Zukunft der IBA’27 Friedensgespräche – aber noch kein Plan

Die Fahrrad- und Fußgängerbrücke in Stuttgart-Neugereut ist ein technologisches IBA-Vorzeigeprojekt, bei dem Stadt und Wolff & Müller gut zusammenarbeiten. Foto: Harrer Ingenieure GmbH

Die Stadt Stuttgart will bei der Internationalen Bauausstellung (IBA’27) in die Offensive. Doch völlig überzeugt ist einer ihrer öffentlichen Kritiker, das Stuttgarter Bauunternehmen Wolff & Müller, offenbar noch nicht.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Den Beteiligten vom städtischen Tiefbauamt Stuttgart und dem ausführenden Bauunternehmen Wolff & Müller ist die Begeisterung über die kleine Brücke am Seeblickweg in Stuttgart-Neugereut anzumerken, als sie ihr gemeinsames Vorzeigeprojekt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA’27 auf einer Führung vorstellen.

 

Die Leidenschaft der Ingenieure

Für den Laien wirkt der Rad- und Fußgängerüberweg eher unscheinbar. Innovativ ist vor allem dessen unsichtbares Innenleben, wo Karbonfasern die üblichen Stahlmatten ersetzen. Für Stadt und Bauunternehmen ist diese neue Baumethode komplex und anstrengend. „Wir arbeiten da nicht nach Norm und brauchen für viele Dinge eine Zulassung im Einzelfall“, sagt der Bauleiter Benedikt Jordan „Aber Stuttgart war immer eine Stadt der Innovation im Brückenbau“, erläutert Joachim Andelfinger vom Tiefbauamt.

Doch während hier die IBA-Begeisterung des städtischen Tiefbauamts spürbar ist, hat Wolff & Müller hinter den Elan des Stuttgarter OB Frank Nopper und seines Baubürgermeisters Peter Pätzold bei den übrigen, schleppend vorankommenden städtischen IBA -Projekten vor einiger Zeit ein deutliches Fragezeichen gesetzt. Als Ende November die Baufirma deshalb ankündigte, als ein Hauptsponsor der IBA auszusteigen, war das ein Paukenschlag – auch wenn die praktische finanzielle Bedeutung gering war und niemand bisher dem Beispiel gefolgt ist. Stuttgart tue zu wenig für die IBA und verpasse die dadurch gebotene Chance, so der harte Vorwurf.

OB Nopper hat Besserung gelobt

Die erste Reaktion der Stadt war pikiert. Man verwies beispielsweise darauf, mit wie viel Geld man die IBA unterstütze. Doch in einem Doppelinterview mit unserer Zeitung gelobten Oberbürgermeister Frank Nopper und sein Baubürgermeister Peter Pätzold Ende vergangenen Jahres Besserung. Sie versprachen nicht nur Fortschritte bei bisher zähen Vorhaben wie auf dem Areal des Züblin-Parkhauses, sondern auch neue Projekte wie auf dem Klettareal und eine bessere Vernetzung der Beteiligten von der Stadtverwaltung über den Stadtrat bis zu den IBA-Machern – etwa in Gestalt einer neu errichteten Task Force. Und seitens der Stadt kündigte man auch Gespräche mit dem Stuttgarter Bauunternehmen an, um es wieder für die IBA zu gewinnen.

Stadt gibt sich wortkarg

Ein erstes Treffen hat es nun gegeben. Doch die Stadt gibt sich wortkarg: „Ein erster Abstimmungstermin zwischen Herrn Bürgermeister Pätzold, Wolff & Müller sowie Frau Lang, Geschäftsführerin der IBA’27 Stadtregion Stuttgart GmbH hat Anfang Januar diesen Jahres stattgefunden. Die Beteiligten werden weiterhin in Austausch bleiben“, das ist alles, was der städtischen Pressestelle zu entlocken ist. Wolff & Müller ist da gesprächiger – und will die öffentliche Aufmerksamkeit weiter nutzen. „Wirklich spannend wäre es, wenn die Stadt Stuttgart unter Einbeziehung der Region für die IBA auch noch eine griffige Überschrift und einen Masterplan kommunizieren könnte, welche Vision man für die Stadt hat“, sagt Albert Dürr, der Geschäftsführende Gesellschafter. Ein solcher Plan samt Ressourcen, Verantwortlichkeiten und konkretem Timing sei nicht hinreichend bekannt.

Indirekt lässt sich dem entnehmen, dass das Gespräch mit der Stadt noch keinen solchen Plan sichtbar gemacht hat. Man wolle aber keine weitere Konfrontation, sagt Dürr. Es sei erfreulich, dass die Stadt einiges ändern wolle.

Gibt es Interessenkonflikte?

Energisch weist das Bauunternehmen von sich, die Auseinandersetzung mit der Stadt könne womöglich mit eigenen Interessen oder vergangenen Konflikten etwa um die Kosten des Rosensteintunnels zu tun haben. Mit Ausnahme der Brücke in Stuttgart-Neugereut sei man auch bei keinen anderen Vorhaben der Bauausstellung beteiligt.

Es gehe vielmehr darum, dass die Stadt die Chance nicht verspiele, die die IBA für städtebauliche Visionen biete, sagt Firmenchef Dürr: „Natürlich wirkt da nach, dass man sich zeitweise bei Stuttgart 21 die Köpfe eingehauen hat, aber man könnte das doch auch als Anstoß nehmen, dass man daraus gelernt hat, lösungsorientiert denkt und mutig entscheidet.“ Noch scheint weiterer Gesprächsbedarf zu bestehen: „An dem Punkt, dass wir als Sponsor zurückkehren, sind wir im Augenblick noch nicht.“

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