InterviewZukunft der Blumenläden „Es zählen die Nischen“

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Klaus Götz glaubt an die Blume aus dem kleinen Fachgeschäft. Der Präsident des Floristenfachverbands mit Sitz in Stuttgart-Degerloch erklärt im Interview, wie Blumenläden im Wettbewerb mit Discountern überleben können.

Individuell gestaltete Blumensträuße sind die Stärke der Fachgeschäfte im Gegensatz zu den Discountern, sagt der Präsident des Floristen Landesverbands Baden-Württemberg. Foto: dpa
Individuell gestaltete Blumensträuße sind die Stärke der Fachgeschäfte im Gegensatz zu den Discountern, sagt der Präsident des Floristen Landesverbands Baden-Württemberg. Foto: dpa

Degerloch - Die Blumenläden haben es schwer im Wettbewerb mit Discountern und Supermärkten. Klaus Götz, der Präsident des Fachverbands Deutscher Floristen Landesverband Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart-Degerloch, erklärt im Interview, warum er trotzdem an die Zukunft seiner Branche glaubt.

Herr Götz, kaufen Sie selbst auch mal Blumen im Supermarkt?
Warum sollte ich das? Ich habe meine Blumen im Laden, und ich geh auch gern durch den Garten und schneide was ab. Wobei ich Blumen im Garten lieber stehen sehe.
Blumenläden haben es offenbar schwerer als früher. Lohnt es sich denn noch, Florist zu werden?
Es lohnt sich sicherlich, wenn auch die Zeiten ganz andere geworden sind. Die Empfindlichkeit für Blumen ist weiterhin da, nur sie verlagert sich sehr, sehr stark. Blumen für den Eigenbedarf werden zunehmend als Mitnahme-Artikel an der Kasse eingekauft. Das klassische Blumengeschäft als solches, wo ich hingehe, um was schön Gestaltetes zu kaufen, hat schon noch seine Berechtigung, aber beim Eigenbedarf machen sehr viele Menschen Abstriche.
Wie entwickeln sich denn die Ausbildungszahlen bei den Floristen?
Die entwickeln sich wie jegliche Ausbildungszahlen im Handwerk rückläufig. Das nehmen wir seit geraumer Zeit wahr. Wir unternehmen aber viel, um Auszubildende, die da sind, zu fördern und zu halten.
Wie zum Beispiel?
Wir haben von Verbandsseite aus zwei Veranstaltungen, einmal eine Berufseinführung im September und einen Abschlusstag für Auszubildende im dritten Lehrjahr. Wir wollen ihnen zeigen, welche Möglichkeiten ihnen nach der Ausbildung offenstehen.
Wie können Blumenläden im harten Wettbewerb mit Supermärkten bestehen?
Es zählt Gestaltung, es zählen die Nischen. Kleine Einzelgeschäfte arbeiten individuell, das ist unser ganz großer Joker. Die Individualität ist das, was dem Beruf Zukunft und auch Beständigkeit gibt. Weil Massenware schlägt sich natürlich immer im Preis nieder, aber ein schön gestalteter Strauß weckt einfach Emotionen und Begeisterung. Wenn ich jemandem Blumen schenke, die ich beim Discounter gekauft habe, dann wecke ich keine Emotionen damit. Das guck ich an und sag: Ah okay, mehr war ich nicht wert. Diese Wertigkeit, die dahinter steckt, gilt es zu verkörpern.
Warum wird es denn aus Ihrer Sicht auch in 50 Jahren noch Blumenläden geben?
Weil Blumen immer ein Kulturgut bleiben werden. Ein Kulturgut, das das menschliche Leben von der Wiege bis zur Bahre begleitet. Wir müssen für die Blume aufstehen und geradestehen, damit wir sie wieder ins rechte Bewusstsein rücken.
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