Zugverkehr in Baden-Württemberg Pünktlichkeit stürzt weiter ab

Immer mehr Menschen fahren im Land Bahn – doch das System hält nicht Schritt. Foto: IMAGO/Arnulf/ Hettrich

Das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg hat untersucht, wie es mit der Qualität im Schienennahverkehr im Land steht. Das Ergebnis insbesondere rund um Stuttgart ist desaströs.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Schlimmer geht es immer – das ist das Fazit des aktuellen Rankings des baden-württembergischer Verkehrsministerium zur Qualität des Schienennahverkehrs. Überprüft wurden 32 Netze, in denen das Land den Zugverkehr bestellt hat. Die S-Bahn Stuttgart, die von der Region betrieben wird, ist deshalb im Überblick nicht dabei.

 

„Die Qualität im Schienenpersonennahverkehr ist bedauerlicherweise weiterhin auf Talfahrt“, sagt Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) angesichts der Zahlen für das zweite Halbjahr 2023. Baustellen, Personalmangel und zahlreiche kaputte Züge hätten Spuren hinterlassen.

Ergebnisse rund um Stuttgart besonders schlecht

Besonders negativ schlagen die binnen eines halben Jahres im Durchschnitt um zehn Prozent schlechter gewordene Pünktlichkeitsnoten durch. Drastisch nach unten gezogen haben das Gesamtergebnis Netze wie die von der Deutschen Bahn betriebene Verbindung zwischen Bad Urach und Herrenberg. Dort war teilweise mehr als die Hälfte der Triebwagen kaputt und fuhr nicht. Auf der 100-Punkte-Skala, bei der neben Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auch die Sauberkeit der Züge und die Gesamtzufriedenheit der Fahrgäste eingeht, stürzte dieses Netz von sowieso schon mäßigen 59,1 Punkten auf nur noch 21,7 ab.

Rund um Stuttgart sind die Ergebnisse besonders schlecht: Sechs der zwölf am schlechtesten benoteten Netze berühren die Landeshauptstadt – fünf davon haben ihr schon schwaches Niveau weiter unterboten.

Rund um Stuttgart besonders schlecht

Dazu gehören Strecken, die von Go-Ahead betrieben werden: Richtung Aalen und Ulm, nach Backnang und Nürnberg sowie nach Karlsruhe und Würzburg. Das Stuttgart berührende, weitverzweigte, so genannte Neckartalnetz der landeseigenen Bahngesellschaft SWEG, das von Mannheim bis Tübingen und von Bad Wildbad bis Osterburken reicht, belegt sogar den vorletzten Platz. Die Verbindungen der Deutschen Bahn von Stuttgart zum Bodensee oder in Richtung Crailsheim, Rottweil und Freudenstadt sind nicht viel besser.

Das Schlusslicht ist aber die von der Deutschen Bahn betriebene Hochrheinbahn zwischen Basel über Waldshut bis zur Schweizer Grenze bei Schaffhausen. Sie schaffte von 100 möglichen Punkten ganze 2,5. Zehn Netze, die sich meist minimal verbessert haben, konnten angesichts von 22 weiteren mit teils katastrophalen Minuswerten das Gesamtergebnis nicht ansatzweise ausgleichen.

Hermann macht klar einen Hauptschuldigen aus. Das Baustellenmanagement der DB Netzsparte sei indiskutabel, sagt er. Man müsse die zweifellos notwendigen Arbeiten viel besser planen und kommunizieren. „Bauarbeiten sollten nicht wie bisher mit dem Ziel ,Operation gelungen – Patient tot’ fortgeführt werden“, sagt Hermann. Aber alle Bahnunternehmen müssten auch dafür sorgen, dass die vertraglich vereinbarten Züge tatsächlich funktionierten.

Wo die Schweizer fahren, funktioniert es

Dass es auch anders geht, zeigen wieder einmal die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Seit dem Start des Rankings liegt der rein auf schweizerischem Gebiet, aber auf DB-Schienen stattfindende Verkehr zwischen Erzingen und Schaffhausen auf Platz eins. Hier schafft man trotz aktuell leichter Noten-Abstriche mehr als 90 von 100 Punkten.

Bronze geht mit der Verbindung Schaffhausen-Singen ebenfalls an die Schweiz. Auch auf dieser Linie sind die gefahrenen Zugkilometer aber relativ gering. Das gilt allerdings auch für die zweitplatzierte Schwäbische-Alb-Bahn zwischen Ulm und Gammertingen.

Immerhin haben es die Schweizer Richtung Singen binnen zwei Jahren geschafft nach der Übernahme der Verkehre von DB Regio sich um 17 Plätze zu verbessern. Entscheidend war die gestiegene Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Auch der Vergleich mit der miserabel abschneidenden Hochrheinbahn der DB direkt jenseits der Schweizer Grenze spricht für sich.

Probleme mit den Toiletten

Die Deutsche Bahn hingegen scheitert hingegen laut Verkehrsminister an ganz grundlegenden Dingen: „Fahrgäste dürfen nicht in die beklemmende Lage kommen, dass Toiletten im Zug nicht funktionieren, weil die Wasserversorgungsanlagen der DB jahrzehntealt und regelmäßig defekt sind.“

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