Dass sich die Moschee auf den Fildern in ein Ärztehaus verwandeln könnte, ist bisher nur ein Gedankenspiel, welches das Ehepaar Anna-Laura und Alexander Kappes aufgebracht hat. Der Gemeinderat hat dazu noch keine Diskussion geführt und keinen entsprechenden Beschluss gefasst. Das Ehepaar hatte vorgeschlagen, der Stadt das Gelände an der Ecke Wilhelm-Haas-Straße/Raiffeisenstraße abzukaufen. Die Medizinerin möchte ihre Hausarztpraxis, die in der Nähe liegt, erweitern. Ihr Mann hat als Geschäftsführer eines Ingenieurbüros ein entsprechendes Konzept erarbeitet.
Die Idee ist als ein Gerücht in Oberaichen überall im Umlauf. Das hat auch Thomas Epperlein beobachtet. Er ist seit drei Jahren der Pfarrer von Oberaichen. „Man hat den Leuten diesen Floh ins Ohr gesetzt“, sagt er. Dass der Vorschlag verfängt, liege vielleicht auch daran, dass es außer den beengten Verhältnissen an der Rohrer Straße und dem langsamen Internet keine größeren Aufregerthemen gebe, sagt er. Die Hausarztpraxis sei zudem gut besucht, befinde sich aber in beengten Räumen, erklärt er. „Es hätte niemand etwas dagegen, wenn sie in größere Räume umziehen würde“, sagt er. Auch deshalb fänden es viele praktisch, wenn in ihrem Ort ein Ärztehaus entstehen könnte.
In Oberaichen gibt es nur noch einen Bankautomaten und keine Bankfiliale mehr. Die Laden-Infrastruktur ist eher dünn ausgeprägt. Die Menschen dort können in einer Bäckerei und bei einem Metzger einkaufen, außerdem eine Pizzeria besuchen. Gerade die Alteingesessenen fühlten sich ein Stück weit nicht mehr abgeholt, sagt der Pfarrer. Dennoch gebe es wichtigere Themen als die Frage, Moschee ja oder nein. Dass das Bahnhöfle – eine traditionsreiche Gaststätte, die seit 2019 geschlossen war, wieder geöffnet habe, sei für viele im Ort wichtiger, als was aus dem Gebetshaus werde. Nicht zuletzt gebe es in Oberaichen durchaus Leute, die gegenüber Muslimen sehr offen seien. Aber eben auch Kritiker, denen das Gebetshaus schon lange Zeit ein Dorn im Auge war und die es nun als „Sieg begreifen, dass hier nun vielleicht doch keine Moschee geben wird“.
Der muslimische Verein VKBI, der gemeinsam mit seinem Kölner Dachverband VIKZ das Gebetshaus gebaut hat, ist aktuell im „Stand-by–Modus“, wie VKBI-Chef Muhammet Güçlü unserer Zeitung sagt. Die Muslime warten auf die Ergebnisse des Gutachtens zum Bauzustand des Gebetshauses, welches die Stadt in Auftrag gegeben hat. Welche Erwartungen hat der Verein an das Papier? „Das Gebäude ist zu einem großen Teil fertig, viele Kleinigkeiten sind noch offen“, sagt Muhammet Güçlü auf die Frage.
Die Muslime warten auch auf eine Einladung in den Gemeinderat, um vorzutragen zu können, wie sie sich die zukünftige Nutzung des Gebetshauses vorstellen. Ihr Freitagsgebet findet derweil weiter an der Karlsruher Straße in Echterdingen statt. „Diese Räume werden schlechter und schlechter“, sagt der Vereinschef. Und: „Wir brauchen dringend alternative Räume.“
Das Moschee-Gutachten liegt mittlerweile vor
Der Stadtverwaltung liegt das Gutachten zur Moschee mittlerweile vor, wie Oberbürgermeister Otto Ruppaner unserer Zeitung gesagt hat. In der kommenden Woche werden die Ergebnisse verwaltungsintern und gemeinsam mit einem Experten im Detail besprochen, erst danach sollen sie dem Gemeinderat präsentiert werden.
Am kommenden Dienstag, 25. Februar, wird in der Gemeinderatssitzung zumindest kurz über die Moschee auf den Fildern gesprochen werden. Denn auf der Tagesordnung steht der jüngste Antrag der CDU-Fraktion dazu. Sie will erreichen, dass „eine mögliche Nutzungsänderungen für das Moscheegebäude diskutiert und darüber abgestimmt wird, welche neue, gesamtbürgerschaftliche Nutzung dem Gebäude verliehen werden soll, um den Leerstand zu beenden“, heißt es in dem Vorstoß. Die Christdemokraten nehmen damit Bezug auf die Idee des Ehepaars Kappes, das Gebetshaus künftig als ein Ärztehaus zu nutzen. Eine große, öffentliche Diskussion ist an diesem Abend nicht zu erwarten. Vielmehr wird der Antrag in den technischen Ausschuss verwiesen, und dann dort besprochen werden.
Die Geschichte zur Moschee auf den Fildern
Moschee-Streit
Die Stadt Leinfelden-Echterdingen und der Verein VKBI haben sich viele Jahre über den Weiterbau der Moschee in Oberaichen gestritten. Die Muslime haben auf dem Grundstück an der S-Bahn-Station ein Gebetshaus gebaut. Der Verein wollte dort noch weitere Räume errichten. Auch ein Schülerwohnheim hatte er geplant. Dies wollte insbesondere Ex-Rathauschef Roland Klenk verhindern. Drei Gerichte hatten sich damit beschäftigt. Die Stadt ist mittlerweile nicht nur Eigentümerin des Baugrunds, ihr gehört auch das Gebetshaus.
Entschädigung
Hans-Joachim Rast, Vorsitzender Richter am Stuttgarter Oberlandesgericht, hatte im September 2022 allerdings betont: Die Kommune werde nicht umhinkommen, den Verein für den Wertzuwachs zu entschädigen, den das Grundstück durch den Bau des Gebetshauses erhalten habe. Sonst würde sie einen Gewinn machen, was unverhältnismäßig sei.