Zukunft der Esslinger City Herzschrittmacher für die Innenstadt

Sie wollen die Weichen für die Zukunft der Innenstadt stellen: City-Manager Thomas Müller, Christine Clement und Marc Grün vom Amt für Wirtschaft, der scheidende Oberbürgermeister Jürgen Zieger, Wolfgang Ratzer vom Stadtplanungsamt sowie Stadtmarketing-Geschäftsführer Michael Metzler (von links). Foto: Roberto Bulgrin

Die Stadt startet einen Strategieprozess gegen die drängenden Probleme der Innenstadt. Durch die Beteiligung von Bürgern und Experten soll die Altstadt zukunftstauglich gemacht werden. Der scheidende OB Jürgen Zieger sieht den Einzelhandel dabei nicht mehr im Mittelpunkt.

Esslingen - Meckern kann jeder. Mitmachen ist schwieriger. „Die Ärmel hochkrempeln, sich einbringen und die Stadt neu gestalten“, so lautet nun ein Appell der Stadtverwaltung an die Esslinger. Nun gut, ganz neu kann man die Neckarstadt natürlich nicht machen. Aber die Innenstadt soll zukunftstauglich und fit für die gegenwärtigen und kommende Herausforderungen gemacht werden. Die Verantwortlichen haben jetzt den Startschuss für das Projekt „Zukunft Innenstadt“ gegeben. Der erste Schritt in dem Strategieprozess ist eine Onlinebefragung, bei der jeder mitmachen kann – egal, ob er Einheimischer oder Auswärtiger ist.

 

Rezepte gegen drängende Probleme

Die Esslinger City ist das Herz der Stadt – doch dieses pulsierende Lebenszentrum ist aus dem Takt geraten. Als eine Art Herzschrittmacher soll daher nach dem Willen der Verantwortlichen das Projekt „Zukunft Innenstadt“ fungieren. Für Herzrasen sorgen die drängenden Probleme fast aller Städte. Demografische Veränderungen, steigende Erwartungshaltungen, ein verändertes Kauf- und Konsumverhalten, neue Formen der Mobilität und Digitalisierung zählt der scheidende Oberbürgermeister Jürgen Zieger die Herausforderungen auf. Das Rezept der Stadt gegen einen urbanen Kollaps angesichts des Problemdrucks lautet nun: Bürgerbeteiligung, Mitmachprozesse, Expertenmeinungen, Teilhabe der Einwohner.

Zukunftstauglichkeit der Innenstadt

Es gehe um „Aufbruch“, fasst Michael Metzler den Prozess in einem Wort zusammen. Zu klärende Fragen sind laut dem Geschäftsführer der Esslinger Stadtmarketing und Tourismusgesellschaft: Was zieht die Menschen in die Stadt? Wie können Flächen sinnvoll belegt werden? Welche Impulse gibt es für neue Konzepte, die sich in der City niederlassen könnten? Wie wird die Innenstadt fit für die Zukunft? Die Dominanz des Einzelhandels werde abnehmen, ergänzt Zieger. Nicht weil der schlecht sei, sondern wegen der zunehmenden Online-Konkurrenz.

Onlinebefragung wird gestartet

Um das Herz der City wieder im richtigen Takt schlagen zu lassen, wird zunächst eine Ideensammlung gestartet. Von diesem Samstag an können Bürger und die Fachöffentlichkeit an einer Onlinebefragung teilnehmen. Auf der städtischen Webseite kann ein Fragebogen beantwortet werden, der in „starken fünf Minuten“ zu bewältigen sei, sagt Christine Clement, stellvertretende Leiterin des städtischen Amts für Wirtschaft. Bis Anfang Oktober sei die Umfrage freigeschaltet. Die Auswertung und statistische Aufbereitung der Antworten werde ein Fachbüro übernehmen. Weitere Veranstaltungen sind in den nächsten Monaten geplant.

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Zukunftsszenarios werden entwickelt

Die Antworten sollen Basis für ein Lagebild der heutigen Innenstadt und die Entwicklung eines Zukunftsszenarios sein. „Am Ende des Prozesses steht ein Katalog mit kurz-, mittel- und langfristig angelegten Projekten für die Innenstadt“, sagt Metzler. Wie die Projekte aussehen könnten, dazu möchte er sich nicht äußern. Es sei ein „offener Prozess“, die Verwaltung wolle den Resultaten nicht vorgreifen. Als positives Beispiel für ein gelungenes Zukunftsmanagement führen Marc Grün vom Wirtschaftsamt und Zieger die neu belebte Küferstraße mit ihrem Gründerzentrum und den frisch angesiedelten Geschäften an. Vom „East End“ habe sich der Straßenzug zu einer Vorzeigemeile herausgeputzt, so Jürgen Zieger.

110 000 Euro für die Zukunft

Ein neuer Takt, aber kein komplett neues Herz soll durch den Prozess ermöglicht werden. Die Stadt werde hier auch nach dem Ende seiner Amtszeit im Oktober moderierend, vermittelnd, verbindend und als Netzwerkerin tätig sein, verspricht Zieger. Dass es die Zukunft aber nicht für einen Apfel und ein Ei gibt, weiß auch die Esslinger Stadtverwaltung. In diesem Jahr stehen für den Zukunftsprozess nach Angaben von Michael Metzler 110 000 Euro zur Verfügung. Die Hälfte dieser Summe komme aufgrund „des Vorbild- und Modellcharakters“ aus Fördertöpfen der Region Stuttgart, die anderen 50 Prozent steuert die Stadt bei. Für das kommende Jahr habe die Region Stuttgart nochmals 25 000 Euro in Aussicht gestellt: „Zielbild und Projektkatalog sollen Mitte 2022 im Gemeinderat vorgestellt werden“.

Denn die Altstadt ist nach Ansicht von Wolfgang Ratzer, dem Chef des Stadtplanungsamtes, all der Mühen wert: „Die Esslinger Altstadt ist Identifikation, Kommunikation und Lebendigkeit. Sie darf daher nicht aus Fassaden bestehen, hinter denen nichts zu finden ist.“

Die Online-Umfrage im Internet unter www.esslingen.de/kundenbefragung

Die Esslinger Innenstadt und ihre Zukunft

Online-Befragung
 Am heutigen Samstag startet eine virtuelle Befragung zur Zukunft der Esslinger Innenstadt, an der sich alle Interessierten in und außerhalb von Esslingen beteiligen können. Unter www.esslingen.de/kundenbefragung kann bis Anfang Oktober ein Fragenkatalog beantwortet werden.

Das Forum
 Das erste öffentliche Forum zum Thema Innenstadt ist auf Mittwoch, 22. September, um 19 Uhr im Neckarforum terminiert. Vorgesehen sind ein Impulsvortrag des Zukunftsforschers Andreas Reiter aus Wien, verschiedene Podiumsgäste sollen zu Wort kommen, und der Gesamtprozess wird erläutert.

Die Teams
 Ab Herbst sind laut Michael Metzler Zukunftswerkstätten mit interdisziplinären Teams zur Erarbeitung von Ideen und Impulsen der Innenstadtthemen geplant. Ab Freitag, 10. September, werde die Arbeitsgruppe Innenstadt ihre Arbeit aufnehmen und erste Projektideen konkret angehen.

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