Zugverkehr in Reichenbach Bessere Verbindung für Nachtschwärmer

Auf der Filstalstrecke gibt es jetzt am Wochenende einen Nachtverkehr. Foto: /Karin Ait Atmane

Auf der Filstalstrecke gibt es seit 13. Juni einen Nachtverkehr. Weitreichendere Verbesserungen können aber erst kommen, wenn die Schnellbahntrasse Stuttgart-Ulm fertig ist.

Reichenbach - Nachtschwärmer aus dem Filstal können sich freuen: Mit dem „kleinen Fahrplanwechsel“ am Sonntag, 13. Juni, hat sich ihre Zuganbindung verbessert. Am Wochenende kommen sie jetzt auch im Zeitraum zwischen ein Uhr und fünf Uhr jede Stunde mit der Bahn nach Hause. Eigentlich war der Nachtverkehr auf der Filstalstrecke schon im vergangenen Jahr angekündigt, dann aber wegen Corona ausgesetzt. Er bringt eine deutliche Verbesserung, auf andere müssen die Filstäler aber noch warten: zum Beispiel auf den „echten“ Halbstundentakt.

 

Denn von Reichenbach aus fahren zwar jeweils zwei Züge pro Stunde in Richtung Stuttgart und in Richtung Ulm. Der zeitliche Abstand zwischen ihnen liegt aber bei 20 beziehungsweise 40 Minuten: „Stolpertakt“ nennen das die Verkehrsexperten. Den Halbstundentakt auszubauen, auch am Wochenende, ist Ziel des Verkehrsministeriums und Bestandteil des MEX-Konzeptes, das jetzt im Filstal offiziell gestartet wurde. MEX heißt Metropolexpress und bedeutet, dass die Region mit schnellen, regelmäßigen Verbindungen besser an Stuttgart angebunden wird. Deshalb heißen die Züge im Filstal ab sofort nicht mehr RB16, sondern MEX16, auch wenn die Waggons die gleichen sind.

Zu wenig Gleise zum Ausweichen

Der Halbstundentakt hängt laut Verkehrsministerium in erster Linie an der „Bahnsteigverfügbarkeit“, die derzeit geprüft werde. Sprich, man muss versuchen, auf der viel befahrenen Filstalstrecke zu den entsprechenden Zeiten eine Freigabe für die Züge zu bekommen. Ob das schon bis zur „nächsten Ausbaustufe“, die das Ministerium für den großen Fahrplanwechsel im Dezember ankündigt, klappt, ist fraglich. Fürs erste freut man sich in Reichenbach über die aktuelle Änderung. Nicht nur für Nachtfahrer, auch für Reisende sei ein großer Fortschritt, dass sie künftig zumindest an den Wochenenden „nicht mehr nur mit der S-Bahn oder dem Zug bis Plochingen, sondern tatsächlich mit dem Zug noch bis Reichenbach fahren können – und das in 30 bis 40 Minuten von Stuttgart“, sagt Heike Eberlein, die Leiterin des Reichenbacher Ordnungsamtes.

Die Filstaltstrecke ist stark befahren, aber nur mit relativ wenig Gleisen zum Ausweichen ausgestattet. Das führt immer wieder zu Verspätungen, weil Züge relativ lange stehen müssen, bis ein vorrangiger Zug vorbeigefahren ist. Ende 2019 hat das Unternehmen Go Ahead den Bahnbetrieb von Stuttgart nach Ulm übernommen. Schon damals war der jetzt begonnene Nachtbetrieb zeitnah vorgesehen, wurde aber verschoben. Der Betreiberwechsel holperte anfangs wegen fehlendem Personal und nicht rechtzeitig gelieferten Zügen, hat sich jedoch eingependelt. Im vergangenen Jahr ging es wie überall im Bahnverkehr recht entspannt und pünktlich zu. Wirklich eine Aussage machen kann man erst, wenn Corona vorbei ist und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel wieder das Niveau von davor erreicht. Größere Änderungen werden anstehen, wenn die Schnellbahntrasse Stuttgart-Ulm fertiggestellt ist. Denn dann fahren die ICEs nicht mehr durchs Filstal und geben damit Gleiszeiten frei: Spätestens dann müsste der angepeilte Halbstundentakt konkret werden.

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