Zukunft der Kult-Disco Die Rockfabrik darf bleiben

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Die legendäre Diskothek in der Weststadt wartet noch immer auf die Verlängerung des Pachtvertrags – zuletzt wurden Gerüchte laut, das Gebäude werde abgerissen. Doch jetzt zeigt sich der Vermieter plötzlich gesprächsbereit. Die Rofa scheint gerettet.

Die Rofa lockt noch immer regelmäßig Tausende Musikfans an. Foto: factum /dpa
Die Rofa lockt noch immer regelmäßig Tausende Musikfans an. Foto: factum /dpa

Ludwigsburg - Alle wollen, dass sie bleibt. Die Gäste wollen es. Die Chefs wollen es. Die Angestellten. Sogar die Ludwigsburger Stadtverwaltung, die das Treiben der Rock- und Metalfans in der Weststadt einst eher mit Argwohn beobachtete, will es. Jetzt endlich zeichnet sich ab, dass die Rofa, eine der bekanntesten, größten und ältesten Rockdiskotheken Deutschlands, nicht schließen und nicht umziehen muss.

Die Max-Maier-Immobiliengesellschaft, der das Gebäude im Gewerbegebiet westlich des Bahnhofs gehört, ist nun offenbar doch bereit, den Pachtvertrag zu verlängern. Er könne aus Gründen des Datenschutzes zwar keine konkreten Angaben zum Mietverhältnis machen, sagt Andreas Naumann, der als Immobilienmanager für Max Maier arbeitet. Er könne aber versichern, dass das Unternehmen „keine Ambitionen habe, das Rockfabrik-Gebäude anderweitig zu verwenden oder anderweitig zu vermieten“.

Daheim in einer ehemaligen Kühlschrankfabrik

Für die Macher der 1983 eröffneten und längst legendären Disco an der Grönerstraße ist das eine ebenso überraschende wie bedeutende Aussage. Ende 2019 läuft der Mietvertrag aus, und in den vergangenen Wochen und Monaten waren die Gerüchte immer lauter geworden, Max Maier wolle die Rofa abreißen lassen. Der wohlhabende und exzentrische Unternehmer hat in der Weststadt zahlreiche alte Industriegebäude aufgekauft und daraus unter anderem die Eventlocation Urban Harbour und das Werkzentrum Weststadt geformt: Hunderte Mitarbeiter von Global Playern wie Bosch oder Porsche forschen in den schicken Gebäuden an digitalen Technologien, hinzu kommen Medienunternehmen, Start-ups, mehrere kleine Firmen, ein Filmstudio, eine hochmoderne Mensa, kurzum: Geht es nach Maier, soll die Weststadt zu einem kleinen Silicon Valley werden. Das hat er selbst so gesagt.

Die Rockfabrik zog einst ebenfalls in eine alte Industriehalle, in eine Kühlschrankfabrik. Doch heute wirkt die Disco zwischen all den mit vielen Millionen Euro aufgehübschten Gebäuden und digitalen Vorzeigeprojekten wie ein Fremdkörper, und das Gebäude ist zudem ziemlich baufällig. „Wir wissen nicht, was Max Maier hier plant“, klagte Christian Albrecht, einer der drei Chefs, Anfang März, und auch danach gab es keine weiteren Gespräche über eine Vertragsverlängerung – was die Sorge, Maier plane im Stillen einen Neubau, weiter nährte. Zuletzt wurde gar spekuliert, Porsche habe das Areal gekauft, was jedoch nachweislich nicht stimmt.

Ein Umzug wäre der Worst Case

Nun sieht es danach aus, als seien alle Sorgen unbegründet. „Wenn das so ist, wäre es sehr schön für uns“, sagt Johannes Rossbacher, der zweite Chef der Rofa. Denn auch wenn bislang unklar war, was Max Maier will – was sie selbst wollen, wissen die Rofa-Macher genau: weitermachen. Wie in fast allen Diskotheken seien auch in der Rockfabrik die Gewinne zurückgegangen, weil sich das Ausgehverhalten verändert habe, sagt Rossbacher. Aber es gehe ihnen nicht nur ums Geld. „Solange das hier kostendeckend läuft, machen wir weiter.“ Für die Gäste, von denen manche seit Jahrzehnten immer wieder kommen. Für die Angestellten, von denen ebenfalls viele seit Jahrzehnten in der Rofa arbeiten. Nicht zuletzt für die Rockfabrik selbst. „So eine Kultstätte gibt man nicht einfach auf.“

Allen Beteiligten ist bewusst, dass ein Umzug an einen anderen Standort kaum zu stemmen wäre. „Ein Aus an der Gröner­straße wäre für uns der Worst Case“, sagt Rossbacher. Keine Anwohner, nah bei der Autobahn und auch vom Bahnhof aus gut zu erreichen – die Lage ist für eine Diskothek optimal. „Und wir sind hier etabliert. Keiner garantiert uns, dass es anderswo wieder genauso gut laufen würde.“ Denn auch wenn die Umsätze zurückgehen: Vor allem an Wochenenden bilden sich noch immer lange Schlangen vor dem Eingang. 1500 Menschen gleichzeitig passen in das dreistöckige Gebäude.

Jetzt geht es ans Verhandeln

Schon in den 1990er Jahren wurde spekuliert, die Rofa stehe vor dem Aus, aber der Laden trotzte immer allen Widrigkeiten, Trends und Krisen. Anders ist diesmal, dass es nicht gelungen ist, den Pachtvertrag frühzeitig zu verlängern. Über die Gründe, warum Max Maier sich derart lange Zeit lässt, ist nichts bekannt. „Die Situation verunsichert natürlich das Personal und die Gäste“, sagt Rossbach. Naumann, der Immobilienmanager von Max Maier, sagt dazu nur: „Wir wissen, dass die Rockfabrik Interesse an einer Vertragsverlängerung bekundet hat.“ Jetzt gehe es darum, die Konditionen auszuhandeln.

Theoretisch könnte der Deal also immer noch scheitern, aber die Chancen, dass beide Seiten erneut zusammenfinden, sind gut. Denn wenn Max Maier sich tatsächlich gegen einen Neubau entschieden hat, wird er wohl keinen anderen Mieter für die alte Halle finden. Rossbach jedenfalls ist optimistisch: „An den Konditionen ist es nie gescheitert, und daran würde es auch diesmal nicht scheitern“, sagt er. Fünf Jahre laufen die Mietverträge in der Regel, und zumindest so lange scheint die Zukunft der Rofa also gesichert zu sein.

Wie es dann weitergeht? Niemand weiß es. Ob aus weiteren fünf Jahren vielleicht zehn Jahre werden, vielleicht sogar noch mehr – auch das kann niemand vorhersagen. Sicher ist lediglich: „Irgendwann wird es vorbei sein“, sagte Chris Albrecht im März. „Aber bis dahin feiern wir weiter.“