Stuttgart zahlt schon einiges
Denn – wie die Stadt in ihrer Reaktion betonte – Stuttgart und die Region bleiben die finanziell tragenden Säulen der IBA. Sie haben etwa durch eine Aufstockung der Mittel vor zwei Jahren dafür gesorgt, dass die IBA eine Geschäftsstelle mit 22 Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit betreiben und Projekte konkret betreuen kann.
Das war nicht bei allen Bauausstellungen selbstverständlich – in Heidelberg 2022 wurde keine solche Geschäftsstelle finanziert. Es gab andererseits auch Events wie die IBA 1999 im Ruhrgebiet, das die öffentliche Hand mit 1,5 Milliarden Euro finanzierte, um eine ganze Region umzukrempeln.
Die Hoffnung der IBA-Macher nach den jüngsten Negativschlagzeilen: dass Stuttgart das Potenzial besser nutzt. In der Region wirft sich jedenfalls so mancher Bürgermeister mit viel Engagement in die Bresche. Gerade erst wurde Oberbürgermeister Frank Nopper, der ja auch als IBA-Aufsichtsratsvorsitzender fungiert, bei einer Tour durch die Weißenhofsiedlung gesichtet. Er ließ sich das dortige IBA-Konzept erläutern. Dass die Bauausstellung 2027 in die Region gekommen ist, hat vor allem mit dem hundertsten Geburtstag dieses international bekannten Meilensteins der Architekturgeschichte zu tun.
Hier geht es um ein neues Besucherzentrum und die Neugestaltung der Brenzkirche. „Wenn wir heute davon ausgehen, dass eine fünfstellige Zahl von Menschen diesen Meilenstein der Architekturgeschichte jedes Jahr besuchen, dann wird man 2027 sicher eine Null dranhängen können“, sagt Karin Lang, die kaufmännische Geschäftsführerin der IBA. Die Ausstellung soll auch näher an die Bürger rücken. Die IBA plant im kommenden Jahr einen permanenten Ausstellungsort in zentraler Lage in der Innenstadt.
Ist Stuttgart überfordert?
Dass die einzigen zwei Vorhaben in der Obhut der Stadt, das Züblin-Areal im Leonhardsviertel und die so genannte „Maker City“ an den Wagenhallen auf einem ersten Teilstück des durch Stuttgart 21 möglichen Rosensteinviertels nicht vorankommen sind, bleibt in der Außenwirkung dennoch ein massives Manko. Dass es auf Stadtgebiet acht weitere Projekte von Stuttgart-Münster über Untertürkheim bis Zuffenhausen gibt, tritt da gelegentlich in den Hintergrund.
Für die Stadt und ihre Verwaltung sei die Entwicklung großer, komplexer Bauprojekte in Eigenregie sichtlich Neuland, sagt der IBA-Intendant Andreas Hofer: „Es ist ja auch erst wenige Jahre her, dass Stuttgart Grundstücke nicht nur verkauft, sondern selber als Entwickler auftritt.“ Und so stoßen IBA-Visionen auf eine Verwaltung und einen Gemeinderat, welche die Offenheit, den Pragmatismus und die Flexibilität nicht geübt haben, die es braucht.
Sind Angst und Perfektionismus im Weg?
Zu viele rechtliche Hürden, zu viele Ängste, zu viel Perfektionismus – das sei nicht nur in Stuttgart so, sondern insgesamt ein deutsches Problem, sagt der aus der Schweiz stammende IBA-Intendant. Andere Städte seien aber durch den Niedergang ihrer Industrie gezwungen worden, sich neu zu erfinden. Stuttgart sei da eine Ausnahme: „Was die immer noch weitgehend funktionierende Industrie angeht, ist die Region wirklich einmalig“.
Viel zu lange habe man sich etwa beim Züblin-Areal mit „einem Riesenkatalog von Forderungen“ aufgehalten, anstatt einfach anzufangen, sagt Hofer. Beim Projekt an den Wagenhallen nimmt er die Stadt in Schutz: „Ich glaube, alle Beteiligten haben die technischen Herausforderungen und die Abhängigkeiten von der weiteren Planung auf dem benachbarten Stuttgart-21-Gelände unterschätzt.“
Braucht es eine Task Force für die Bauausstellung?
An all diesen Gegebenheiten, auch am Personalmangel in den zuständigen Ämtern, wird bis 2027 wenig zu ändern sein. Auch wenn es die Möglichkeit gäbe, etwa durch eine Task-Force jenseits der eingefahrenen Verwaltungsstrukturen beim Thema IBA für mehr Schwung zu sorgen.
Letztlich, so macht Intendant Hofer deutlich, sei es nicht entscheidend, an welchen Projekten im Jahr 2027 nun das IBA-Label hänge: „Es ist doch entscheidend, dass die Stadt insgesamt vorankommt.“