf der Bundesregierung am Dienstag vor, zu spät auf die angespannte Personallage der Bahn reagiert und damit versagt zu haben. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) betonte, der Bund sei für das Desaster verantwortlich. Der sei schließlich der Eigentümer. Der SPD-Vize-Fraktionschef Florian Pronold verlangte eine Sondersitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) entgegnete: Frühere SPD-Minister hätten den Bahn-Börsengang vorangetrieben und das Unternehmen kostenmäßig ausgeblutet.

Leihfirmen stopfen schon Lücken bei der Bahn

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann beklagt, dass es dem Bahnchef Grube nicht gelungen sei, den Kurs seines Vorgängers Hartmut Mehdorn nachhaltig zu korrigieren. So gebe es schon länger nicht genügend Lokführer und Stellwerker. Die Personaldecke sei so dünn, dass sich schon Leihfirmen darauf spezialisiert hätten, bei der Bahn Lücken zu stopfen – etwa bei den Lokführern. Hermann kritisiert zudem die niedrige Bezahlung in diesen verantwortungsvollen Bereichen. Auch deshalb fehle es an Nachwuchs. Der Grüne hält die Vorgänge in Mainz für fatal, weil sie das Negativ-Image der Bahn verschärften. Millionenteure Werbekampagnen und die Anstrengungen der Politik, Menschen zum Umsteigen auf die umweltfreundliche Bahn zu bringen, würden konterkariert. Er könne nicht nachvollziehen, dass die Verantwortlichen die Brisanz der Probleme nicht erkannt haben. Sie hätten verhindern müssen, dass die Landeshauptstadt wegen des Personalmangels im Stellwerk zeitweise vom Fernverkehr abgehängt wird. Hermann kritisierte aber auch Patrick Döhring (FDP) für seine Forderung, Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückzubeordern. Dies sei populistisch. „Als Mitglied des Aufsichtsrates der Bahn hat er seit 2009 genug Zeit gehabt Mängel aufzudecken und Verbesserungen einzuleiten.“

Das Eisenbahnbundesamt forderte derweil die Bahn auf, den uneingeschränkten Betrieb des Stellwerks sicher zu stellen.

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